Mit «Inglourious Basterds» hat Quentin Tarantino dem jüdischen Widerstand gegen die Nazis ein cinematografisches Denkmal gesetzt. Doch gab es wirklich Charaktere, wie sie in Tarantinos Kino-Fantasie auftreten? Ja, auch wenn diese Figuren in Realität nicht so hollywoodesk waren, wie Tarantino sie gezeichnet hat.

Einer der wichtigsten Exponenten im Widerstand gegen die Vernichtung der europäischen Juden war der Basler Heini Bornstein. Er wirkte von der elterlichen Wohnung an der Türkheimerstrasse 5 aus, am Ort der heutigen Ahorn-Post; im Übrigen ohne Wissen der Eltern.

Von Basel hielt Heini Bornstein den Kontakt zu Widerstandsorganisationen und Kampfgruppen aufrecht und versorgte sie mit Geld und Material. Von hier aus erfolgten zahlreiche Hilfs-und Rettungsaktionen. «Wenn ich heute, 70 Jahre später, diese Periode in meinem Leben beschreibe, frage ich mich nach den Gründen meiner damaligen Bereitschaft und meines Mutes, diese Mission als persönliche Verpflichtung auf mich zu nehmen.

Ich handelte nahezu allein, musste mich auf mein eigenes Urteil verlassen», so Bornstein in seiner 2015 auf Deutsch erschienenen und vom Historiker Heiko Haumann herausgegebenen Autobiografie *.

Heini Bornstein wurde 1920 in Basel geboren. Seine Eltern waren 1913 aus dem polnischen Lodz nach Basel gekommen. Sie waren Zionisten, die sich für eine jüdische Heimstätte in Palästina einsetzten. Schon als Kind war Heini Bornstein daher bei den regelmässig in Basel abgehaltenen Zionistenkongressen dabei.

Früh trat er der links-sozialistischen Jugendorganisation «Haschomer Hazair» bei, die Teil der internationalen Pionier- oder «Hechalutz»-Bewegung war. Da diese das Leben in einer landwirtschaftlichen Kollektivsiedlung – dem Kibbuz – einforderte, entschied sich Bornstein für eine landwirtschaftliche Ausbildung in der damaligen landwirtschaftlichen Schule in Liestal.

In Liestal leistete er seit 1939 seinen Aktivdienst. Noch im Militär begann Heini Bornstein mit seinen Widerstandsaktivitäten im Rahmen des «Hechalutz»: «Mir wurde zunehmend klar, dass sich in der Schweiz viele wichtige Kanäle eröffneten, die es erlaubten, den Kameraden in ihrem Kampf um das Leben der jüdischen Gemeinden und im Widerstand gegen die Nazis Hilfe und Unterstützung zukommen zu lassen», so Bornstein.

Durch ein ausgeklügeltes Netz von Kurieren wurden Geld, Lebensmittel und Medikamente in die von den Deutschen besetzten Gebieten geschmuggelt. In verschlüsselter Sprache korrespondierte Bornstein mit dortigen jüdischen Gruppen.

Aktivdienst und Rettungsaktionen

Als 1942 die Deportationen der französischen, belgischen und niederländischen Juden nach Auschwitz begannen, organisierte Heini Bornstein trotz Grenzschliessung die Flucht Hunderter Verfolgter in die Schweiz. 1944 war er an den Verhandlungen zum «Kasztner-Transport» beteiligt, mit welchem 1684 Juden aus Budapest in die Schweiz gebracht werden konnten.

Um die Menschen zu retten, brauchte es gefälschte Schweizer Pässe. Die zu deren Herstellung nötigen Dokumente seien ihm von Baselbieter und Solothurner Gemeindepräsidenten zur Verfügung gestellt worden, so Bornstein, der hier bewusst unklar bleibt.

Denn die Schweiz rehabilitierte die Fluchthelfer des Zweiten Weltkrieges erst 2004. Die Rettungsaktionen waren illegal. Was nicht heisst, dass sie nicht mit Wissen von Behörden und Parteien geschahen. So unterhielt «Hechalutz» engste Beziehung zu anderen linken Organisationen in der Schweiz. Ohne deren Mithilfe wären Unterstützungs-, Rettungs- und Hilfsaktionen kaum möglich gewesen. So etwa erwähnt Heini Bornstein in seinen Erinnerungen Verbindungen zur «Partei der Arbeit».

In engem Kontakt war er aber auch mit der SP. Besonders freundschaftliche Beziehungen und eine enge Zusammenarbeit unterhielt Heini Bornstein mit dem Basler SP-Regierungsrat Carl Miville senior.

Zusammen mit SP-Polizeidirektor Fritz Brechbühl war Miville verantwortlich für eine Basler Flüchtlingspolitik, die humaner war als diejenige von Bern, gegen die Bornstein wiederholt protestierte. Er betreute schliesslich die trotz allem von der Schweiz aufgenommenen Flüchtlinge und leistete erzieherische Arbeit in den Internierungs- und Arbeitslagern, in denen die Eidgenossenschaft die männlichen jüdischen Flüchtlinge festhielt.

Im Sinne der damaligen offiziellen Doktrin der «Transmigration» mussten die rund 22 500 Juden, die in der Schweiz Aufnahme gefunden hatten, das Land nach Kriegende wieder verlassen. Bornstein organisierte schon 1944 einen der ersten Auswanderertransporte nach Palästina.

Nach 1945 widmete Bornstein sich der Hilfe für die Überlebenden der Schoah und der Neuorganisation der zionistisch-sozialistischen Weltbewegung. Er heiratete eine seiner Kurierinnen, Chasia Bielicka, die am Getto-Aufstand in Bialystok teilgenommen hatte.

1946 wanderte das Paar nach Palästina aus, wo sie sich am Aufbau des Kibbuz Lehavot Habaschan in Galiläa beteiligten. Basel blieb Bornstein ein Leben lang verbunden. Er besuchte die Stadt regelmässig, um hier vom Widerstand zu berichten. In Lehavot Habschan ist Heini Bornstein am 15. April verstorben.

* Heini Bornstein: Von Basel bis zum Kibbuz Lehavot Habaschan (Hg: Heiko Haumann); Böhlau-Verlag, Köln 2015.