Sport-Geschichte

Wenn Sport und seine Geschichte zum Greifen nahe ist

Hier riecht es nach Geschichte. Das Sportmuseum eröffnet am kommenden Freitag sein neues Begehlager im Dreispitz. Dort können die Besucher den Sport und seine Geschichten bestaunen

Da wartet noch ein Koffer darauf, ausgeräumt zu werden; mitten in der riesigen Sammlung von Schlitten hängt noch ein verirrtes FCB-Wappen; die kleine Werkstatt am Ende des Raumes sollte noch von der rund 820 Quadratmeter grossen Ausstellungsfläche abgetrennt werden. Draussen, am Eingang des Gewerbegebäudes an der Reinacherstrasse 1-3 auf Münchensteiner Boden, fehlt auch noch eine prominente Anschrift. Sie müsste darauf hinweisen, dass sich an diesem äusserlich unscheinbaren Ort das Sportmuseum eingenistet hat.

Grosses Eröffnungsprogramm

Viel Zeit bleibt dazu nicht mehr: Übermorgen wird das Sportmuseum mit einem 48 Stunden dauernden Programm eingeweiht. Ihr Kommen versprochen haben bereits Sportgrössen wie Adolf Ogi, Donghua Li, Gian Simmen, Karli Odermatt, Stefan Mutter und viele mehr. Sie alle werden dem Museum ein Erinnerungsstück überlassen, um zu zeigen, dass ein Museum stets wachsen und sich wandeln muss. Los geht es mit dem Eröffnungs-Marathon am Freitag um 17 Uhr, Schluss ist Sonntag um 17 Uhr.

Von Hektik ist am neuen Standort der über 50 Jahre alten Einrichtung kaum etwas zu spüren. Denn am Freitag soll kein wie aus dem Ei gepelltes Museum auf die Besucher warten, keine Vitrinen, keine kunstvolle Beleuchtung. Denn das Sportmuseum präsentiert an seinem neuen Ort gleich das Sammelgut neu in einem Begehlager. «Es ist ein herkömmliches Museum und ein Lager zugleich», fasst Museumssprecher Claudio Miozzari das Konzept kurz zusammen.

Auch Roger dabei

So stehen etwa in einem Regal gleich Hunderte von Schlitten. Das überfordert den Besucher anfänglich, doch dann kann er nach einem persönlichen Lieblingsstück Ausschau halten. Es sind oft an sich unauffällige Geräte, die von der Geschichte erzählen. Doch es hat auch «historische» Gegenstände darunter: die berühmte Schiedsrichter-Pfeife von Gotti Dienst, mit der 1966 das Wembley-Tor besiegelt wurde, Skischuhe von Pirmin Zurbriggen, den farbigen Rennhelm, der Marie-Therese Nadig auf ihrer Gold-Fahrt schützte, der silbrige Gold-Bob von Erich Schärer, Patty Schnyders Olympia-Racket. Auch ein Tennisschläger von Roger Federer zählt zu den 150000 Ausstellungsobjekten im Besitz des Sportmuseums, doch dieses Geräte ist, wie etwa auch zahlreiche Hochräder, gerade ausgeliehen.

Grösste Kegeln-Sammlung

Das Sportmuseum, das auch das FCB-Museum zu Ausstellungsstücken versorgt und die weltweit umfangreichste Sammlung zum Thema Kegeln besitzt, ist in der Schweiz einzigartig. Dies ist aber nicht der Grund, weshalb sogar die «NZZ» über das Basler, oder genauer genommen nun Baselbieter Museum berichtet. Zum einen wird am Montag der Nationalrat über Subventionen für diese Einrichtung befinden. Zum andern ist die neue Form des Begehlagers der Zürcher Zeitung eine Reportage wert.

Claudio Miozzari erstaunt es nicht, dass die Nebensache Sport allmählich ernst genommen wird. «Lange war ja Sport ein isoliertes Feld», stellt er fest. Doch das ändert sich nun: Der an Universitäten bis vor kurzem eher belächelte Sport wird plötzlich zum Inhalt von Geschichts- oder Politik-Vorlesungen. In der Schweiz ist ein Lehrmittel im Entstehen, das geschichtliche Entwicklungen anhand des Sports erklärt und dafür auf den Fundus des Museums zurückgreift.

Meistgesehen

Artboard 1