Neustart
Verjüngungskur für Basler Grüne

Das neue Co-Präsidium Raffaela Hanauer und Benjamin van Vulpen peilt die Rückkehr in die Regierung an und will eine grüne Volksinitiative lancieren.

Jonas Hoskyn
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Das neue Co-Präsidium der Basler Grünen: Benjamin von Vulpen und Raffaela Hanauer

Das neue Co-Präsidium der Basler Grünen: Benjamin von Vulpen und Raffaela Hanauer

Bilder: zVg

Freud und Leid lagen für die Basler Grünen zuletzt nahe beieinander. Einerseits steht die Partei im Grossen Rat so stark da wie noch nie. Zehn Mandate haben die Grünen bei den Wahlen vergangenes Jahr geholt. Zusammen mit der Basta und dem Jungen Grünen Bündnis ergibt dies neu die zweitstärkste Fraktion im Parlament hinter der SP.

Gleichzeitig mussten die Grünen im Herbst eine bittere Niederlage einstecken. Ihre Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann landete nach dem ersten Wahlgang abgeschlagen auf dem neunten Platz. Tags darauf erklärte sie ihren Rückzug, was die Partei vollends ins Taumeln brachte. Einen Plan B hatten die Grünen nicht bereit.

Neue Spitze ist jung und politisch wenig erfahren

Nun soll ein neues Kapitel aufgeschlagen werden. Entsprechend haben sich die Grünen diese Woche die Karten neu aufgestellt. Der bei den Wahlen glücklos agierende Harald Friedl hatte seinen Abgang als Präsident angekündigt. An der Spitze der Basler Grünen agiert künftig das Duo Raffaela Hanauer und Benjamin van Vulpen. Als neue Vizepräsidentinnen wurden Laura Schwab und Catherine Weyer gewählt. Gleichzeitig wurde der Vorstand erneuert und erweitert.

Wenn man die neuen Verantwortungsträger anschaut, fallen zwei Punkte auf: Das Alter – die meisten Neuen im Vorstand sind um die 30. Hanauer hat Jahrgang 1993, van Vulpen 1986. Dazu fehlt dem neuen Präsidium die Erfahrung in politischen Ämtern. Von den Vieren sitzt nur Hanauer im Grossen Rat, und auch sie erst seit einem Jahr. «Es gibt auch andere Erfahrungswerte als politische Ämter», sagt Hanauer, etwa in Vereinsgremien oder in Freiwilligenorganisationen. Zudem habe sie sich in ihren bisher acht Jahren Parteipolitik ein gutes Netzwerk aufbauen können.

Tatsächlich ist der Generationenwechsel in der Partei nicht ohne Nebengeräusche abgelaufen. Mehrere altgediente Politiker fühlten sich aufs Abstellgleis verfrachtet. Doch das neue Co-Präsidium will nach vorne schauen: «Wir müssen nun als Grüne Partei alles geben», sagt Co-Präsident Benjamin van Vulpen.

«Es braucht uns, damit Basel klimaneutral, lebenswerter und sozialer wird.»

Volksinitiative und die Rückkehr in die Regierung

Als erstes grosses Projekt schwebt der neuen Führung eine grüne Volksinitiative an. Über welche Forderung konkret abgestimmt werden soll, lässt sie aber offen. «Das wollen wir zuerst mit dem Vorstand und unseren Mitgliedern besprechen und entscheiden.» Als weiteren politischen Schwerpunkt nennt sie die «Klimagerechtigkeitsinitiative Basel 2030», die verlangt, dass der Kanton die Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel forciert. So sollen bis in zehn Jahren die Treibhausgasemissionen minimiert und allenfalls kompensiert werden.

Mittelfristig gibt es für die Grünen ein grosses Ziel: Sie wollen zurück in die Basler Exekutive. «Es ist klar, dass die Grünen in die Regierung gehören», sagt Hanauer und verweist auf die Parteistärke: «GLP und LDP sind beispielsweise klar übervertreten.» Allerdings wird das Thema wohl erst 2024 aktuell. Ein vorzeitiger Rücktritt eines bürgerlichen Regierungsmitgliedes wäre eine grosse Überraschung.

Tatsächlich kursieren bei den Grünen bereits die ersten Namen für eine mögliche Kandidatur. Immer wieder genannt wird etwa die frühere Grossrätin Nora Bertschi. Auch Juristin Michelle Lachenmeier und Unternehmer Jérôme Thiriet dürften auf der parteiinternen Shortlist für eine allfällige Regierungskandidatur stehen. «Wenn sich die Frage stellt, werden wir wohl mehrere Leute haben, die sich für die Regierung interessieren», sagt Hanauer. «Unsere Aufgabe ist es dann, einen fairen Wettbewerb durchzuführen.»