Verkehr
Der Margarethenstich ist wieder da – und mit ihm der ganze Ärger

Die beiden Basel geben bekannt, dass sie die Tramverbindung zwischen dem Leimental und dem Bahnhof SBB wieder in Angriff nehmen – sehr zum Unmut der Projektgegner.

Helena Krauser
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Sicht auf den Margarethenstich und die Tramhaltestelle Dorenbach.

Sicht auf den Margarethenstich und die Tramhaltestelle Dorenbach.

Bild: Julia Gohl

Die Ablehnung des Kredits für die Tramverbindung beim Margarethenstich kam überraschend, aber sie war eindeutig. Im September 2017 lehnte das Baselbieter Stimmvolk den 14-Millionen-Beitrag des Landkantons an den Margarethenstich mit 57 Prozent ab. Nach nur drei Jahren haben die Regierungen der beiden Basel nun beschlossen, das Projekt wieder aufleben zu lassen. Trotz dem klaren Nein der Bevölkerung.

Geplant war eine schnelle und direkte Tramverbindung zwischen dem Leimental und dem Bahnhof SBB. 365 Meter neue Schienen hätten das möglich gemacht. Das Parlament hatte den Verpflichtungskredit mit grossem Mehr bewilligt, Basel-Stadt hätte 11,4 Millionen Franken beigesteuert und der Bund einen Beitrag von 40 Prozent. Der Volksentscheid wischte das Vorhaben aber vom Tisch. Die Enttäuschung bei den Befürwortern, insbesondere der Baselland Transport AG (BLT) war gross.

Die Haltestelle Dorenbach ist schon bereit für die neue Tramverbindung

Wirklich zur Ruhe kam das Projekt aber nicht. Im Juni 2019 erhielt der Margarethenstich-Abschnitt die «Plangenehmigungsverfügung». Das Baugesuch hatte der Stadtkanton nie zurückgezogen. Die Tramhaltestelle Dorenbach wurde wie geplant umgebaut, so dass sie für die Tramverbindung Margarethenstich ideal genutzt werden könnte.

Für den Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels war immer klar, dass eine direkte Verbindung vom Leimental zum Bahnhof SBB zentral ist. «Ob das der Margarethenstich sein muss und wie das Projekt heisst, ist letztlich gar nicht entscheidend», sagte Wessels im August 2019 an einem Podium über das Basler Tramnetz.

BLT-Tram kurz nach der Haltestelle Dorenbach.

BLT-Tram kurz nach der Haltestelle Dorenbach.

Bild: zVg Dominik Pluess

Mit der Mitteilung über die Absichtserklärung zur Realisierung von sechs Verkehrsinfrastrukturprojekten der Regierungen von Basel-Stadt und Baselland ist nun klar, die Umsetzung der Tramverbindung Margarethenstich wird wieder aufgenommen. Wie genau diese aussehen wird ist noch nicht klar. «Fragen zu allfälligen Projektanpassungen, den nächsten Schritten und der Kostenübernahme sind in der nächsten Zeit zwischen den Kantonen zu diskutieren, wobei insbesondere die Kostenfrage derzeit noch offen ist», teilt Katja Jutzi von der Bau- und Umweltschutzdirektion stellvertretend für die beiden Kantone mit.

Gegner sehen keine Zukunft für den Ausbau des Schienenverkehrs

Diese Neuigkeiten sorgen bei den Gegnern der Tramverbindung für grossen Unmut: «Es gehört zum Standard Repertoire von Verlierern, dass sie ihre Forderungen immer wieder aufs Neue hervorbringen und hoffen, das Stimmvolk so weichklopfen zu können», sagt der Baselbieter Landrat Hanspeter Weibel (SVP). Er betrachtet dieses Vorgehen der Regierungen der beiden Basel als Missachtung eines demokratischen Entscheids und geht davon aus, dass falls die Baselbieter erneut über den Kredit für den Margarethenstich abstimmen müssten, dieser wieder abgelehnt wird. «Wir konnten bei der Abstimmung 2017 ja deutlich sehen, dass auch die betroffenen Gemeinden das Projekt ablehnen.»

Die Argumente der Gegner sind die gleichen geblieben. Auf der Baslerstrasse unterhalb des Margarethenstichs kämen sich Tram und Autos unnötig in die Quere und ausserdem sei der schienengebundene Verkehr völlig unflexibel und unzeitgemäss. «In wenigen Jahren, wenn autonomes Fahren und die Elektromobilität weiter fortgeschritten sind, wird niemand mehr den Ausbau des Schienenverkehrs fordern», so Weibel.