Basel
Wenn man in der Muttenzerkurve Tee statt Bier trinkt

Der Match FC Basel gegen FC Sion aus Sicht des bz-Praktikanten, der kein Heimspiel verpasst. Sein Wärmerezpt für den Kältematch: Zwei Paar Socken, Thermounterwäsche, doppelt so viele T-Shirts und Pullover wie üblich.

Fabio Halbeisen
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So warm wie dieses Kind in Marco Stellers Armen hatten nur wenige FCB-Fans.

So warm wie dieses Kind in Marco Stellers Armen hatten nur wenige FCB-Fans.

Keystone/Georgios Kefalas

-6, -8, -10. Nein, das sind keine erneuten Punktabzüge der Disziplinarkommission der Swiss Football League (SFL). Es sind dies die Temperaturen am gestrigen Sonntag, an welchem der FC Basel, Erster der Super League, das Schlusslicht, den FC Sion, trotz aller Kälte empfing. Tage zuvor war in diversen Zeitungen zu lesen, wie kalt es werden würde.

Hiesige Fussballexperten sagten voraus, dass wohl nur sehr wenige FCB-Fans in den St. Jakobpark zu Basel pilgern würden. Wer wie ich in der Kälte ausharrte, dachte, dass sich ein echter FCB-Fan von Minustemperaturen nicht abschrecken lässt.

15:00 Uhr: Für mich beginnt die Partie bereits eine Stunde vor Anpfiff. Zwei Paar Socken, Thermounterwäsche, doppelt so viele T-Shirts und Pullover wie üblich. Ich bin fest entschlossen, den Temperaturen zu trotzen und den Verein anzufeuern.

15:25 Uhr: Das Ankleiden geht länger als gedacht. Es reicht nur noch, um die Saisonkarte einzupacken. Ohne Portemonnaie renne ich zur Busstation. In letzter Sekunde springe ich in den Bus. Dieser wählt jedoch beim Dreispitz einen sonderbaren Weg und fährt über die Autobahn zum St. Jakobpark. Anstatt der üblichen zehn Minuten braucht der Bus doppelt so lange.

15:53 Uhr: Von wegen weniger Leute. Am Eingang beim Sektor D stehe ich genauso lange an wie üblich. Da hat es meine Freundin besser, die beim Fraueneingang schneller im Stadion ist als ich.

16:00 Uhr: Der Schiedsrichter Damien Carell pfeift die sprichwörtliche Zitterpartie an. Ein eisiger Wind weht durchs Stadion. Ein Vorbote für das, was noch vor uns liegt.

16:14 Uhr: GOOAAL! In der Muttenzerkurve bricht Jubel aus. Frei trifft zum 1:0. Doch der Blick zum Linienrichter lässt den Jubel verstummen. Frei steht im Offside.

16.30 Uhr: Wieder ist die Freude um das vermeintliche Führungstor nur kurz. Auch Streller steht im Offside.

16:36 Uhr: Die Sittener Fans tun mir leid. Ihr Team zeigt wenig Erwärmendes.

16.47 Uhr: Der Pausenpfiff. Zeit für einen wärmenden Tee. Doch halt, im Stress habe ich ja das Portemonnaie vergessen. Verärgert und leicht frierend bleibe ich in der Muttenzerkurve. Kaffee und Tee sind übrigens die dominierenden Getränke und weisen Bier und Cola in die Schranken. Wen wundert’s?

17.10 Uhr: Meine Augen wandern durch die Zuschauer. Plötzlich bleiben sie stehen. Da stehen doch tatsächlich drei junge Männer mit nacktem Oberkörper. Passend dazu die ziemlich unpassende Werbung vom Autohersteller VW, welcher im Stadion für sein neues Cabriolet wirbt.

17.33 Uhr: Trotz der kalten Temperaturen habe ich am ganzen Körper warm. Nur die Füsse schmerzen mittlerweile. Da nützen auch die beiden Paar Socken nichts.

17.40 Uhr: Das erlösende Tor will und will nicht fallen. Der Verzweiflung nahe treiben wir unser Team nochmals vorwärts.

17.50 Uhr: Meine Füsse rebellieren. Der Schiedsrichter pfeift das Spiel ab. Es war spannend und hatte einige gute Szenen, doch Tore, welche das Fussballerherz erwärmt hätten, fehlten.

-4. Nein, das ist nicht die Temperatur bei Spielende. Es ist der Punktestand des FC Sion. Ob es im Tabellenkeller auch so kalt ist?