Der BMW ist Baujahr 2000. Und auch Besitzer Simon weiss, dass er sein Auto reparieren lassen müsste. So lassen sich die hinteren Türen nicht mehr öffnen – was bei einem Unfall für Mitinsassen zur Todesfalle werden kann. Oder der altgediente Subaru von Pascal. Der Motor stottert, der Auspuff röhrt. Der 35-Jährige hätte den Wagen schon 2010 vorführen sollen. Ein Aufgebot hat er bis heute nicht erhalten. Und solange das Auto fährt, will er mit der Reparatur zuwarten. «Vielleicht hat man mich ja schlicht vergessen.»

Wohl kaum. Denn grundsätzlich fällt niemand durch die Kontrollmaschen. «Aber es gibt in der Tat Verzögerungen bei den Fahrzeugprüfungen», bestätigt Roger Sterki. Und der Leiter der Motorfahrzeug-Prüfstation (MFP) beider Basel betont, dass er von keinem Kanton wisse, der keine Rückstände habe. Der Personalbestand der Prüfer sei in den vergangenen Jahren eben nicht dem immensen Wachstum des Fahrzeugbestandes angepasst worden. Das werde nun nachgeholt und gleichzeitig schweizweit eine Erhebung der Rückstände vorgenommen.

40000 «ungeprüfte» Wagen

Im Baselbiet ist die MFP bei gut 20 Prozent der insgesamt rund 190000 eingelösten Fahrzeuge im Rückstand. Das heisst: Etwa 40000 Autos und Motorräder mit BL-Kennzeichen kurven derzeit ohne das amtliche Okay der Strassenverkehrs-Experten herum, rechnet Pascal Donati von der Baselbieter Motorfahrzeugkontrolle (MFK) vor.

Verspätungenvon bis zu einem Jahr sind auch laut Sterki keine Seltenheit. Da im Baselbiet jährlich Hunderte Neuwagen dazukommen, sei es der MFP unmöglich, alle Fahrzeuge rechtzeitig zu prüfen. Allerdings ist der Kontrollrhythmus gesetzlich verankert: Personenwagen werden erstmals vier Jahre nach der ersten «Inverkehrssetzung» geprüft, dann nach drei Jahren und fortan regelmässig alle zwei Jahre.

Sicherheit gewährleistet

Sind also massenhaft unsichere Autos auf Baselbieter Strassen unterwegs? Sterki winkt ab: «Wir setzen klare Prioritäten.» Bei älteren Autos werde die vorgeschriebene Prüfungsperiode so gut wie möglich eingehalten. Bei schweren Fahrzeugen wie Lkw und Cars, die jährlich vorgeführt werden müssen, gibt es keine Verzögerungen. Dagegen nehmen die Prüfer bei neueren Pw und Motorrädern, bei denen es jeweils kaum Beanstandungen gibt, grössere Rückstände in Kauf. «Im Vergleich zu anderen Kantonen stehen wir trotz der Verzögerungen relativ gut da», betont MFK-Leiter Donati.

Die Sicherheit auf den Strassen sei trotzdem gewährleistet, so Burger. Der Zustand der meisten Baselbieter Fahrzeuge sei gut bis sehr gut. Dennoch: «Bei jährlich rund 100000 Fahrzeugprüfungen fallen etwa 20 Prozent wegen Mängeln durch und müssen zur Nachkontrolle.»

Wenig Unfälle wegen technischer Mängel

Gleichzeitig aber bewegt sich die Zahl der Verkehrsunfälle wegen technischer Mängel am Fahrzeug im untersten Promille-Bereich. Kommt hinzu, dass die Polizei bei Kontrollen Fahrzeuge mit schweren Mängeln sofort aus dem Verkehr ziehen kann.

Und auch wenn der Vorführ-Termin längst fällig war, ist das kein Freipass, um mit einer alten Klapperkiste straffrei herumzufahren. Wer erwischt wird oder einen Unfall verursacht, den kommt es teuer zu stehen. Denn gefährdet werden auch andere Verkehrsteilnehmer. Stichwort Eigenverantwortung: Jeder Lenker ist für den fahrtüchtigen und verkehrssicheren Zustand seines Fahrzeuges verantwortlich. Fehlbare Halter machen sich strafbar.