Basel

Wenn das Trauern einsam wird: wegen Corona-Virus keine Abdankungen möglich

Er ist derzeit ein einsamer Beobachter von Bestattungen.

Er ist derzeit ein einsamer Beobachter von Bestattungen.

Abstand halten, wenn man sich am meisten braucht – Abdankungen werden in Basel derzeit nicht durchgeführt. Zwar können kremierte Leichenaufbewahrt werden, den Abschied auf unbestimmte Zeit zu verschieben ist allerdings nicht so einfach.

Ein so zeitloses Brauchtum wie die Beerdigung steht ebenfalls im Zeichen der Corona-Krise. Familienangehörige sind auch bei Todesfällen an die Restriktionen gebunden, welche unseren Alltag bestimmen. Unter der Überschrift «Folgen der Pandemie für die Friedhöfe Basel» hat die Leiterin der Basler Friedhöfe, Anja Bandi, einen Massnahmenkatalog verschickt, der an die Bestatter, Trauerredner und Pfarrer verteilt wurde.

Mehrere Elemente der Abschiedszeremonien seien in diesen Tagen nicht mehr möglich, heisst es. Zum einen werden keine Abdankungsfeiern durchgeführt, zum anderen ist es nicht erlaubt, die toten Angehörigen aufbahren zu lassen. Bandi sagt, es bestehe keine Wahl. Für die Aufbahrungen seien die Räumlichkeiten am Hörnli zu klein und «lüften kann man sie auch nicht.» Ebenfalls verunmöglichen würde das Corona-Virus Abdankungen in der Kapelle. Im Gebäudeinnern könnten die Trauergäste zwar Abstand voneinander halten, doch kämen sie sich bei den Eingängen zu nahe. Weiterhin möglich sind Beisetzungen. Am Grab darf derzeit aber nur ein «eng begrenzter Personenkreis» stehen. «Diese müssen mindestens zwei Meter Abstand zueinander halten», heisst es im Papier.

Hörnli empfiehlt derzeit Kremationen

Die Stadtgärtnerei empfehle, wann immer möglich eine Kremation durchzuführen. Kremierte Leichen können aufbewahrt werden, was eine Bestattung zu einem späteren Zeitpunkt ermöglicht. Die Urne kann bis sechs Monate gelagert werden.

Bandi sagt, die Betroffenen seien gut mit der neuen Situation umgegangen. Doch das neue Regime ist erst einige Tage in Kraft. Unklar ist, wie lange dem neuen Light-Begräbnis Verständnis entgegengebracht wird. Aufbahrungen sind für viele Menschen wichtig, um sich von jemandem zu verabschieden. Durch ein letztes Adieu wird der Tod eines Nahestehenden für manche erst fassbar. Insbesondere wenn der Verstorbene eine schwere Krankheit erlitten hat, kann der Anblick etwas Tröstendes haben.

Noch einschneidender dürfte sein, dass die Abschiedszeremonien nicht mehr stattfinden. Für Fachleute ist wichtig, dass die Trauerfeiern öffentlich und in grösserem Rahmen stattfinden können. Die Trauernden empfinden die Gemeinschaft als trostspendend.

Pfarrer ruft zu neuen Wegen der Bestattung auf

Anja Bandi sagt, sie erwarte, dass viele die Abdankungsfeiern nachholen werden. «Wir hoffen, dass die Hinterbliebenen bei den Terminen kulant sind», sagt die Leiterin der Basler Friedhöfe. Mit dem Vertrösten ist es allerdings nicht so einfach. Der Riehemer Pfarrer Lukas Wenk beispielsweise spricht von einer «dramatischen Entwicklung». Die Abdankung sei ein «wesentlicher Teil» des Abschiednehmens. Diesen Abschied um ein paar Wochen oder Monate zu verschieben, sei in siebzig bis achtzig Prozent der Fälle ein «No Go», sagt Wenk. Auf dem falschen Fuss seien er und eine Trauerfamilie jüngst erwischt worden, als die Abdankungsfeier in der Kapelle auf dem Hörnli abgesagt worden sei – obwohl schon alles vorbereitet worden war. Besonders betroffen seien aber die Angehörigen und Freunde von jungen Menschen, die ein grosses Umfeld hätten. Der Pfarrer kennt besonders tragische Beispiele aus der Region: Ein junger Mann, der Suizid begangen hat. Oder die Mutter von schulpflichtigen Kindern, die an Krebs verstorben ist.

Wenk will die Behörden nicht kritisieren für den Entscheid. Stattdessen nimmt er seinen Berufsstand in die Pflicht. «Wir müssen Wege finden, wie wir in Würde Abschied nehmen können.» Beispielsweise, indem man mit den Angehörigen zur Abdankung auf ein freies Feld ginge, wo der Sicherheitsabstand eingehalten werden könne. Oder in einen angemessen grossen Raum, der eine Feier im engsten Kreis ermögliche.

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