Urteil
Betrugsfall ASE: Simon Müller wehrt sich mit allen Mitteln

Der ehemalige Präsident der Fricktaler Vermögensverwaltungsfirma ASE zieht das Urteil des Aargauer Obergerichts an das Bundesgericht weiter.

Andreas Möckli
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Die Gerichte müssen sich weiter mit dem Betrugsfall ASE auseinandersetzen. Simon Müller, der ehemalige Präsident der Fricktaler Vermögensverwaltungsfirma, zieht das Urteil des Aargauer Obergerichts an das Bundesgericht weiter. Die Aargauer Richter haben ihn zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt. Als erstes berichtete «Onlinereports» über den Weiterzug.

Ursprünglich sah das Obergericht mit einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten ein deutlich milderes Urteil vor. Doch dagegen wehrte sich die Staatsanwaltschaft Aargau vor dem Bundes­gericht. Letzteres gab der Staatsanwaltschaft recht und forderte eine höhere Strafe. Das höchste Gericht kam zum Schluss, dass Müller auch wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung und Misswirtschaft zu verurteilen ist. Das Obergericht dagegen erachtete Müller nur in Sachen mehr­facher Geldwäscherei als ­schuldig.

Eine Haftstrafe scheint unvermeidlich

Vom Obergericht forderte er vergeblich Milde. Wegen der Haft werde er seine Stelle verlieren und danach sei es für ihn unmöglich, eine neue Arbeit zu finden, argumentierte er. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass das Bundesgericht Müllers Strafe markant senken wird. Schliesslich war es ja das oberste Gericht, dass ein strengeres Urteil vom Obergericht forderte.

Die drei Buchstaben ASE standen für Anlage, Sicherheit und Ertrag. Doch statt der versprochenen Rendite von jährlich bis zu 18 Prozent endete die ­vermeintlich sichere Anlage für viele Betroffene im Totalverlust. Zurück blieben knapp 2000 Geschädigte – gerade auch in der Region – und ein Schaden von 170 Millionen Franken. Neben dem Fall Behring gehört das Schneeballsystem der Fricktaler Firma ASE zu den grössten ­Betrugsfällen der Schweiz.

Der eigentliche Kopf des Schneeballsystems war Martin Schlegel, der als Geschäftsführer der ASE vom Aargauer Obergericht zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt wurde. Dieser akzeptierte das Urteil und hat seine Strafe abgesessen. Im gesamten Verfahren war das Ausmass der Mitschuld ­Müllers stets eines der zentralen Themen, war doch Schlegel fast von Beginn weg geständig.