Hundegesetz

Was sich hier bewährt, ist in Bundesbern umstritten

In den beiden Basel sind potenziell gefährliche Hunde wie die beiden Staffordshire Bullterrier (links) oder der Rottweiler-Pitbull-Mischling (rechts) bewilligungspflichtig. (Walter Schwager)

In den beiden Basel sind potenziell gefährliche Hunde wie die beiden Staffordshire Bullterrier (links) oder der Rottweiler-Pitbull-Mischling (rechts) bewilligungspflichtig. (Walter Schwager)

Nach dem Scheitern eines einheitlichen nationalen Hundegesetzes müssen die Hundehalter zumindest in der Region nicht ständig ein Gesetzesbüchlein mitführen, wenn sie die Kantonsgrenze überschreiten.

Die beiden Hundegesetze in Basel-Stadt und im Baselland gleichen sich stark. Aber auch die Bundesvorlage hätte für die beiden Basel keine grossen Anpassungen nötig gemacht. «Der Entwurf zum nationalen Hundegesetz ist quasi ein Abbild der Lösung in Basel-Stadt», betont der Basler Kantonstierarzt Markus Spichtig.

Ein Hauptgrund für das Scheitern der Einigungskonferenz von Anfang Woche war die in den beiden Basel bereits angewandte Bewilligungspflicht für die Haltung potenziell gefährlicher Hunde. Wäre es nach dem Ständerat gegangen, hätte es im nationalen Gesetz ebenfalls eine solche Pflicht gegeben. Der Nationalrat wollte indes auf die Regelung verzichten.

Der Baselbieter Kantonstierarzt Ignaz Bloch hätte der Lösung der grossen Kammer klar den Vorzug gegeben. «Gefährlich sind nicht Hunderassen per se, sondern einzelne Hundeindividuen.» Daher lässt sich laut Bloch ein Rassenverbot respektive ein Kampfhundeverbot, wie es einige Kantone kennen, «sachlich nicht begründen». Eine Bewilligungspflicht, die auf den einzelnen Hund und Hundehalter eingeht, sei zielführender. Belegen kann der Kantonstierarzt dies mit der Bissstatistik, welche der Kanton führt. «Dass potenziell gefährliche Hunde zubeissen, kommt praktisch nicht mehr vor. Mir ist nur ein Fall bekannt.»

Sein Amtskollege Markus Spichtig aus Basel-Stadt bestätigt diesen überraschenden Befund: «Es gibt kaum Bisse von gefährlich eingestuften Hunden.» Auch im Stadtkanton sei letztes Jahr nur ein Fall passiert.

Nicht nur Hundehalter sind schuld

Der grösste Teil der rund 150 Meldungen im Baselbiet respektive deren 100 in Basel-Stadt stammt von nicht gefährlich eingestuften Hunden. «Da gibt es sicher auch einige Bagatellfälle darunter», glaubt der Baselbieter Kantonstierarzt Bloch. Doch vielfach sei ein Hundebiss auch auf ein Fehlverhalten von Kindern oder Erwachsenen zurückzuführen, die einen Hund falsch einschätzen, wenn sie auf ihn zugehen. Das heisst: Nicht immer ist die Schuld für einen Hundebiss nur beim Hundehalter zu suchen.

Basel-Stadt bietet daher seit drei Jahren die Präventionskurse «Kind & Hund» in den städtischen Kindergärten an, die seit dem Schuljahr 2009 sogar obligatorisch sind. «Es hat sich herausgestellt, dass dies in den Schulen ein grosses Bedürfnis ist», sagt Kantonstierarzt Spichtig. Jedes Kind muss mindestens einmal während seiner zweijährigen Kindergartenzeit einen Vormittag lang einen Kurs besuchen. «Die Erfahrungen zeigen, dass viele Kinder ihre Angst, aber nicht den nötigen Respekt vor den Hunden verlieren», heisst es im letztjährigen Jahresbericht dazu. «Diese Art von Prävention würde im Baselbiet ebenfalls etwas bringen», ist Kantonstierarzt Bloch überzeugt.

Bisher sieht das Amt für Volksschule jedoch keinen Anlass für solche Kurse. Amtsleiter Gottfried Hodel sagt wieso: «Zum einen ist dies eine Sache der Hundehalter, zum anderen wird in der Schule bereits heute das Thema Hund behandelt.» Ausserdem äusserten Hausärzte Bedenken wegen Allergien. Ein von Elisabeth Augstburger 2006 im Landrat eingereichter Vorstoss, der in eine ähnliche Richtung gezielt hätte, wurde von einer Ratsmehrheit abgelehnt.

Dass die Bewilligungspflicht auch Folgen auf die Zahl eingereichter Gesuche für potenziell gefährliche Hunde hat, konnten die beiden Kantonstierärzte ebenfalls beobachten. «Die Zahl solcher Hunde hat seit der Einführung der Bewilligungspflicht um die Hälfte abgenommen», unterstreicht der Basler Kantonstierarzt.

Auch im Nachbarkanton sei laut Bloch die Zahl der Gesuche zurückgegangen: «Wir erhalten noch zehn Gesuche pro Jahr, von denen im Schnitt drei abgelehnt werden.» Derzeit machen die 99 registrierten Dobermänner, Pitbull-Terrier oder Rottweiler nur 2 Prozent des Hundebestandes im Stadtkanton aus. Im Baselbiet kommen die 320 Tiere der Liste potenziell gefährlicher Hunde auf 2,5Prozent des Gesamtbestandes.

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