Zahlen aus Basel
Die Suchthilfe begegnete den Süchtigen wegen Coronapandemie auf der Strasse

Im zwölften Monitoringbericht Sucht des Kantons Basel-Stadt zeigt sich, dass während der Coronapandemie deutlich mehr Menschen eine Suchtberatung aufsuchten.

Silvana Schreier, Helena Krauser
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Alkoholkonsum war 2020 der häufigste Grund für ein Beratungsgespräch bei der Suchthilfe Basel-Stadt.

Alkoholkonsum war 2020 der häufigste Grund für ein Beratungsgespräch bei der Suchthilfe Basel-Stadt.

Symbolbild: bz-Archiv

Während der Coronapandemie waren etliche Treffpunkte, Tageseinrichtungen sowie Kontakt- und Anlaufstellen geschlossen oder nur bedingt geöffnet. Viele suchtmittelabhängige Menschen hielten sich darum gezwungenermassen auf öffentlichen Plätzen auf. In derselben Zeit stellte die Basler Suchthilfe eine Zunahme der Kontakte bei Institutionen fest, die die Menschen im öffentlichen Raum aufsuchen. Das geht aus dem zwölften Monitoringbericht Sucht des Kantons Basel-Stadt hervor.

Von 6030 Kontakten im Vorjahr stieg die Zahl auf 8389 im 2020. Der Kanton schreibt:

«Diese hohe Anzahl hängt vermutlich vor allem mit den genannten Einschränkungen der Angebote niederschwelliger Anlaufstellen für sozial benachteiligte Menschen zusammen.»

Fachteam war auf den Strassen unterwegs

Regine Steinauer, Leiterin der Abteilung Sucht.

Regine Steinauer, Leiterin der Abteilung Sucht.

zvg

Regine Steinauer leitet die Abteilung Sucht beim Kanton Basel-Stadt. Sie antwortet auf eine Anfrage der bz, ein Fachteam des Gesundheitsdepartements suche den Kontakt zu Menschen mit Suchtmittelabhängigkeit. Dies nenne sich aufsuchende Sozialarbeit, so Steinauer. «Die Mittler führen Kurzberatungen durch, vermitteln Informationen und den Kontakt zu Fachstellen bei sozialen oder gesundheitlichen Problemen.» Das Team sei zudem Ansprechpartner für Anwohnende oder Dritte wie Arbeitgebende oder Schulen.

Die Coronapandemie muss für Süchtige besonders schwierig gewesen sein. Laut Steinauer mussten etliche niederschwellige Treffpunkte und Kontaktstellen den Einlass einschränken und die Öffnungszeiten reduzieren. Hinzu kam die Homeoffice-Weisung des Bundes: Dadurch stellten Suchtberatungsstellen und Substitutionsbehandlungen sowie soziale Einrichtungen um auf telefonische Kontakte. Steinauer:

«So waren nicht mehr alle bisherigen Bezugs- und Fachpersonen für die Klientel gut erreichbar. In der Summe haben diese Faktoren wahrscheinlich dazu geführt, dass sich die Personen vermehrt zu Hause oder eben im öffentlichen Raum aufhielten.»

Mehr Neuzugänge bei Suchtberatung

Die Coronapandemie hatte zudem Einfluss auf die ambulante Suchtberatungsstelle im Kanton. Sowohl bei der Anzahl Anfragen für Beratungen in den verschiedenen Suchtfachstellen als auch bei den Besucherzahlen in Einrichtungen der Schadensminderung ist laut dem Bericht eine Zunahme festzustellen.

So wurden 2020 rund 2500 Beratungen durchgeführt. Das sind knapp 150 mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig stieg die Zahl der Neuzugänge um 8 Prozent an, heisst es im Bericht. Insbesondere bei den telefonischen Beratungen wurde ein deutlicher Anstieg bemerkt. Besonders oft wurde der problematische Alkoholkonsum, gefolgt von Cannabis und Kokain, in den Beratungsgesprächen erwähnt. Daneben suchten Menschen Hilfe, die unter Glücksspielsucht und Onlinesucht leiden.

Suchthilfe plant Umfrage, um Auswirkungen zu erkennen

Der Suchthilfe-Bericht warnt denn auch:

«Die Coronapandemie schafft neue Gruppen von Konsumierenden, die einen problematischen Alkoholkonsum riskieren, unter anderem beim Personal im Gesundheitssektor, im Verkauf und im Transportwesen.»

Bereits jetzt werde eine Zunahme der konsumierten Menge von Alkohol und Tabak in der Bevölkerung beobachtet. Laut Bericht rechnet man damit, dass sich die Auswirkungen erst zeitlich verzögert im ganzen Umfang zeigen werden. Mit einer Umfrage bei Klientinnen und Klienten sowie in den Institutionen zum Thema «Covid-19 und Sucht» will die Suchthilfe mögliche Tendenzen und Auswirkungen frühzeitig erkennen können.

Der 12. Monitoringbericht der Basler Suchthilfe ist hier zu finden: www.sucht.bs.ch.