Twitter-Parodie
Satire-Profil entstand aus Emotionen, Blödsinn im Kopf und Lockdown-Langeweile: «Ich glaube, ich habe einen Nerv getroffen»

Auf Twitter gibt sich ein Baselbieter unter dem Namen «Birnweich Burgener» als Parodie des FCB-Eigentümers aus.

Lea Meister
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«Birnweich Burgener» vor dem Turm mit der FCB-Geschäftsstelle.

«Birnweich Burgener» vor dem Turm mit der FCB-Geschäftsstelle.

Juri Junkov

Im Berufsalltag, im Privatleben und auf den sozialen Medien laufen die Diskussionen rund um die Situation des FC Basel heiss. Auf der Plattform Twitter hat sich in den letzten Monaten ein neues Phänomen entwickelt: Nutzer, die sich über anonyme Twitterprofile satirisch mit der FCB-Führung befassen. Der wohl bekannteste ist «Birnweich Burgener».

Ein Profil, auf welchem sich ein 28-Jähriger als Parodie von Bernhard Burgener ausgibt. Bis letzten Sommer hatte der Urheber des Profils noch etwas Vertrauen in Burgener und dessen CEO Roland Heri. «Dann kam der Abgang von Alex Frei, einem meiner Idole», sagt Steve, der seinen echten Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will und den wir am Fusse des Turms mit der FCB-Geschäftsstelle treffen.

Zwar folgen dem Profil nur rund 330 Leute, die Beiträge wurden in den letzten 28 Tagen gemäss Auswertungen von «Twitter-Analytics» aber bis zu 254’000-mal wahrgenommen.

Zwar folgen dem Profil nur rund 330 Leute, die Beiträge wurden in den letzten 28 Tagen gemäss Auswertungen von «Twitter-Analytics» aber bis zu 254’000-mal wahrgenommen.

Juri Junkov

In jener Nacht Ende August habe er nicht schlafen können und am nächsten Tag sei «Birnweich Burgener» entstanden. Was aus «Emotionen, Blödsinn im Kopf und Lockdown-Langeweile» entstanden ist, erreicht unterdessen ein recht breites Publikum. Zwar folgen dem Profil nur rund 330 Leute, die Beiträge wurden in den letzten 28 Tagen gemäss Auswertungen von «Twitter-Analytics» aber bis zu 254’000-mal wahrgenommen.

Twitterprofil als Gegensatz zum Berufsleben

«Birnweich Burgeners» karikaturistisches Profilbild.

«Birnweich Burgeners» karikaturistisches Profilbild.

Twitter

«Birnweich Burgener ist nicht politisch», unterstreicht der Baselbieter, der selbst jahrelange politische Erfahrung in seinem Rucksack hat, die Wichtigkeit des unpolitischen Austauschs. Das anonyme Profil bildet also einen Gegensatz zu seinem eigenen Berufsleben, in welchem er Positionen einnehmen muss. Ausserdem gehe es im Fussball eben nicht nur um Unterhaltung, sondern um die Verbindung, die unabhängig von politischen Einstellungen, sozialer Herkunft und nationaler Grenzen entstehe. Genau deshalb schmerze die hiesige Situation auch so, in welcher sich der FCB befinde. «Genau jetzt, wo soziale Kontakte und der zwischenmenschliche Austausch durch die Pandemie sowieso schon stark eingeschränkt sind, fällt auch der FCB in sich zusammen. Es fehlt etwas.»

Die Anonymität ist nötig, da sie den Ablauf und den Ausgang persönlicher Gespräche über Twitter positiv beeinflusst. «Ich führe als Birnweich Gespräche, die nicht auf Vorurteilen beruhen, und unterhalte mich auch mit Leuten, die ich privat schon kennen gelernt habe», so Steve. Sobald politische Gesinnung ins Spiel komme, würden Gespräche anders ablaufen. Überraschend sei ausserdem die Offenheit vieler gegenüber einer anonymen Person. Er habe auch schon Unterhaltungen mit bekannten Leuten aus der Stadt geführt, die ihm recht offen Informationen weitergegeben hätten. Das Ziel seines anonymen Accounts sei nicht, jemanden zu betupfen, «ausser die Herren im Turm», sagt Steve und lacht.

Den Seich im Kopf und den Frust herauslassen

«Der Populist schaut einfach, was funktioniert, und arbeitet dann damit. Das will ich mit diesem fingierten Charakter nicht.» Er wolle die Stimmung der Leute auffangen und pointiert formulieren, sie sichtbar machen. «Ich glaube, ich habe einen Nerv getroffen.» Am ersten Tag seiner Aktivität als «Birnweich Burgener» hatte er schon den ersten Trittbrettfahrer, einen «Herr I», der auf den Zug der anonymen Anti-FCB-Satire aufsprang. Aus dem Trittbrettfahrer wurde relativ rasch ein Sidekick in Anspielung an Roland Heri. Jedoch verfolgen nicht alle anonymen Profile die gleiche Linie wie Birnweich und Herr I: «Ein anonymer User hat einmal einen Ex-FCB-Spieler auf Twitter angegriffen, der ihm Feigheit aufgrund der Anonymität vorgeworfen hatte, da musste ich dann die Wogen glätten und mich davon distanzieren, denn darum geht es mir nicht.»

Manchmal komme man sich bei anonymen Unterhaltungen mit anderen Nutzern etwas unfair vor. Als «Troll auf den sozialen Medien» lasse man natürlich auch etwas «den Seich im Kopf» und den Frust heraus, seufzt Steve. «Irgendwo in diesem Turm sitzt Roland Heri, schaut herunter und fotografiert mich. Dann kommt nächste Woche eine Richtigstellung des FC Basel mit meinem Outing.» Steve lacht und wendet seinen Blick wieder der Birs zu.