Weltall
Die Kernfrage bleibt offen: Gibt es Ufos am Basler Himmel?

Unidentifizierte Flugobjekte sind wieder in aller Munde. Noch diesen Monat will das US-Pentagon weitere Geheimakten freigeben. Auch in Basel gibt es immer wieder Ufo-Sichtungen.

Elodie Kolb
Merken
Drucken
Teilen
Der Schweizer Billy Meier machte immer wieder mit angeblichen Ufo-Aufnahmen von sich reden. Dieses Bild entstand 1976 ob Fischenthal, ZH.

Der Schweizer Billy Meier machte immer wieder mit angeblichen Ufo-Aufnahmen von sich reden. Dieses Bild entstand 1976 ob Fischenthal, ZH.

Billy Meier / INTERFOTO/Keystone

Grenzwächter sahen 1960 in Riehen zwei Flugkörper, die parallel zueinander in etwa 500 Meter Höhe flogen und starkes Licht ausstrahlten. Es war kein Flugzeug, waren sich die Beamten sicher, und kein Motorengeräusch war hörbar. Der Rapport wurde schliesslich an die Ufo-Stelle bei der Luftwaffe weitergeleitet. Berichte wie diese finden sich heute im Bundesarchiv in Bern, wo sie der Journalist und Ufo-Forscher Luc Bürgin nach jahrelangen Recherchen aufstöberte. In Münchenstein sah ein pensionierter Lehrer vor elf Jahren derweil mysteriöse Lichter, für die er keine Erklärung fand.

«Das Phänomen der Ufos begleitet uns schon seit Ewigkeiten. Wir wissen, dass sie existieren, haben aber keine Erklärungen»,

sagt Bürgin. Sichtungen, die auf den ersten Blick unerklärbar sind, werden häufig gemeldet. Allerdings seien 98 Prozent davon erklärbar. Die restlichen zwei Prozent dagegen sind Ufos, das heisst erst einmal Unidentified Flying Objects: fliegende Objekte, die nicht identifiziert werden können und die nicht zwingend ein Gefährt von Ausserirdischen sein müssen, es laut Bürgin aber sein können. Diese Fälle reizen ihn. «Weil die Kernfrage offenbleibt: Was ist es?»

Seriöse und neutrale Forschung notwendig

«Ich kann mir wirklich alles vorstellen, was denkbar ist», sagt Bürgin. Er glaube insofern nicht, dass die Menschheit allein im Universum ist. «Ich fände das eine fürchterliche Vorstellung.» Er beschäftige sich gerne mit kontroversen Phänomenen, wie der 50-Jährige erzählt.

Er persönlich konzentriere sich auf Tageslichtsichtungen. In der Nacht sei es wahrscheinlicher, sich zu täuschen. Ausserdem hält er Sichtungen für glaubwürdiger, wenn mehrere Menschen davon berichten, auch unabhängig voneinander. Fotografien und Videos stehe er sehr kritisch gegenüber, da man diese leicht fälschen kann. Auch die unabhängige Bestätigung eines Flugkörpers auf Radar und durch Gespräche mit Militärs und Polizisten, die kein Interesse daran hätten, etwas zu erfinden, hält er für wichtige Belege.

Seit jeher plädiert er für eine seriöse und neutrale Erforschung von Ufos. Umso mehr freut er sich, wenn höhere Generäle sich öffentlich dazu äussern, wie das in den USA in den letzten Monaten vermehrt der Fall gewesen war. Sogar der ehemalige Präsident Barack Obama meldete sich kürzlich zum Thema zu Wort – erstaunlich offen.

Menschen wollen anonym bleiben – aus Furcht vor Spott

Der Basler Buchautor hat in den letzten 30 Jahren mit über 700 Augenzeugen gesprochen. «Sie sind oft aufgewühlt, weil sie etwas gesehen haben, dass sie sich nicht erklären können.» Viele möchten laut Bürgin nur anonym genannt werden. «Sie haben Angst, dass sie sich mit der Veröffentlichung ihrer Erlebnisse unglaubwürdig machen und als Spinner abgestempelt werden.»

Auch der Euro-Airport in Basel sei mitunter ein Tummelplatz von nicht identifizierbaren Flugobjekten, wie Bürgin sagt. Um 1999 hatte er dank eines dortigen Mitarbeiters Einblick in Radar-Akten. Das Dossier ist heute nicht mehr auffindbar. Bürgin glaubt, Ufos seien für den Flughafen ein Problem. «Der Luftraum muss schliesslich geschützt werden. Und dem kommen unerklärbare Flugobjekte in die Quere.»

Auch die Schweiz hat ein Ufo-Dossier

Militärs und Geheimdienste vieler Staaten sammelten bereits jahrelang Material zu unerklärbaren Phänomenen. Auch die Schweiz legte laut Recherchen der «Sonntags-Zeitung» in den 50er-Jahren Ufo-Dossiers an. Nachdem viele Staaten die Daten lange geheim hielten, gehörte Frankreich 2007 zu den ersten, welche die Ufo-Archive öffneten. Dasselbe haben weitere Nationen in den vergangenen Jahren gemacht. Nicht zuletzt auch die Schweiz: Manche Dossiers sind im Bundesarchiv in Bern zugänglich, andere hat Bürgin veröffentlicht.

Nachdem das US-Pentagon ankündigte, sein Ufo-Dossier am 25. Juni zu enthüllen, wurde das Thema in der Öffentlichkeit wieder präsenter. Bürgin freut sich darüber, bleibt aber zurückhaltend: «Es werden wohl einmal mehr interessante und rätselhafte Fälle vorgestellt, von denen man manche erklären kann und andere nicht. Frei nach dem Motto: Wir wissen nicht, was es ist.»