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AfroBasel: «Wir möchten als Brücke fungieren»

Der Verein AfroBasel stellt seit drei Jahren die schwarzen Menschen Basels in den Fokus – der Rest der Gesellschaft soll dabei aber nicht ausgeschlossen werden.

Ashley Uruejoma
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Vereinsmitglieder von AfroBasel beim letztjährigen «Rhine Cleanup».

Vereinsmitglieder von AfroBasel beim letztjährigen «Rhine Cleanup».

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«Wir wollen niemanden ausschliessen, aber unseren Fokus legen wir klar darauf, als Förderplattform für Afropersonen zu funktionieren», sagt Aaron Handschin. Der 34-jährige Familienvater und Chemielaborant gründete 2018 den Verein AfroBasel. Nach seiner Motivation befragt, sagt er: «Ganz einfach, weil ich persönlich eine solche Anlaufstelle besonders in jungen Jahren nötig gehabt hätte.» Handschin erzählt davon, dass es für ihn und viele andere nicht einfach gewesen sei, als Person of Colour (PoC) in einer Gesellschaft gross zu werden, die einen äusserlich nicht widerspiegle und einen das auch öfters spüren lasse.

Vereinsgründer Aaron Handschin am Black-Lives-Matter-Protest 2020.

Vereinsgründer Aaron Handschin am Black-Lives-Matter-Protest 2020.

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Ob schulisch, beruflich oder sozial – für Handschin ist klar, dass er in vielen Situationen Hilfe benötigt hätte. Eine Ansprechperson, die seine Position versteht, ohne dass er sich erklären müsse, und frei von Vorurteilen. Handschin ist sich ebenfalls bewusst, dass viele Menschen sein Vorhaben nur mit Mühe nachvollziehen können oder auch auf andere, bereits bestehende Anlaufstellen verweisen würden.

Eine Plattform, die Angebote vereint

Inwiefern unterscheidet sich AfroBasel denn von den anderen Stellen? «Wir sind ein Verein. Uns geht es vor allem um die Gemeinschaft, die gegenseitige Unterstützung. Und es geht auch nicht darum, nur in Zeiten von Not füreinander da zu sein», sagt Handschin. Es gäbe viele kulturspezifische Gruppierungen, der Verein solle jedoch als Plattform zu Vereinigung dieser funktionieren.

Ihm sei von Beginn an wichtig gewesen, einen Umschlagplatz zu bieten, zu dem jede Person ihren Teil beitragen könne. Dem Gründer ist demnach auch wichtig, dass der Name des Vereins richtig verstanden wird: «Es sind alle willkommen, die interessiert sind, einen respektvollen Umgang mit unseren Kulturen pflegen und aus Basel und Umgebung sind», sagt er.

Annäherung, Unterstützung und Offenheit

Wirft man einen Blick auf die Projekte von AfroBasel, so ist rasch klar, dass Annäherung, Unterstützung und Offenheit sehr grossgeschrieben werden. Der Verein arbeitet unter anderem mit der Kaserne Basel zusammen. Zuletzt fand in Kooperation im August die erste Ausgabe von «Sichtbarkeit» statt. Eine Messe, bei der PoCs die Möglichkeit erhalten haben, ihr Geschäft zu präsentieren. Von wohlriechenden Kosmetika aus Sheabutter über bunte Mode bis hin zur Marketing-Expertise war alles dabei.

Die Messe soll, auch aufgrund der rege besuchten ersten Ausgabe, fortan jährlich durchgeführt werden. Handschin erklärt, dass er immer noch sehr viele Vorurteile gegenüber PoCs erlebe und diese mit solchen Anlässen minimieren möchte: «Wir müssen als Gesellschaft zusammenkommen und wir von AfroBasel möchten als Brücke fungieren», sagt er.

Partys und lebendige Bibliotheken

Zurzeit laufen einige Projekte parallel. So zum Beispiel die «Irie Night», eine Partyserie, die im «Parterre One» regelmässig stattfindet. Auch die «Living Library», die durch das Vereinsmitglied Emmanuel Brito entstanden ist, ist ein wiederkehrender Anlass. Dabei berichten Menschen einer lebendigen Bibliothek gleich aus ihrem Leben als PoCs.

Im Sommer findet die Partyreihe «Irie Night» am Hafen statt.

Im Sommer findet die Partyreihe «Irie Night» am Hafen statt.

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Besonders beliebt sei auch das «Rhine Cleanup», das in Kooperation mit der IG saubere Umwelt dieses Jahr zum zweiten Mal stattfand. Mitglieder und weitere freiwillige Helfer treffen sich zu einem gemeinsamen Spaziergang, bei dem das Rheinbord von Müll befreit wird. «Wir freuen uns über jeden Event, den wir nach all den Coronamassnahmen wieder durchführen können», sagt Aaron Handschin.

Der nächste Anlass steht auch schon fest: Am 5. November findet in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Antirassismus der «Stammtisch für Rassismusbetroffene» statt. Sinn des Anlasses ist es, dass von Rassismus betroffene Menschen teilen, sich austauschen oder zuhören können. Eine Anmeldung ist zwingend.

Weitere Infos unter www.afrobasel.ch

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