«Schule-Heim»

Ungewohnt: Mehr Junge als Senioren im Altersheim Alban-Breite

Die Schulklasse der WBS St. Alban beim Besuch des Pflegeheims Alban-Breite.

Die Schulklasse der WBS St. Alban beim Besuch des Pflegeheims Alban-Breite.

Altersheime haben zu wenig Lehrlinge. Dem will das Projekt «Von der Schulbank ins Pflegeheim» entgegenwirken: Basler Schüler werden ins Altersheim geschickt.

Im Alterspflegeheim Alban-Breite zeigte sich am Freitag ein ungewohntes Bild. Anstelle der älteren Bewohner waren die Jungen in der Überzahl.

Das Projekt «Schule-Heim» will den Jugendlichen die Berufswelt eines Heims mit praktischen Anschauungsbeispielen näherbringen. Der Nachwuchs an Lehrlingen, die sich für einen dieser Berufe entscheiden, ist zu klein. Führt man den Jungen die Ausbildungsmöglichkeiten genug früh vor Augen, würde eine Ausbildung in Erwägung gezogen werden, ist der Verband gemeinnütziger Basler Alterspflegeheime (VAP) überzeugt.

In einem ersten Schritt besuchen Heimleiter eine Schulklasse, darauf folgt ein Besuch der Jungen in einem Pflegeheim. Mitte Februar besuchte Adrian Kummer, Heimleiter des Alterszentrums Alban-Breite, die Schulklasse der WBS St. Alban zum ersten Mal. In diesem Rahmen stellte er sich den zahlreichen Fragen der Schülerinnen und Schüler, die sich momentan in der Berufswahlphase befinden.

Praktische Einblicke

Nun sei es endlich so weit, sagte Kummer am Freitag, als die Klasse sich im Pflegeheim eingefunden hatte. Der Besuch im Februar sei in guter Erinnerung geblieben. «Wir waren erfreut und gleichzeitig erstaunt über euer Interesse und die vielen guten Fragen», sagte der Heimleiter. Jetzt sei es aber an der Zeit, neben den theoretischen Eindrücken auch noch praktische dazugewinnen zu können.

Zur Einleitung stellte Kummer die verschiedenen Bereiche des Heimes vor, immer in Bezug auf Ausbildungsmöglichkeiten und Lehrstellen. Neben dem Heimleiter standen die Ausbildungsleiterin und Lernende bereit, um sich den Fragen der Schüler zu widmen. Wie bereits im ersten Gespräch wird das Thema der Bewerbungsunterlagen angeschnitten. Barbara Stoll von der Lehrlingsbetreuung weist auf den Faktor Verlässlichkeit hin. Unentschuldigte Absenzen seien für eine Bewerbung unbedingt zu vermeiden.

Im darauffolgenden Rundgang erhielten die Schüler einen vertieften Einblick ins Heimleben. Gruppenweise wurden die unterschiedlichen Bereiche besucht und vorgestellt. Die Führung beginnt im Untergeschoss, wo den Jungen das Atelier gezeigt wird. Neben Denkspielen kann dort handwerklich gearbeitet werden. Die Schüler nehmen staunend zur Kenntnis, dass Kummer die Namen aller Bewohner kennt. Auf dem Weg zum nächsten Bereich weist er auf verschiedene Hilfsmittel hin. Zur Orientierung sind die unterschiedlichen Etagen im Lift mit Farbe gekennzeichnet, zudem trägt jedes Stockwerk die entsprechende Wandfarbe.

Im Stationsbüro beschäftigen sich die Jugendlichen mit der Frage, wer die Bewohner in der Nacht betreut, worauf Kummer ihnen das Prinzip der Nachtpflege erklärt. Bei der Besichtigung der Zimmer zeigen sich die Schüler besonders interessiert und stellen Fragen zum Bewohner sowie zur Einrichtung der Zimmer. Auf den Gängen trifft die Gruppe mehrmals auf Heimbewohner und grüsst diese freundlich. Zum Schluss erhalten die Schüler die Gelegenheit zum Austausch mit den Bewohnern. Beim Dessert entwickeln sich Gespräche zu unterschiedlichen Themen.

Keine Spitalatmosphäre

Die Jugendlichen sind positiv überrascht vom Heimleben. «Bisher habe ich immer an ein Spital gedacht, wenn ich den Begriff Altersheim hörte», sagt ein Schüler. Ein Junge könnte sich sogar vorstellen, eine Lehrstelle in diesem Bereich zu suchen. Kummer ermutigt ihn zur Bewerbung, betont aber auch, dass man ihm nicht hinterherlaufen würde: «Wir hatten bisher immer genug Bewerbungen, seit Jahren musste ich keine Stellenausschreibung mehr veröffentlichen.»

Auch wenn es in diesem Heim nicht der Fall sei, wäre die Not an Ausbildungswilligen in Pflegeberufen ein grosses Problem. Grund dafür sind nicht nur die tiefen Löhne. «Der Pflegeberuf wird unterschätzt. Das gesellschaftliche Ansehen ist zu Unrecht schlecht», meint er. Der Heimleiter weist weiter auf die hohe Ausstiegsrate hin. Dieser wird im Alterspflegeheim Alban-Breite mit einem einjährigen Praktikum entgegengewirkt, das vor dem Lehrstellenantritt absolviert werden kann. Das Projekt kam gut an: «Beide Anlässe waren sehr informativ und eindrücklich», sagt die Klasse.

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