Gastronomie

«Vogelberg» erlebt Pechsträhne

Die Vogelberg-Beiz mit Blick übers Bogental in Richtung französischer Jura ist ein Baselbieter Bjiou.

Die Vogelberg-Beiz mit Blick übers Bogental in Richtung französischer Jura ist ein Baselbieter Bjiou.

Im Dezember ist die Wirtin der Bergbeiz gestorben, jetzt auch der Co-Präsident der Trägerstiftung. Im Frühling soll die Beiz wieder öffnen.

Wer derzeit den 1100 Meter hohen Vogelberg hoch über Lauwil und nahe beim Passwang erklimmt, der erleidet eine herbe Enttäuschung. Zumindest, wenn er in der heimeligen Bergbeiz «auftanken» will. Denn an der Türe hängt die Notiz: «Bis auf weiteres geschlossen».

Hintergrund dieser zwar nicht alltäglichen, aber an Restauranttüren immer wieder anzutreffenden Nachricht ist eine eigentliche Tragödie. Die 53-jährige Wirtin Yasmine Papenburg, die den Vogelberg seit drei Jahren pachtete und ihm nach mehreren Wechseln wieder zu einem Aufschwung verholfen hatte, starb im Dezember an einem Herzstillstand. Das auf ihrem geliebten Vogelberg, von dem sie bis zur Pensionierung nicht wegwollte.

Eine Gastwirtschaft der Extreme

Dazu ereilte den Vogelberg in den vergangenen Tagen ein zweiter Schicksalsschlag: Fritz Voegelin, Co-Präsident der Familienstiftung Voegelin, welcher der Vogelberg seit 1541 gehört, verstarb ebenfalls unerwartet und relativ jung. Max Voegelin, einer von noch vier Stiftungsräten, kommentiert den doppelten Schicksalsschlag mit den Worten: «Wir sind von den Ereignissen überrumpelt worden.»
Der Stiftungsrat sucht jetzt einen neuen Pächter. Max Voegelin sagt: «Unser Ziel ist, den Vogelberg möglichst bald wieder zu eröffnen.» Die Hoffnung bestehe, dass es im Frühling so weit sei. Denn nach der Schneeschmelze beginne auf dem Vogelberg die eigentliche Saison. Spitzenzeit sei normalerweise zwar der Herbst, das sei aber sehr wetterabhängig.

Nächste Woche stellen sich nun die ersten Bewerber vor. Die Erwartungen sind hoch. Dazu Max Voegelin: «Yasmine Papenburg hat den Vogelberg in ihren drei Jahren wieder sehr attraktiv gemacht. Ihr Bekanntheitsgrad reichte bis nach Basel. Wir wollen wieder jemand Gleichwertigen, auch wenn das natürlich schwierig ist.» Zu den Voraussetzungen zählt Voegelin nebst dem Wirtepatent «das Beherrschen des Gastro-Handwerks vom Kochen über die Werbung bis zu guten Gastgeber-Qualitäten».

Er bezeichnet den Vogelberg als eine Gastwirtschaft der Extreme: Bei gutem Wetter würden die 30 Innen- und 80 Aussenplätze von Ausflüglern geflutet, bei schlechtem Wetter könne es vorkommen, dass ein Tag lang kein einziger Gast komme. Und Voegelin weiter: «Es braucht Innovation und harte Arbeit, das schnelle Geld kann man hier nicht verdienen.» Wenn der Betrieb aber laufe, könne man gut leben. Bis er laufe, brauche es jedoch gewisse Anstrengungen.

Über neuen Stiftungsrat wird im Herbst entschieden

Über allfällige Investitionen will Voegelin mit dem neuen Pächter reden, eine Neuausrichtung der Bergbeiz sei jedoch nicht geplant. So sind aus Platzgründen auch weiterhin keine Übernachtungen möglich, so romantisch das hier in der Abgeschiedenheit des Juras wäre.

Offen ist, wie es nach dem Tod des Co-Präsidenten in der Familienstiftung weitergeht. Man werde jetzt bis zur nächsten Generalversammlung im Oktober mit dem verbleibenden Team weitermachen, dann werde man sehen. Mehr will Max Voegelin derzeit nicht sagen.

Das Alpgut Vogelberg hat übrigens im 16. Jahrhundert ein Ueli Voegelin, der Stammhalter der Familienstiftung, von der Stadt Basel als Erblehen geschenkt erhalten.

Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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