Eröffnung
Zuerst erschlagen, dann erleuchtet

Am Dreispitz in Münchenstein hat das neue Begehlager des Sportmuseums Schweiz ab sofort seine Türen für alle Interessierten geöffnet.

Sebastian Wendel
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Auf den ersten Augenblick wirken die über 150 000 Objekte im Sportmuseum belanglos. Graue Rennschlitten, brüchige Holzskier, vergilbte Pokale oder abgewetzte Kegel stehen zu Hunderten im neuen Begehlager.

Schaut der Besucher aber genauer hin, öffnet sich hinter jedem Gegenstand die Tür zu einer spannenden Geschichte. Zum Beispiel, dass der erste steuerbare Bob von britischen Feriengästen in St. Moritz entwickelt und auch getestet wurde. Oder wem ist bekannt, dass man sich auf einem alten Hometrainer eher auf einem Pferdesattel denn auf einem Velo wähnt?

Ein markierter Rundgang führt zu den einzelnen Schätzen. Dabei wird man von der grossen Menge an Sportgeräten fast erschlagen. Ein Kritikpunkt, den Museumssprecher Claudio Miozzari versteht, aber am Beispiel der Skier auch erklären kann: «Wir haben die Ausstellung bewusst nicht im klassischen Museumsstil mit Holzkubus und Glasvitrinen, sondern im Lagerhallenstil gestaltet. Der Besucher erfährt so die Entwicklungsschritte vom ersten Holzski bis hin zu den heutigen Hightech-Brettern aus Kunststoff.»

Spormuseum Basel
3 Bilder
Claudio Miozzari zeigt das Paddel vom Ruderclub, der den FCB gegründet hat und ihm «Rotblau» gegeben hat
Claudio Miozzari zeigt das Paddel vom Ruderclub, der den FCB gegründet hat und ihm «Rotblau» gegeben hat

Spormuseum Basel

Nicole Nars-Zimmer

Im Regal entdeckt man auch die Skier des letzten Basler Bundesrats Hans-Peter Tschudi - eine Schenkung, wie ein Grossteil der Ausstellungsobjekte. «Unser Budget erlaubt uns noch nicht den Ankauf von besonders teuren Stücken. Vieles sind Stücke aus dem Nachlass von Sportlern. Aber auch aktuelle Ware wie unterschriebene Fussballtrikots sind dabei», sagt Miozzari.
Im Sportmuseum stehen nicht nur die Arbeitsgeräte berühmter Sportler. Genauso viel Wert wird auf den Breitensport gelegt. «Dort werden - leider oft unbemerkt - die schönsten Geschichten im Sport geschrieben.» Miozzari sagts und zeigt dabei auf die Kanusammlung.

48-Stunden-Marathon

Zum Start bleiben die Türen des neuen Begehlagers seit gestern Abend 48 Stunden geöffnet. Die lokale und nationale Sportprominenz - darunter FCB-Legende Karl Odermatt, Alt-Bundesrat Adolf Ogi oder Skilegende Marie-Theres Nadig - gibt sich während zweier Tage die Klinke in die Hand und übergibt dem Museum persönliche Erinnerungsstücke.