Coronavirus

Wegen Personalnot: Arbeiten bald auch in beiden Basel coronapositive Spitalangestellte?

Das Kantonsspital Baselland hat mit seinen Corona-Arbeitsregeln das eigene Personal irritiert. (Symbolbild)

Das Kantonsspital Baselland hat mit seinen Corona-Arbeitsregeln das eigene Personal irritiert. (Symbolbild)

Im Gegensatz zu Genf erlauben die Kantonsärzte aus Basel-Stadt und Baselland noch nicht den Einsatz von coronapositiv getestetem Spitalpersonal. Sollte der Personalmangel aber zunehmen, fordert das Unispital eine Überprüfung dieser Regel. Und am KSBL widersprechen Pflegekräfte den offziellen Aussagen.

Die zweite Welle hat die Spitäler der Region mittlerweile mit voller Wucht getroffen: 223 Coronapatienten liegen in beiden Basel derzeit im Spital, 34 davon auf einer Intensivstation. Zum Vergleich: Der Höchststand der ersten Welle lag Anfang April bei 218 Hospitalisierten und 36 Intensivpatienten. Gerade noch rechtzeitig hatten die Kantone vor einer Woche gegenüber der bz angekündigt, die Zahl der Intensivpflegebetten im Basler Universitätsspital (USB), Claraspital und Kantonsspital Baselland (KSBL) auf 64 zu erhöhen – praktisch eine Verdoppelung. Ein weiteres Indiz für die zunehmend angespannte Lage ist, dass das USB gestern ein grundsätzliches Besuchsverbot aussprach, wie «Radio Basilisk» vermeldete.

«Von einer Situation wie in Genf sind wir aber noch weit entfernt», sagt der Baselbieter Kantonsarzt Samuel Erny auf Anfrage. Dessen Genfer Amtskollege hatte jüngst das dortige Unispital autorisiert, unter bestimmten Voraussetzungen auch Personal einzusetzen, das positiv auf Corona getestet worden ist. Dies, weil sich dermassen viele Spitalangestellte infiziert hatten, dass ohne sie der Weiterbetrieb gefährdet wäre. Dieses Vorgehen entspricht einer aktuellen Empfehlung des nationalen Zentrums für Infektionsprävention Swissnoso.

Pflegekräfte widersprechen dem Kantonsspital

Gegenüber der bz halten allerdings gleich mehrere Pflegefachkräfte aus verschiedenen Abteilungen des KSBL unabhängig voneinander fest: Ihnen sei intern klar gesagt worden, dass auch sie nach einem positiven Covid-19-Befund weiterarbeiten könnten, sofern sie keine Symptome aufweisen.

Das erstaunt, denn offiziell heisst es beim KSBL klipp und klar: «Sobald ein positives Testergebnis eines Mitarbeitenden vorliegt, begibt sich dieser direkt in Isolation», wie die stellvertretende Sprecherin Sophie Thum schreibt. Was das KSBL aber erlaubt, ist, dass Mitarbeitende, die leicht erkältet sind und sonst keine Symptome einer Coronainfektion aufweisen, mit Maske weiterarbeiten, bis ein positives Testresultat vorliegt.

Baselbieter Kantonsarzt wird Vorwürfe überprüfen

Damit hält sich das KSBL auch an die Weisung von Kantonsarzt Erny: «Zurzeit kommt es überhaupt nicht infrage, dass positiv getestete Angestellte in Spitälern weiterarbeiten.» Er werde den anders lautenden Schilderungen des KSBL-Personals nachgehen. Überhaupt betont er, dass ihm die Baselbieter Spitäler jeden Fall einzeln melden müssten, sollten sie tatsächlich auch Coronapositive einsetzen wollen. Zwar habe der kantonsärztliche Dienst die Entscheidbefugnis an die Kliniken abgetreten, ihrem Personal selbstständig Quarantäne-Erleichterungen zu gewähren, doch, so Erny: «Von  Laisser-faire kann keine Rede sein.»

Diese Handhabe sei auch mit Basel-Stadt abgesprochen worden. Der stellvertretende Basler Kantonsarzt Simon Fuchs hält denn auch fest, dass bis jetzt noch kein Basler Spital mit der Bitte auf den Kanton zugekommen sei, auch coronapositive Pflegefachkräfte einsetzen zu dürfen.

Arbeiten, während man auf das Testresultat wartet

In der Tonalität zeigt sich Fuchs aber offener als Erny: «Wir begrüssen die Empfehlungen von Swissnoso. Coronapositiv getestetes Personal einzusetzen, wäre für uns denkbar, wenn ein relevanter Personalmangel besteht, unter dem eine adäquate Gesundheitsversorgung nicht mehr gewährleistet werden kann.»

Auch das Basler Unispital und das Claraspital beschäftigt die Personalsituation. «Mitarbeitende mit leichten Symptomen können, wenn es ihr Gesundheitszustand erlaubt, weiterarbeiten, während sie auf das Testresultat warten. Dies unter strenger Einhaltung der Hygiene- und Schutzmassnahmen», sagt Claraspital-Sprecherin Trix Sonderegger.

USB verbietet Weiterarbeit ab 38,3 Grad Fieber

Thomas Pfluger vom USB sagt dasselbe, präzisiert aber, dass Fieber über 38,3 Grad Celsius eine Fortführung der Arbeit ausschliesse. Auch brauche es jeweils eine Genehmigung des Personalarztdienstes. Diese werde vor allem Mitarbeitenden «in den Schlüsselbereichen» erteilt, also der Intensiv- und Notfallstation, der Kohorte oder Labormedizin.

Pfluger hält aber auch fest: «Sollte bei uns in den Schlüsselbereichen akuter Personalmangel auftreten, müssen die Regeln neu evaluiert werden.»

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