Hunde-Debatte
Vertrauen ist gut, Kontrolle besser

Über die Hälfte der Hundebesitzer hat die obligatorischen Ausbildungskurse bisher geschwänzt. In vielen Kantonen aber haben sie wenig zu befürchten.

Daniel Ballmer
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Schweiz am Sonntag

Der Fall ist klar. Eigentlich. Wer sich in den letzten zwei Jahren einen Hund angeschafft hat, hätte bis Ende August eine obligatorische Ausbildung absolvieren müssen. So schreibt es die neue Tierschutzverordnung vor. Am 1. September ist die zweijährige Übergangsfrist der neuen Regelung abgelaufen. Nun können die Kantone die Sachkundenachweise der Hundehalter kontrollieren und Säumige büssen.

In der Region aber interpretieren die Kantone diese Kontrollen sehr unterschiedlich: Basel-Stadt etwa schreitet rasch voran. Ganze 60 Prozent der betroffenen Hundehalter haben es hier verpasst, die Ausbildung fristgerecht zu absolvieren. «Das sind enorm viele», findet auch Guido Vogel vom kantonalen Veterinäramt. «Viele sind von den Kursen offenbar nicht begeistert.» Die Ausbildung schade aber ohnehin keinem. «Viele scheinen sich aber schlicht zu überschätzen und glauben, dass sie den Kurs nicht nötig haben.» Allerdings stehe Basel-Stadt wohl sogar besser da als viele andere Kantone, in denen die betroffenen Hundehalter in der Vergangenheit nicht individuell angeschrieben worden seien. Und nun sind nochmals Verfügungen an die säumigen Halter verschickt worden.

Bis Ende November haben die Angeschriebenen nun nochmals Gelegenheit, den bisher versäumten Kurs nachzuholen. Derzeit würden laufend Sachkundenachweise nachgereicht. «Wir hoffen letztlich natürlich auf 100 Prozent, was wir aber sicher nicht erreichen werden», ist sich Vogel bewusst. «Einzelne werden sich auch weiterhin um die Kurspflicht scheren.» Wer sich aber weigert, die Ausbildung zu absolvieren, der wird verzeigt und muss mit einer Busse von mehreren hundert Franken rechnen.

Im Kanton Baselland, wo die Hundekontrollen im Gegensatz zu Basel-Stadt Sache der Gemeinden sind, tönt es ähnlich konsequent: «Wir haben den Gemeinden empfohlen, ausstehende Nachweise mit dem Hundesteuer-Schreiben einzufordern. So erreichen wir alle Hundehalter», sagt Kantonstierarzt Ignaz Bloch. Von den rund 13 000 Hundehaltern im Baselbiet seien insgesamt rund 2000 Neubesitzer betroffen. Ein kantonaler Überblick, wie viele davon den Kurs noch nachholen müssen, bestehe derzeit aber nicht.

Bloch kann sich aber nicht vorstellen, dass im Landkanton ebenfalls noch rund 60 Prozent säumig sind. «Die Gemeinden können das ja schliesslich mithilfe des Hunderegisters genau prüfen», argumentiert er. Säumige Hundehalter erhalten nun ebenfalls nochmals eine Frist, um den Beleg nachzuliefern. Lasse man auch diese ungenutzt verstreichen, dann handle es sich um einen Verstoss gegen das Tierschutzrecht, welcher angezeigt werde. Jeden einzelnen Halter zu überprüfen, erachtet Bloch als wichtig: «Die Gemeinden haben ja alle nötigen Daten. Und stichprobenartige Kontrollen reichen einfach nicht aus.»

Genau für diese Art von Kon-trollen haben sich aber die meisten Kantone entschieden. «Wir führen keine flächendeckenden, sondern risikobasierte Kontrollen durch», sagt etwa die Solothurner Kantonstierärztin Doris Bürgi. «Gehen bei uns Meldungen wegen Hundebissen oder Haltungsmängeln ein, kontrollieren wir, ob der Halter im Besitz eines Sachkundenachweises ist.» Gegen flächendeckende Kontrollen habe man sich entschieden, weil diese enorm aufwändig und unverhältnismässig wären. «Wir haben im Kanton rund 16 000 Hunde und könnten ja beispielsweise nicht 10 000 Hundehalter verzeigen», argumentiert Bürgi Tschan. Es liege in der Eigenverantwortung der Hundehalter, die Kurse zu besuchen. Bürgi: «Im Zug wird der Pendler auch nicht ständig kontrolliert, ob er ein Billett gelöst hat.» Es sei aber zu bedenken, dass der Vollzugsprozess erst am Anfang stehe und jeder Fall einzeln zu beurteilen sei.

Aber lädt die Stichproben-Kontrolle nicht zum Schwänzen ein? «Natürlich ist so die Chance gross, nicht erwischt zu werden», sagt Bürgi. «Die meisten Hundehalter aber nehmen ihre Verantwortung wahr, womit das oberste Ziel der artgerechten Haltung und der Sicherheit erreicht wird. Die fehlbaren Halter landen früher oder später bei uns . . .» Guido Vogel vom Veterinäramt Basel-Stadt sieht das ganz anders: «Wenn die Wahrscheinlichkeit gering ist, erwischt zu werden, ist der Anteil jener grösser, die sich vor den Kursen zu drücken versuchen.» Und wenn bereits in Basel-Stadt, wo streng kontrolliert werde, 60 Prozent die Ausbildung nicht fristgerecht absolviert hätten, dann sei in Kantonen, wo nur stichprobenartig kontrolliert wird, mit noch mehr Schwänzern zu rechnen.