Trotz Jogging-Boom
Basler Stadtlauf rechnet mit halb so vielen Läuferinnen und Läufern

Während des Lockdowns schnürten viele die Laufschuhe. Messen lassen wollen sie sich aber offenbar dennoch nicht.

Benjamin Rosch
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In den vergangenen Jahren nahmen jeweils bis gegen 10'000 Läuferinnen und Läufer am Stadtlauf teil.

In den vergangenen Jahren nahmen jeweils bis gegen 10'000 Läuferinnen und Läufer am Stadtlauf teil.

Georgios Kefalas/KEYSTONE

Er ist eine Basler Institution wie der Zolli oder die Fasnacht: der Stadtlauf ist nicht nur ein Volkslauf, er ist auch ein Volksauflauf. Nachdem er letztes Jahr ausgefallen war, gehört er heuer wieder auf die Agenda vieler Joggerinnen und Jogger. Noch ist es aber nicht so, dass die Laufbegeisterten den Organisatoren die Türe einrennen, wie René Bänziger auf Anfrage sagt. «Im Moment verzeichnen wir etwas über 1500 Anmeldungen.»

Das sind deutlich weniger als vor zwei Jahren zum selben Zeitpunkt, einem Monat vor dem Lauf. «Allerdings», gibt Bänziger zu bedenken, «sind wir mit allem sechs Wochen später dran.» Lange wusste niemand, ob 2021 wieder ein Lauf in Basel stattfinden kann. Viele Laufsportevents fielen erneut der Pandemie zum Opfer. Nicht der Stadtlauf – dafür sorgen verschiedene Veränderungen. «Es war nötig, dass wir den Abend entflechten», sagt Bänziger und meint damit die Druggedde, die sich jeweils in der Freien Strasse einstellt, wenn die Zuschauer in die Innenstadt drängen.

Erstmals dauert der Stadtlauf deswegen zwei Tage. Am Samstag rennen die Läuferinnen und Läufer, am Sonntag die Kinder unter 16 Jahren. Ausserdem gehört am Sonntagnachmittag eine stark verkürzte Strecke den Familien. Dort steht der Spass im Vordergrund: Für sie gibt es keine Zeitmessung und nur eine alphabetische Rangliste. «Kostenbremse steht im Vordergrund.» Gemäss Bänziger stösst das Angebot auf Nachfrage, auch, weil in der Umgebung keine kleineren und schweizweit keine bedeutsamen Laufsportevents am selben Datum stattfinden. Die Stadtlauf-Veranstalter rechnen dennoch nur mit 5000 Läuferinnen und Läufern. «Damit wären wir schon happy», sagt Bänziger – es wäre die Hälfte des Teilnehmerfelds der vergangenen Jahre.

Mit Blick auf andere Volksläufe ist das aber auch die Realität. Trotz Jogging-Boom im Lockdown wollen sich die Leute ihre Schuhe nicht für den Wettkampf schnüren. Offenbar haben zwar viele den Laufsport für sich entdeckt. Aber dabei steht mehr das Erlebnis in der Natur im Vordergrund und nicht der Ehrgeiz, sich mit anderen zu messen. Die Organisatoren unternehmen einiges, um das sich drohende Finanzloch zu stopfen. Früher beispielsweise erwartete die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Zieleinlauf jeweils eine Trinkflasche mit einem isotonischen Getränk. 2021 gibt es hingegen nur ein Mineralwasser und einen Drink von Swissmilk. «Die Kostenbremse steht im Vordergrund», bestätigt Bänziger.

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