Binningen

Von Jubiläen, Kartoffeln und Widdern: Mit dem Strassenumzug geht die Fasnacht zu Ende

Mit dem Strassenumzug in der Agglo-Gemeinde ist die Fasnacht in der Region zu Ende gegangen. Gleich drei der teilnehmenden Wagencliquen konnten dabei ein Jubiläum feiern.

Es ist kein plötzlicher, sondern ein schleichender Start in der Kurve, in der die Curt Goetz-Strasse in die Postgasse mündet. Ein paar Minuten nach 15 Uhr setzen sich an diesem kalten Samstagnachmittag aber alle in Bewegung – insgesamt sind es 57 Formationen mit rund 600 aktiven Fasnächtlerinnen und Fasnächtlern, die heuer an der Binninger Strassenfasnacht mitmachen.

«Waggis, Waggis!»

Entlang der traditionellen Strecke zum Kronenplatz und via Weihermattstrasse wieder zurück, sehen ihnen mehrere hundert Menschen bewundernd zu. Wie immer sind Familien mit Kindern in grosser Anzahl vertreten. Wenn sie nicht gerade vom Spiel der teilnehmenden Guggenmusiken übertönt werden, sind während des ganzen Umzugs «Waggis, Waggis!»-Rufe aus vollen Kinderkehlen zu hören.

Abzustauben gibt es einmal mehr eine Menge: Von Dääfeli über Früchten bis hin zu flüssigen Muntermachern. Etwas aus dem Rahmen fallen die Stänzer-Waggis, die DVD mit Kinderfilmen an die jüngsten Fasnachtsbesucher bringen, und die Helvetia-Schnägge mit ihren Kartoffeln. «Waggis, ich möcht gärn Härdöpfelsuppe zum Znacht mache», schreit ein Mann grinsend in Richtung des Wagens und wird mit gleich elf Kartoffeln belohnt.

Präzise und unpräzise Werfer

Nicht ganz so präzise wie die Helvetia-Schnägge können die jungen Lindenbaum-Pirate aus Allschwil werfen. Da kommt es schon mal vor, dass die Nase einer kurz unaufmerksamen Zuschauerin von einer Orange touchiert wird.

Auffällig ist, dass gleich drei der teilnehmenden Wagencliquen ein Jubiläum feiern und dieses zum Sujet gemacht haben. Die Granate-Schnägge werden zehn («Mir rocke’s 10ni!»), die Wolfschlucht-Deppe 20 und die Kiwi-Frässer 30 Jahre alt. Einer der Verse, die auf dem Wagen der Kiwi-Frässer stehen, bringt ihre Leidenschaft für die Fasnacht auf den Punkt:

30 Joor simmer scho uf dr Gass und jä, s macht immer no Spass!

Den optisch eindrucksvollsten Wagen können heuer die Samba Waggis ihr Eigen nennen, die Binninger Clique hat ihn zu einem ICE umgestaltet.

Von Planern und Steuerzahlern

Ebenfalls «auf Schienen», aber etwas regionaler kommt das Gefährt der Alten Garde der Vorstadt-Glunggi daher: Als BLT-Waggon passt das Beförderungsmittel natürlich zum Sujet «Mol, mol – e Stich». Der Zeedel der Binninger Wagenclique zerpflückt jedenfalls genüsslich den Margarethenstich:

Blaaner hänn blaant und alles gmässe und derbyy aifach ganz vergässe, ass s Gäld, sii dien das klar verkenne, dr Styyrzaaler muess sälber brenne.

Ebenfalls mit starkem Leimentaler Bezug sind die Basler Clochards unterwegs, die das Landfest 2017 zum Sujet gemacht haben. «Mir schwinge wyter», lässt die Clique alle wissen, während sich an der Rückseite ihres Wagens immer mehr Räppli ins Sägemehl mischen.

Um die halbe Welt

Ein weniger erfreuliches Thema haben dagegen die Nachtwyber Schnägge gewählt. In «D Poscht goot ab!» geht es um den Abbau der Poststellen in der Region:

D Grossmama will mit em gäle Biechli ihri Rächnige zahle und muess defür um die halbi Wält fahre.

Ganz allgemein halten dagegen die Banane-Bieger ihr Sujet. «Nid scho widder», lautet es, entsprechend sind die Mitglieder der Therwiler Wagenclique als Widder verkleidet. Ihr Motto lässt sich auf alles Mögliche übertragen und geht am Ende des Binninger Strassenumzugs wohl so manchem Besucher durch den Kopf. «Nid scho widder e Fasnacht, wo z Änd gange isch!»

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