An Auffahrt schreiten die Rünenberger jedes zweite Jahr ihren Bann ab, die Zeglinger beschränken sich auf einen Dreijahresrhythmus bei ihrer Grenzerfahrung, und in Kilchberg kommt es nur alle fünf Jahre zum Banntag, diesem Familienanlass, der eigentlich die Selbstständigkeit zelebriert. Auch den 1. August oder das Eierläset feiert jede der drei Gemeinden allein. Die Identität der Gemeinden hat nicht darunter gelitten, dass sich die drei Dörfer auf dem Jura-Plateau zu einem engen Verbund zusammengeschlossen haben, der nach der Fusion von Biel und Benken 1972 im Kanton seinesgleichen sucht. «Die junge Generation geht heute ohnehin grosszügiger mit Grenzen um», sagt Franziska Bider, die gemeinsame Gemeindeverwalterin. Sie ist überzeugt, dass der Dorfpatriotismus von einst im Sterben liegt.

Kilchberg ist nicht nur die kleinste dieser drei Gemeinden, sondern gleich auch Baselbieter Benjamin. Hier wird sogar eine Fusion demnächst wieder zum Dorfgespräch, wenn Gemeinderätin Gertrud Wiesner auf Juni zurücktritt. Bei 120 Einwohnern ist es stets eine neue Herausforderung, das Amt neu zu besetzen. Obwohl sich Kilchberg mit drei Gemeinderäten zufrieden gibt. «Wir müssen so weniger Räte suchen, dafür verteilt sich für diese die Last auf weniger Schultern», erklärt Gertrud Wiesner, bei der die Belastung mitentscheidend für ihren Rücktritt ist. Eine Fusion würde dieses wiederkehrende Problem lindern. Doch so wichtig ist ihr persönlich dieser letzte Schritt gar nicht: «Wir arbeiten ohnehin bereits fast überall zusammen», sagt sie, «und als kleinster Partner sind wir darauf am stärksten angewiesen.»

Fusion wie im Bilderbuch

Auch Astrid Buser, Gemeindepräsidentin von Rünenberg, lobt die aktuelle Situation: «Ja, wir sind eine Art Vorbild für andere und überprüfen ständig jede Gelegenheit, unsere Zusammenarbeit zu verfeinern.» Mit der gemeinsamen Feuerwehr hat alles angefangen. Bald beschränkte man sich auf eine einzige, dafür professionellere Verwaltung, die nicht etwa in Rünenberg, dem grössten und der Zentrumsgemeinde Gelterkinden am nächsten gelegenen Partner im Trio liegt, sondern in Zeglingen; mit der gemeinsamen Sozialhilfebehörde galten die drei Plateaugemeinden sogar als Pioniere im Kanton. Es gibt eine gemeinsame Jungbürgerfeier und einen kleinen Verbundwanderweg, ja sogar eine Etikette für den Rü-Ki-Ze-Verbundswein.

Aktuell brüten Rünenberg, Kilchberg und Zegligen, kurz Rü-Ki-Ze, über einen gemeinsamen Wasserverbund. Was simpel tönt, erweist sich bei genauem Hinsehen als heikel: Wer steuert ein intaktes, wer ein leckes Netzwerk bei? «Solche Fragen fordern viele Sitzungen und ständig gegenseitiges Entgegenkommen», sagt Astrid Buser. Nur in Minne verlaufen solche Gespräche nicht. Wenn 2015 die Primarschulzeit auf sechs Jahre verlängert wird, benötigt Zeglingen mehr Schulraum, doch Kilchberg in der Mitte könnte sich auch vorstellen, die Kinder nach Rünenberg zu schicken. Man sei noch am Rechnen, heisst es aus allen drei Gemeinden vorsichtig.

Der Zeglinger Mario Dolder, der amtsälteste Gemeindepräsident, lobt die Zusammenarbeit. Sie verlaufe «ohne Friktionen», und es sei eine «bewährte Routine» entstanden. «Dieser Weg ist auch unausweichlich, denn es kommen immer mehr Aufgaben auf die Gemeinden zu, da sind Fachleute verlangt», sagt er. Bei der Fusions-Gretchenfrage zeigt er sich überzeugt, dass er das endgültige Zusammengehen noch erlebe, aber kaum mehr als Gemeindepräsident.

Eher skeptisch ist Astrid Buser, zumal sie von Einwohnern noch nie direkt aufgefordert worden sei, in dieser Frage vorwärts zu machen. «Der Name der Fusionsgemeinde spielt keine Rolle», erklärt sie, «da muss man nichts ändern.» Aber sie erinnert an die Bürgergemeinden und schliesslich an das grösste Problem, die unterschiedlichen Finanz- und Besitzverhältnisse. «Fusion klingt ja schön», sagt sie, «aber dahinter steckt riesige Detailarbeit.» Gemeindeverwalterin Franziska Bider fügt hinzu: «Mit Fusionen und Verbünden lässt sich der Betrieb wohl professionalisieren. Der Spareffekt aber ist höchstens ganz gering.»

Auch Dolder warnt vor einem Trugschluss: «Spannen zwei grössere oder mittlere Gemeinden zusammen, so können sie sparen. Fusionieren drei kleine, strukturschwache, so bleiben sie klein und strukturschwach.» Rü-Ki-Ze bringt es derzeit auf keine 1400 Einwohner und wäre immer noch kleiner als Thürnen oder Reigoldswil. Nicht nur Dolder ist deshalb überzeugt: «Wenn schon fusioniert wird: weshalb nicht gleich mit mehr Gemeinden?»