Gesundheitsdirektor

«Völlig hanebüchen»: Engelberger wehrt sich gegen Altersheim-Kritik

Lukas Engelberger: «Ich kann mir nicht erklären, wie man auf diese Vorwürfe kommt.» (Archivbild)

Lukas Engelberger: «Ich kann mir nicht erklären, wie man auf diese Vorwürfe kommt.» (Archivbild)

30 Prozent aller Basler Coronatoten: Marthastift-Leiterin erhob Vorwürfe gegen Gesundheitsdepartement wegen angeblich mangelnder Unterstützung. Regierungrat Lukas Engelberger kontert.

Ein Fakt ist unbestritten: 15 Bewohner des Demenzzentrums Martha-Stiftung starben am Coronavirus. Das sind rund 30 Prozent aller Corona-Opfer in ganz Basel-Stadt. Die Leiterin des Marthastifts, Monica Basler, kritisierte daraufhin das Gesundheitsdepartement unter Lukas Engelberger (CVP). Sie habe sich im April an den Kanton gewandt: «Wir haben gehofft, dass Fachleute vorbeikommen und uns helfen, ein Schutzkonzept zu erarbeiten, das die Menschenwürde unserer Bewohner berücksichtigt», sagte Basler in der «Basler Zeitung». Doch erst nach mehrmaligem Nachfragen habe der Kanton Mitte Mai Experten aufgeboten. Also dann, als die Bewohner schon tot waren.

Engelberger nimmt gegenüber der bz Stellung und wehrt sich kategorisch gegen den Vorwurf: «Das ist krass falsch.» Am 28. Februar habe man das erste Informationsschreiben an alle Pflegeheime versandt und ab dem 1. März Schutzmaterial gratis geliefert. Das Marthastift habe davon so viel bezogen wie kein anderes Pflegeheim. Engelberger sagt: «Mitte März hat der stellvertretende Kantonsarzt das Demenzzentrum bezüglich Schutzkonzept telefonisch beraten. Das wurde sogar verdankt.» Und am 2. April sei eine Vor-Ort-Begehung durch eine Langzeitpflege-Expertin gefolgt: «Ich kann mir nicht erklären, wie man auf diese Vorwürfe kommt. Sie sind völlig hanebüchen.»

Die hohe Zahl der Todesfälle im auf Demente spezialisierten Marthastift ist damit zu erklären, dass die Bewohner nicht auf gesonderten Abteilungen, sondern in einer Art Wohngemeinschaft leben. Die Leiterin, Monica Basler, will sich nicht mehr zu ihren Vorwürfen gegen den Kanton äussern. Sie lässt über ihre Stellvertreterin ausrichten, dass sie nicht verfügbar sei und verweist auf Veronica Schaller, die Präsidentin von Cura Viva Basel-Stadt, dem Verband der Alterspflegeheime und alt Gesundheitsdirektorin.

Schaller gibt sich alle Mühe, den aufkeimenden Konflikt zwischen Altersheimen und dem Gesundheitsdepartement sofort zu ersticken und lobt die enge Zusammenarbeit, der Kontakt zum Departement sei sehr gut. Aber sie sagt auch: «Den Pflegeheimen hat man wie in allen Kantonen am Anfang der Pandemie zu wenig Beachtung geschenkt und sich primär auf die Aufrüstung der Infrastruktur in den Spitälern konzentriert. Später stellte sich heraus, dass über die Hälfte der Todesfälle Pflegeheimbewohner waren.» Also doch ein Vorwurf? Nein, sagt Schaller. «Die Behörden mussten sich auch zuerst an die neue Situation anpassen.»

20 Tage Unsicherheit für die Pflegeheime

Corona kam mit der Fasnachtsabsage vom 28. Februar richtig in Basel an. Die erste Sitzung zwischen den Gesundheitsdirektoren beider Basel und den Altersheimen fand erst am 19. März statt. «In diesen rund 20 Tagen war die Unsicherheit in den Pflegeheimen gross und es gab Heimleitungen, die sich mehr Unterstützung vom Kanton erhofften.» Engelberger sagt dazu: «An Sitzungsterminen mit mir kann man keine Priorisierung ablesen. Es gab immer Unterstützung auf der Arbeitsebene». Also nicht von der politischen Führung, sondern durch das Fachpersonal. Er selbst habe zwar im März mehr Zeit mit Spitalvertreten verbracht als mit Altersheimleitern, Engelberger wehrt sich aber gegen die Ansicht, das Departement habe sich auf Spitäler konzentriert. Die Ressourcen hätten für beides gereicht: «Von Anfang an kam die Langzeitpflege an der täglichen Taskforce-Sitzung genauso zur Sprache wie die Spitäler.»

Die Pflegeheime suchten laut Schaller vor allem bei schwierigen ethischen Fragen Unterstützung: Darf die Familie sterbende Angehörige besuchen? Wie geht man mit Dementen um, die sich teils nicht an die Schutzregeln halten können? Doch Schaller sagt selbst: «Am Ende muss, trotz aller Unterstützung, die Heimleitung diese ethischen Fragen beantworten.» Eine Haltung, die Engelberger teilt: «Es gibt Themen, wo wir helfen können. Andere können wir nicht übernehmen.» Laut Engelberger ist für den Sommer aber eine Expertengruppe mit Beteiligung der Pflegeheime angedacht, die genau solche Fragen klären soll.

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