Waldenburg
Vom Aschenbrödel zur Prinzessin? Aufbruchstimmung im Stedtli

Waldenburgs Altstadt soll attraktiver Wohnort werden. Derzeit sammeln mehrere Arbeitsgruppen Ideen – auch Kinder dürfen mitreden.

Andreas Hirsbrunner
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Gemeindepräsidentin Andrea Kaufmann freut sich über mehrere erfolgte Häusersanierungen in ihrem Stedtli wie hier am Törliplatz.

Gemeindepräsidentin Andrea Kaufmann freut sich über mehrere erfolgte Häusersanierungen in ihrem Stedtli wie hier am Törliplatz.

Kenneth Nars

Der Gemeinderat Waldenburg kippte vor rund zwei Jahren den Schalter um in der Absicht, anstelle des verbreiteten Gejammers über Arbeitsplatzverluste, hohe Sozialhilfequote und schlechte Finanzlage wieder so etwas wie eine Aufbruchstimmung im Stedtli aufkeimen zu lassen. Erster Schritt war ein Auftrag an Espace Suisse, dem Verband für Raumplanung, eine Stadtanalyse durchzuführen (bz berichtete). Darauf fussend folgt derzeit die Erarbeitung einer Nutzungsstrategie ebenfalls unter Leitung von Espace Suisse.

Hauptakteure sind dabei vier Arbeitsgruppen mit Vertretern aus Bevölkerung und Behörden, die Ideen zusammentragen, wie die Situation in den Bereichen Wohnen, öffentlicher Raum, Tourismus und Einkaufen sowie bei den Bedürfnissen der Kinder verbessert werden könnte.

Die Strategiegruppe, der unter anderen eine Mehrheit des Gemeinderates inklusive Gemeindepräsidentin Andrea Kaufmann angehört, diskutiert die Ideen auf ihre Realisierbarkeit und bündelt sie dann zu einem Massnahmepaket, das der Bevölkerung im nächsten Frühling vorgestellt werden soll. Der Gemeinderat habe für eine erste Umsetzung 50000 Franken ins Investitionsbudget 2021 aufgenommen, sagt Kaufmann.

Minenfeld Parkplätze ist noch nicht umschifft

An Beispielen bisher eingeflossener Ideen erwähnt sie etwa, einen Begegnungsplatz zu schaffen oder am Adelberg vermehrt heraus zu stuhlen. Ihre Zwischenbilanz lautet: «Das Ganze ist spannend und lehrreich und wir sind froh um die Unterstützung von Espace Suisse. Besonders positiv ist für mich, wie sich die Leute in den Arbeitsgruppen fürs Stedtli engagieren.» Ein Wermutstropfen sei, dass die Kritiker des Prozesses sowie ein Grossteil der Liegenschaftsbesitzer abseits stünden. Federführend seitens von Espace Suisse ist die Raumplanerin Anna Borer, die im Hauptjob beim Stadtbauamt Aarau arbeitet. Sie schickt voraus, dass mit dem laufenden Strukturwandel aussterbende Altstädte generell ein Thema seien. In Waldenburg sei speziell, dass es seit den 1990er-Jahren keine Läden mehr gebe.

Mit solchen jetzt das Stedtli aufwerten zu wollen, sei aber eine Illusion. Man müsse dies über ein attraktiveres Wohnumfeld versuchen. Dazu gehöre, die Bausubstanz zu erhalten und die Aussenräume zu gestalten, etwa indem man die Wohnzimmer so quasi auf die Gasse vergrössere. Borer macht in diesem Zusammenhang auf ein Minenfeld aufmerksam: «Das ist manchmal nur auf Kosten von Parkplätzen möglich. Das wiederum ist sehr heikel und wir müssen auch in Waldenburg aufpassen, dass das Ganze nicht in eine reine Parkplatzdiskussion ausartet.» Eine Möglichkeit sei, die Parkplätze an wenigen Orten zu konzentrieren. Auf eine entsprechende Frage meint Borer: «Die eine schlagende Aufwertungsidee gibt es nicht. Es ist ein Sammelsurium von kleinen Massnahmen, die Waldenburg wieder zu einem tollen Lebensort machen können.»

Dabei braucht es auch Hilfe von Aussen: Eine einmalige Chance, Altstadt-Gassen umzugestalten, wäre im Zusammenhang mit der Realisierung eines Fernwärmeverbunds, sagt Kaufmann. Die Elektra Baselland entscheide darüber im Januar. Als grosse Herausforderung sieht Claudia Tschudin, Präsidentin des Vereins «Waldenburg belebt», noch etwas ganz anderes: «Ich hoffe sehr, dass die vielen tollen Ideen nicht in einer Schublade vergessen gehen, wenn das Mandat von Espace Suisse ausläuft.» Besonders begeistert ist sie, dass die Kinder mit Unterstützung des Kinderbüros Basel in den Prozess miteinbezogen werden.