Tinguely Ahoy
Logbuch-Eintrag 8: Schleppende Bote, lockende Sirenen, abstürzende Drohnen

Die MS Evolutie passiert auf ihrer Rhein-Reise die sagenumwobene Loreley. Anlass für ein Gespräch mit dem Kapitän Steven Leisenberg.

bz
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In Koblenz lockte das Tinguely-Ausstellungsschiff an zwei Tagen knapp 1600 Besucherinnen und Besucher an.

In Koblenz lockte das Tinguely-Ausstellungsschiff an zwei Tagen knapp 1600 Besucherinnen und Besucher an.

zVg

Auf dem Weg von Koblenz, wo das Tinguely-Ausstellungsschiff dank der Museumsnacht mit fast 1600 Besucherinnen und Besuchern einen Rekord ver­buchen durfte, weiter nach Frankfurt kommt die MS Evolutie an der Loreley vorbei. Der Streckenabschnitt ist bekannt für seine nautische Herausforderung, immer wieder kommt es an den engen und kurvenreichen Passagen zu Havarien.

Was ist an diesem Streckenabschnitt so besonders?

Kapitän Steven Leisenberg konzentriert bei der Arbeit.

Kapitän Steven Leisenberg konzentriert bei der Arbeit.

zVg

Steven Leisenberg: Bei der Loreley warten neben dem schönen Ausblick scharfe Kurven und starke Strömungsgeschwindigkeiten. Man fährt sozusagen durch ein Gebirge, der Grund besteht nicht wie sonst aus Sand oder Kies und daher muss man auf diese Untiefen im Wasser besonders achten.

Warum ist die Strömung an dieser Stelle denn stärker?

Weil sich der Rhein sozusagen durch dieses Gebirge quetscht. Daher muss die Evolutie während etwa vier Stunden von einem Schleppboot gezogen werden, weil sie mit ihren 80 Jahren auch zu den alten Schiffen gehört und nicht die erforderliche Motorleistung hat. Es würde nur knapp reichen und dann müssten wir das Schiff doch sehr beanspruchen und «quälen», was wir nicht wollen.

Die Loreley hat eine lange Geschichte von Schiffsunglücken. Zugleich gibt es Sagen von Sirenen. Wie ergeht es Ihnen da als Kapitän?

Man hat hier definitiv Respekt, weil es wie gesagt ein sehr anspruchsvoller Streckenabschnitt ist. Nymphen-Gesang habe ich bislang aber leider keinen gehört – das wäre aber schön.

Die Reise endet in knapp drei Wochen. Wie gut kennen Sie die Macken der MS Evolutie?

Ich kenne das Schiff mehr oder weniger auswendig. Ich war jetzt während der Reise zweimal kurz zu Hause in Basel, und wenn es währenddessen zu Problemen gekommen wäre, hätte ich auch von der Ferne aus Anweisungen gegeben.

Stand die Weiterfahrt nach Basel angesichts der starken Regenfälle mal in Frage?

Anfangs der Reise war es schon fraglich, wie lange das Hochwasser bleibt, und es hat sich auch wirklich lange hingezogen. Wir haben Glück gehabt, auf der Oise sind wir das erste Mal mit Hochwasser in Kontakt gekommen und da kamen sehr viele Baumstämme zu Tal, was dann einen Tag später zu einer Sperrung geführt hat. Wir sind dem Hochwasser also einen Schritt voraus gewesen und haben es ziemlich gut umfahren können.

Zuletzt noch eine Mini-Havarie als PS: Steven Leisenberg und sein Matrose wollten mit einer Drohne Filmaufnahmen machen über der Loreley. Die Drohne von einem fahrenden Schiff aus zu starten und steuern, ist eine ­Herausforderung. Leider passierte dann genau das Unglück: Die Verbindung brach ab, und die Drohne stürzte ins Wasser – und weg war sie.

Im Wochenrhythmus begleitet die bz die Stationen der MS ­Evolutie. www.mtahoy.com

In Koblenz wurde die «Schwimmwasserplastik» beleuchtet.

In Koblenz wurde die «Schwimmwasserplastik» beleuchtet.

zVg

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