Die Atmosphäre im altehrwürdigen Grossratssaal war anders als bei Grossratssitzungen. Am Freitag und Samstag war er von lauter jungen Menschen besucht. 40 Jugendliche in bunten Outfits sassen da. Sie waren voller Elan, sich politisch einzubringen. Der Junge Rat Basel organisierte die Veranstaltung «Unsere Meinung zählt». Bis zum 21. Lebensjahr können sich junge Basler und Baslerinnen oder solche, die in Basel-Stadt zur Schule gehen, anmelden, um an der zweitägigen Diskussion teilzunehmen. Zeno Strebel, Präsident des Jungen Rates, freute sich über das grosse Interesse. «Wir führen die Veranstaltung bereits zum dritten Mal durch. Unser Ziel ist es, den Jugendlichen die Politik näher zu bringen.»

Die meisten würden von «Unsere Meinung zählt» von Freunden erfahren. Auch die elf Mitglieder des Jungen Rates mobilisierten und legten ihren Kollegen ans Herz, sich doch mal zwei Tage mit Gleichaltrigen hinzusetzen und über politische Themen aller Art zu diskutieren. Für den Jungen Rat ist die Organisation des Anlasses ein grosser Aufwand, der aber gerne in Kauf genommen wird, um die Jugend für Politik zu begeistern: Aus zehn Themen wählen die Jugendlichen sieben aus, die dann während der zwei Tage behandelt werden. Zudem melden sich die Teilnehmer für eine Kommission an, die jeweils eines der Themen aufgreift, die lauteten: Verhüllungsverbot, Umgang mit Randständigen, Datenüberwachung und Netzneutralität, Foodwaste, freie Schulwahl und Religionsunterricht. Jede Kommission hatte ihren eigenen Experten – den «Netzneutralitätern» sah beispielsweise ein Informatiker über die Schulter.

Mehr Emotionen

Nachdem am Freitag die verschiedenen Petitionen ausgearbeitet worden waren, konnte das grosse Debattieren beginnen. Bei einem Besuch am Samstagnachmittag waren die jungen Politiker und Politikerinnen schon sichtlich erschöpft. Mehrere Stunden hatten sie im Grossratssaal gesessen, stellten Fragen, machten Gegenvorschläge und verteidigten ihre Petitionen. Am Abend hatte es noch zwei Bierli gegeben – schon dort war rege über die ausgearbeiteten Petitionen diskutiert worden. Die Bilanz der Jugendlichen fiel positiv aus: «Die Stimmung hier ist super und ich habe schon viele neue Leute kennen gelernt», sagte der 19-jährige Simon Hasler. Vor allem das Thema Foodwaste sorgte am Samstag im Grossratssaal für Diskussionsstoff. Die Forderung war, dass man Gemüse, welches sich nicht zum Verkauf anbietet, in einem separaten Korb verkauft und somit Foodwaste verringert werde kann. Die Diskussion verlief ähnlich wie im Grossen Rat – nur etwas emotionaler.

Am Ende der Veranstaltung wurde abgestimmt, welche denn nun die beste Petition sei. Diese wird an eine Kommission weitergeleitet, geprüft und dann als Vorstoss an den Grossen Rat überwiesen. Die Petition «Der öffentliche Raum ist für alle da!» gewann. «Nach einer langen Debatte hat sich herauskristallisiert, dass den Jugendlichen der Umgang mit Randständigen ein Anliegen ist. Nun ist es unsere Aufgabe, dieses Anliegen weiter zu verfolgen», so Strebel.