Windenergie
Zähe Verhandlungen: Doch kein Nordsee-Strom für Basel?

Der Basler Stromversorger IWB überprüft die Beteiligung am Windpark Bard-Offshore 1 in der Nordsee. Die Verhandlungen dauern bereits zwei Jahre an.

Nadine Böni
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Der Bau des Grosswindkraftwerks Bard-Offshore 1 verzögert sich – die IWB überlegen sich ihre Beteiligung daran noch einmal.

Der Bau des Grosswindkraftwerks Bard-Offshore 1 verzögert sich – die IWB überlegen sich ihre Beteiligung daran noch einmal.

zvg

Zwei Jahre dauern die Verhandlungen mittlerweile, ein Ende ist noch nicht in Sicht. 2010 war es, als die Basler Regierung grünes Licht für die Beteiligung der Industriellen Werke Basel (IWB) am Grosswindkraftwerk Bard-Offshore 1 in der Nordsee gab. 43 Millionen Franken wollten die IWB investieren und dafür Zugang zu einem Energiepotenzial in der Grössenordnung von 95 Gigawattstunden erhalten. Damit könnte der Jahresverbrauch von rund 24000 Haushaltungen abgedeckt werden.

Kosten höher als angenommen

Ob es je so weit kommen wird, ist allerdings offen. Denn: «Wir überprüfen unsere Beteiligung am Windpark tatsächlich», sagt IWB-Sprecher Erik Rummer und bestätigt damit eine Meldung des Nachrichtenportals «OnlineReports». Gründe für die langwierigen Vertragsverhandlungen gibt es viele. Die Windparks auf See haben sich als technisch anspruchsvoller herausgestellt als ursprünglich gedacht. Schlechte Witterungsbedingungen, lange Genehmigungsprozesse, komplizierte Bauarbeiten sowie die Finanzkrise verzögern die Arbeit am Windpark. Laut deutschen Medienberichten werden die Kosten inzwischen auf rund das Doppelte der ursprünglich angenommenen 1,5 Milliarden beziffert.

«Wir wussten von Anfang an, dass die Verhandlungen lange dauern können. Die Wirtschaftlichkeit hat oberste Priorität, daher steigen wir nirgends leichtsinnig ein», sagt Erik Rummer. In welche Richtung die Verhandlungen momentan laufen, will Rummer nicht sagen. Sie seien weder gescheitert noch erfolgreich. Wie lange noch verhandelt wird, ist ebenfalls unklar.

Die Verzögerungen auf der Nordsee hätten keine dramatischen Auswirkungen auf die IWB. Die Offshore-Strategie ist nicht das einzige Standbein des Stromversorgers. Erst im vergangenen Jahr hatten die IWB Windparks in Nord- und Zentralfrankreich erworben und in Spanien Solarenergie-Projekte realisiert. Diese will Rummer keinesfalls als Ersatz zum Windpark in der Nordsee verstanden wissen: «Schon vor zwei Jahren war klar, dass parallel zum Windpark weitere Projekte laufen würden.»

Energiewende nur mit Europa

Erst vergangene Woche hatte Erik Rummer im Zusammenhang mit dem Chrischona-Projekt (bz vom 9.Mai) gesagt, die IWB wollen als Kantonsversorger auch nah am Kanton produzieren. Diese Aussage sei «völlig unabhängig» vom Nordsee-Projekt, sagt Rummer. Eine Tendenz hin zu mehr Projekten in der Schweiz gäbe es nicht.

«Wir sind nach wie vor auf dem Standpunkt, dass die Energiewende nur im Zusammenspiel mit ganz Europa zu schaffen ist», fügt Rummer an. Welche Rolle der Windpark in der Nordsee dabei spielt, lässt er offen.