Jazzfestival Basel

Youtube-Star Adam Ben Ezra brilliert in Liestal

Adam Ben Ezra

Adam Ben Ezra

Der israelische Multi-Instrumentalist kam für ein Exklusiv-Konzert in die Region. Die Mühen im Vorfeld haben sich gelohnt.

Der Auftritt von Adam Ben Ezra im Rahmen des Jazzfestival ­Basel war als Solo-Konzert angekündigt. Doch am Mittwochabend steht der israelische Bassist nicht alleine auf der Bühne des Guggenheim in Liestal. Er hat einen Mitspieler dabei, der sich im Verlaufe des zweistündigen Auftritts mehrfach in den Vordergrund drängt: seine Spielfreude.

Er habe seit sechs Monaten nur noch für die Kamera seines Computers musiziert, erklärt der Enddreissiger. Man könne sich nicht vorstellen, welche Freude es sei, nun wieder vor richtigen Gesichtern auftreten zu dürfen, so Ezra – auch wenn es der Schutzmasken wegen nur halbe Gesichter seien.

Für diese Freude haben Ezra und das Festival-Team im Vorfeld Blut und Wasser geschwitzt. Erst Anfang Woche stand fest, dass der Musiker aus Tel Aviv aus- und in die Schweiz einreisen kann. So einen bürokratischen Aufwand habe er in seinen 45 Jahren als Veranstalter nicht erlebt, schrieb Urs Blindenbacher in seinem Newsletter: «Sisyphos lässt grüssen.»

Doch die Mühen für das Konzert haben sich gelohnt: Die 120 Gäste im ausverkauften Saal ­goutieren bereits das eröffnende «Belagusto» mit lautstarkem und lange anhaltendem Applaus. Sichtlich gerührt legt Ezra im folgenden «Hide & Seek» die Messlatte noch höher: Seine Spieltechnik ist stupend, er nutzt das volle Spektrum seines akustischen Fünf­saiters, knetet in den tiefen Lagen einen Funk-Groove, klopft einen Tabla-Beat auf dem Korpus und lässt darüber perlende Flageolett-Obertöne erklingen.

Als wäre das alles ein Kinderspiel, bedient er gleichzeitig mit den Füssen gut zwei Dutzend Taster, die dem Bass Effekte ­beimischen oder in die Endlosschlaufen seines Laptops schicken.

Instrumentalist, Sänger, Komponist – und DJ

Das Spiel mit Live-Samplern ist beileibe nicht neu. Doch im Gegensatz etwa zu seinem Schweizer Pendant Mich Gerber (ein Pionier des geloopten Kontra­basses) beharrt Ezra nicht auf dem Muster, Spuren übereinander zu schichten, sodass jede Komposition leise beginnt und laut endet.

Immer wieder schaltet er Spuren gruppenweise stumm, bringt einen Akkordwechsel ins Spiel oder ein neues Klang­element (neben Bass, Keyboard und Gesang sind das von Hand oder Fuss erzeugte Schlagzeug-­Sounds, Perkussion, Mundharmonika und Querflöte). Ezra ist auf der Bühne nicht nur Instrumentalist, Sänger, Tontechniker und Komponist – er ist auch ein DJ, der sich selber remixt.

Dass seine Stücke, auch jene mit Gesang, keine Songs im eigentlichen Sinne sind sondern zelebrierte Grooves mit wiederkehrenden Themen, ­bemerkt man erst, als Ezra das Beatles-Lied «Dear Prudence» intoniert. Hier eröffnen sich dann doch noch weitere kompositorische Ebenen.

Im zweiten Set büssen ein paar seiner Gadgets an Reiz ein, doch gelingt Ezra mit «Can’t Stop ­Running» kurz vor den Zugaben erneut ein Höhepunkt. Das Lied, das ihn zum Youtube-Star gemacht hat, ist ein Schaustück seiner Technik, kommt aber tiefenentspannt und ohne eine einzige zuviel gespielte Note daher.

Wer wissen möchte, welch exklusives Konzert – das einzige, das Ezra in Europa gibt – er oder sie verpasst hat, möge diesen Song googeln. Alle anderen dürfen sich freuen, dass Ezra nach seinem Heimflug die kommenden Wochen in Lockdown und Quarantäne verbringen muss: So hat er Zeit, vor der Kamera ein paar neue Songs aufzu­nehmen.

www.offbeat-concert.ch

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