Drummeli
Vorfasnacht: Baselbieter Gäste schnuppern Drummeli-Luft

Die Drummeli-Premiere im Musical Theater ist ein voller Erfolg gewesen. Der rote Faden und die Verbindung zwischen Cliquen, Schauspielern und Schnitzelbänken ist beim Publikum gut angekommen.

Muriel Mercier
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Drummeli-Premiere im Musical Theater Basel
8 Bilder
Jungi Stainlemer
Basler Dybli mit Draioergeli
Susi van der Schwall und unseri Eeregescht
Alti Glaibasler D ' Ysebahn
Wettstai mit D'Wanze
Alti Richtig
Rhyschnoogge mit Secondolino

Drummeli-Premiere im Musical Theater Basel

Nicole Nars-Zimmer

«Heissen Sie unsere zwei Ehrengäste willkommen», begrüsst Susi van der Schwall Hansruedi Tschopp und Reto Spiess. Die Baselbieter (Domenico Pecoraio und Hugo Buser) nehmen auf dem Balkon Platz, um das Drummeli kennenzulernen. Bei einer Fusion von Baselland und Basel-Stadt könnte es ja sein, dass dieses «im 2014 in der Mehrzweckhalle in Gelterkinden durchgeführt wird», prustet Hansruedi.

Vom Balkon auf der anderen Seite keift Catherine Merian Staehelin (Suzanne Thommen) die beiden an, sie sollen ruhig sein. Sohn Andres (Marcel Mundschin) versucht zu schlichten, aber der 50-Jährige steht unter der Knute seiner Mamme. «Du wirst dein Leben lang ein halber Kanton bleiben», schnauzt sie ihn an. Reto und Hansruedi haben derweil nur Augen für die blonde Holländerin Susi.

Die Balkonszene eröffnet den Abend und führt das Publikum in die Geschichte ein, die als roter Faden durch die Vorstellung führt. Catherine und Andres oben links gegen die vorlauten Baselbieter oben rechts.

Cliquen-Auftritte mit tollen Ideen

Den ersten musikalischen Beitrag liefern die Schnooggekerzli, deren Major in einem farbenprächtigen Plastikmantel den Takt angibt. Die Jungi Stainlemer betreten als Baseball-Spieler die Bühne und pfeifen und trommeln «Dr Alex vom Aubärg». Die Cliquen und Guggen haben sich durchwegs unterhaltsame Auftritte überlegt. Die Wettstai spielt den Marsch «D Wanze» als Mexikaner verkleidet. Vor den Pfeifern und Tambouren sonnen sich die Kollegen im Schatten der Kakteen.

Im «Raamestiggli» Taxiii!?! versucht eine Schiggi-Miggi-Dame (Viola von Scarpatetti) verzweifelt, Taxifahrer Abdulla zu finden, der sie vom Barfi an den Bahnhof kutschiert. Die Zentrale rät ihr, ins Tram zu steigen. Die Taube auf den Gleisen will es ihr ausreden: steht auf der Anzeigetafel, der 8er komme in drei Minuten, kommt in vier zuerst der 16er. Viola muss warten - ein paar Nummern später steht sie immer noch am Barfi.

Was das diesjährige Drummeli ausmacht, sind die Szenen, die später erneut aufgegriffen werden. Ins Schauspiel einbezogen werden auch die Cliquen und Guggen. Die Rhyschnoogge kommen im Bademantel, im Trainer oder Mini und spielen «Secondolino», die Basler Dybli werden von einem Drai-Örgeler hineingeführt. Ein, neben dem generell musikalisch hochstehenden Niveau, optischer Höhepunkt bieten die Tambouren der Alte Glaibasler mit ihrem Beitrag «D Ysebahn». Die Reise beginnt langsam, die Lok stampft los, der Zug rollt an, gemächlich an Bäumen vorbei, die von Helfern über die Bühne getragen werden. Bei hohem Tempo rast die Lokomotive an Baustellen, Holzfällern und einem Liebespaar vorbei. Danach überraschen die Rhygwäggi mit «Alles fahrt Schi». Im Hintergrund läuft ein Skilift-Film ab, die Cliquenmitglieder schlagen auf Ski und Schlitten den Takt.
Der Doggter bekommt Diakonissin

Der erste Schnitzelbangg-Auftritt gehört Doggter FMH - ohne Schwester Erika, dafür mit der Diakonissin Gundula aus Lörrach. Seine Bängg sind hochrangig: Vreni Schneider, Anita Lachenmeier und Lance Armstrong müssen dran glauben. Ein «Raamestiggli»-Höhepunkt ist sicherlich «Taatütattoo». Hugo Buser alias Erik Julliard reitet auf die Bühne, die Toilettenhäuschen sind das grösste Problem - und danach bringt das Ensemble eine Tattoo-Einlage auf die Bühne.
Nach der Pause eröffnen die Basler Rolli als Zirkusleute mit «Circus Circus», die Spezi geben Gas mit einem Musical-Medley: «Phantom of the Opera», «Cats» und «Mary Poppins». Zwischendurch melden sich Hansjürg und Reto vom Balkon oben rechts - langsam gefällt ihnen das Drummeli. Witzig ist die Einspielung von Nik Hartmann mit seiner Sendung «Waggis, leedig, suecht...». Der Moderator sucht für Waggis René (Kurt Walter) ein Schätzchen an der Fasnacht. Weder Svetlana noch Annemarie und Priska gefallen diesem.
In Erinnerung bleiben wird das musikalische Spektakel, das die Alti Stainlemer bieten. Singend torkeln sie auf die Bühne, Bierflaschen in der Hand, und machen es sich bequem auf Festbänken. Währenddessen ziehen die Glunggi davon, die das «Nunnefirzli» - in memoriam George Gruntz - gespielt haben. Die Stainlemer stehen in Reih und Glied, nehmen mit der einen Hand das Piccolo des Vordermanns in die Hand und spielen die «Pfyffer-Daagwach». Der Stroossewischer kommt auf die Bühne und wischt «dr Drägg» der Alte Stainlemer mit tollen Pointen «ewäg». Die Gugge Schlangefänger begeistert mit einem rassigen Swing.

Dieterle überzeugt als Regisseurin

Im Finale findet der Zwist zwischen Andres und seiner Mamme ein Ende. Mit der Baseldeutsch-Fassung von Queens «Bohemian Rhapsody» löst sich der Junge von seiner Mutter, in dem er sie in die Luft jagt. Und die Baselbieter Gäste Reto und Hansjörg dürfen auf die Bühne und bedanken sich für den unterhaltsamen Abend.

Das Drummeli-Programm ist vollgespickt mit Pointen sowie musikalisch hochstehenden und farbigen Momenten. Grandios sind die Verbindungseinlagen von Cliquen, Schauspielern und Schnitzelbänken. Bettina Dieterle, die zum zweiten Mal auf dem Regiestuhl sitzt, hat ganze Arbeit geleistet. Und dass Schauspieler Domenico Pecoraio erst vor einer Woche den Part von Kurt Walter übernommen hat, merkt man keine Sekunde.