Verkehr

Wegen Parkplatzmangel und Sympathie: Basler Betriebe wechseln vom Auto aufs Velo

Der Schreiner Felix Fluri ist seit einem Jahr beruflich in der Stadt mit einem Cargovelo unterwegs.

Vor ein paar Jahren kurvten gerade mal eine Handvoll Cargobikes über Basler Strassen. Mittlerweile gehören die Lastenfahrräder zum Stadtbild. Ihre Anzahl kann nur geschätzt werden.

Die Velos, die mit einem Elektromotor bis maximal 25 Stundenkilometer ausgerüstet sind, benötigen im Gegensatz zu den schnellen E-Bikes keine Nummernschilder. Klar ist mittlerweile: Die Cargobikes sind längst keine Nischenerscheinung mehr.

«2009, in unserem ersten Jahr, haben wir exakt ein Stück verkauft», erinnert sich Jacqueline Arm vom Veloladen «Obst und Gemüse», dem grössten Händler von Cargobikes in der Region. Mittlerweile ist die Zahl auf mehrere hundert Velos angestiegen – Tendenz ungebrochen steigend. «Die Nachfrage wird weiter wachsen», ist Arm überzeugt. «Das Cargobike entspricht dem Zeitgeist.» Bisher würde der Grossteil der Fahrzeuge von Familien gekauft. Daneben verzeichne man ein steigendes Interesse von Unternehmen. «Noch vor ein paar Jahren galt man als absoluter Exot. Heute sehen immer mehr Geschäfte das Lastenvelo als Alternative zum Geschäftsauto», sagt Arm.

Schreiner, Bäcker, Floristen

Einer von ihnen ist der Kleinbasler Schreiner Felix Fluri. Er ist vergangenes Jahr auf das Zwei- beziehungsweise in seinem Fall Dreirad umgestiegen. Gemeinsam mit dem Verein Pro Innerstadt hat das Amt für Mobilität das Projekt «Work by Bike» lanciert. Gewerbetreibende erhalten gegen eine Gebühr von 800 Franken ein auf ihre Betriebsanforderungen zugeschnittenes Cargobike, das sie ein Jahr lang testen können. Bewährt es sich, können sie das Velo anschliessend zu einem Vorzugspreis übernehmen.

Die erste Runde war ein voller Erfolg. 15 Unternehmen machten mit, 13 davon haben anschliessend das Lastenvelo gekauft, darunter Geschäfte für Blumen oder Kleider, Bäcker oder Cafés. Diesen Monat startet die zweite Runde mit 17 neuen Unternehmen.

«Ich habe die Idee schon länger mit mir herumgetragen», sagt Fluri. «Mit einem Auto ist es oft schwierig in der Stadt.» Mit dem Velo könne er direkt zum Kunden fahren, die mühselige Suche nach einem Parkplatz entfällt. «Bei den Kunden kommt das Velo gut an. Es ist also auch ein Türöffner.» In seinem Cargobike hat er einen kleinen Werkzeugsatz für kleinere Handwerkerarbeiten dabei oder dafür, wenn es ums Ausmessen geht. «Ich transportiere kleinere Sachen oder auch mal Sockelleisten mit dem Velo – dafür habe ich früher jeweils ein Auto gebraucht.»

Durchbruch dank Elektromotor

Dass die Lastenvelos zum Mainstream werden, erkennt man auch daran, dass neben spezialisierten Geschäften mittlerweile viele Quartier-Veloläden ein Modell im Angebot haben. Der Velohändler Jörg Vitelli importierte seinen ersten «Long John» bereits 1985 aus Dänemark, «ohne Motor und mit drei Gängen. Da brauchte man gute Wädli, wenn man die Wettsteinbrücke hinauf wollte.» In den 1990er-Jahren hätten Familien dann vor allem auf Anhänger gesetzt.

Mit dem Aufkommen des Elektromotors für Fahrräder haben die Lastenvelos wörtlich mehr Schub bekommen. Mittlerweile verkauft Vitelli rund 20 Cargobikes pro Jahr. «Das ist eine Kundschaft, die ganz gezielt diese Sorte Velos sucht.» Auch er sieht bei den Unternehmen noch grosses Potenzial: «Es ist schneller und ökonomischer. Man steckt nicht im Stau, und die Suche nach einem Parkplatz entfällt.»

Seit einigen Jahren stehen in Basel und in mehreren angrenzenden Gemeinden über zwei Dutzend Cargovelos zur Miete bereit. «Wir sind sehr zufrieden», sagt Mirjam Stawicki, Projektleiterin von «Carvelo2Go». Basel sei mit Abstand der ergiebigste Standort. «Wir haben viele Angebote in verschiedenen Quartieren», so Stawicki. Zwischen April und Oktober würden gewisse Velos bis zu 30 Mal pro Monat vermietet – im Schnitt für rund acht Stunden. «Die Cargovelos werden meist für eine längere Zeitdauer genutzt – etwa einen Ausflug», sagt Stawicki.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1