Lupsingen

Versteigerung: Weihnachtsbaum zum Ersten, zum Zweiten . . .

Der Erlös aus der Weihnachtsbaumversteigerung kommt den Senioren des Dorfes zugute. Da zahlen die Lupsinger gern ein paar Franken mehr für einen der begehrten Weihnachtsbäume.  Lucas Huber

Der Erlös aus der Weihnachtsbaumversteigerung kommt den Senioren des Dorfes zugute. Da zahlen die Lupsinger gern ein paar Franken mehr für einen der begehrten Weihnachtsbäume. Lucas Huber

Hier werden die Weihnachtsbäume nicht verkauft, sie werden versteigert. Unverzichtbar ist dabei Gantmeister Hans Rudolf Tschopp. «Unsere Bäume sind noch voll im Saft, diese Woche geschlagen, Garantie bis zum Dreikönigstag», verspricht er.

Seit 40 Jahren versteigert Hans Rudolf Tschopp Weihnachtsbäume in Lupsingen. Oder, wie er sagt: «Seit Christi Geburt.» Stephan Kestenholz, Präsident der organisierenden Bürgergemeinde, setzt noch einen drauf: «Seit Menschengedenken ist das hier so!» Derweil lässt sich der Gantmeister das erste Tännchen bringen, eine Rottanne, «ein ganz ausgeglichenes Exemplar», sagt er. Das Startgebot läge bei 15 Franken.

Die Gespräche auf dem Lupsinger Dorfplatz verstummen, und aus den verstreuten Grüppchen bildet sich ein Halbrund, in dessen Mitte der Gantmeister mit einem Doppelmeter als Gantstock und dem Tännchen, dahinter 49 weitere Weihnachtsbäume, die auf Zuspruch warten. Darüber die strahlende Wintersonne.

«Ein schönes Bäumchen»

Rot- und Weiss-, Silber- und Nordmanntannen harren den Geboten, klapprige und stramme, hochgeschossene und mickrige. Ein älteres Pärchen diskutiert ausgiebig über jeden Baum: «ein schönes Bäumchen» hier, «aber gar kein schönes» dort, und: «Zu gross! Zu klein! Zu krumm!»

Mit immer neuen Geboten schnappen sich die Lupsinger die Weihnachtsbäume gegenseitig unter den Handschuhen weg. Man zahlt auch gern ein paar Franken mehr. Schliesslich kommt der Erlös den Senioren des Dorfs zugute, denen die Bürgergemeinde einen Ausflug finanziert. Etwa 1500 Franken kämen so jedes Jahr zusammen, sagt Präsident Kestenholz. Der teuerste Baum, eine ästhetische Nordmanntanne, spült 120 Franken in die Kasse. Der billigste, ein kniehohes Rottännchen, gerade mal einen Zehntel davon.

Umtauschrecht?

Doch Geld spielt eigentlich keine Rolle an diesem Samstagnachmittag. Auch nicht, als ein Mann seiner Frau aus Spass und Protest auf den Rücken klopft, weil sie höher bietet als abgesprochen. Trotzdem entgeht ihnen der Baum, und ein anderer bekommt die bauchige Tanne zugesprochen. «Da reichen die Äste sogar, um die Rosen im Garten abzudecken», ruft Gantmeister Tschopp dem Käufer hinterher. Der lacht, winkt ab und lässt sich noch einen Apfelpunsch einschenken. Den gibt es gratis. Wer dafür aber spendet, tut einer Schule in Ecuador Gutes.

Ob es auch ein Umtauschrecht auf die Rottanne gebe, die er soeben ersteigert habe, fragt ein Herr in Arbeitshandschuhen. Seine Frau, so flüstert er dem Gantmeister mit vorgehaltener Hand ins Ohr und grinst dabei, sei mit dem Erstandenen nicht zufrieden. «Kein Problem», beruhigt ihn Tschopp: «Da machen wir kein Büro auf.»

Am Ende bleiben nur ein paar wenige Bäumchen übrig. Und wenn die Weihnachtszeit Geschichte ist für ein knappes Jahr, treffen sich die Lupsinger erneut mit ihrem Nadelgebäum. Dann im Wald, und dann mit eher dürren Baumskeletten. Am ersten Samstag des neuen Jahres lädt nämlich ebenfalls die Bürgergemeinde zum grossen «Wiehnachtsbaumverbrennet».

Meistgesehen

Artboard 1