Rücktrittsandrohungen
Zullwil droht erneut die Zwangsverwaltung

Als drei Mitglieder Exekutive zurückgetreten waren, musste die Gemeinde Zullwil vom Kanton Solothurn zwangsverwaltet werden. Nun rumort es im Gemeinderat schon wieder. Rücktrittsandrohungen machen die Runde. Zullwil droht erneut die Zwangsverwaltung.

Meret Rieger
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In Zullwil machen Rücktrittsdrohungen die Runde.

In Zullwil machen Rücktrittsdrohungen die Runde.

Kenneth Nars

Vor zwei Jahren vernahm man aussergewöhnliche Nachrichten aus dem Schwarzbubenland: Die Gemeinde Zullwil musste vom Kanton Solothurn zwangsverwaltet werden. Drei Mitglieder der fünfköpfigen Exekutive waren aufgrund von Auseinandersetzungen mit dem damaligen Gemeindepräsidenten Roger P. Hänggi (SVP) zurückgetreten. Der Gemeinderat des 680-Einwohner-Dorfs verlor seine Handlungsfähigkeit.

Mittlerweile haben Neuwahlen stattgefunden und der Sachwalter konnte die beschauliche Thiersteiner Ortschaft wieder verlassen. Doch nun kommen in Zullwil ungute Erinnerungen hoch: Innert kurzer Zeit sind wieder zwei Gemeinderäte zurückgetreten. Damit ist der Gemeinderat zwar noch handlungsfähig. Sollte jedoch ein weiteres Mitglied demissionieren, müsste der Kanton ein zweites Mal einschreiten.

Weiterer Rücktritt vergangene Woche

Von den einst verbliebenen zwei Gemeinderäten ist nur noch Sandra Christ-Helfenfinger (Gemeinsame Liste) im Amt. Sie amtet heute als Gemeindepräsidentin. Momentan wird sie nur von zwei weiteren Gemeinderäten unterstützt, die beide erst im 2019 gewählt wurden: Daniela Fontana (Freie Liste) und Lukas Vögtlin (CVP). Noch Anfang Jahr waren Christoph Krebs (FDP) und Pascal Helfenfinger (FDP) auch Mitglieder des Gemeinderats. Letzterer verliess die Exekutive jedoch vor einigen Monaten aus zeitlichen Gründen. Er habe eine Weiterbildung angetreten, erklärt er. Vergangene Woche trat nun auch Christoph Krebs zurück. Grund dafür waren, gemäss Aussagen Beteiligter, interne Konflikte. Weder Krebs noch Gemeinderätin Daniela Fontana wollen dazu Stellung nehmen. Krebs bestreitet am Telefon sogar, je Zullwiler Gemeinderat gewesen zu sein.

Roland Häner, Mitgründer des Komitees Pro Zullwil, ehemaliger Gemeinderat und Präsident der FDP Zullwil, bestätigt den sehr abrupten Austritt von Christoph Krebs, will zu den Gründen aber nichts sagen. Auch Gemeindepräsidentin Sandra Christ-Helfenfinger räumt die Unvermitteltheit des Abgangs ein, schweigt sich zu den Gründen jedoch ebenfalls aus. Für Krebs wird Christine Helfenfinger nachrücken. Sie bestätigt, dass «sie nach reiflicher Überlegung und in Rücksprache mit ihrer Familie entschieden hat, das Amt anzunehmen». Da Christine Helfenfinger bereits seit über 50 Jahren in Zullwil wohnt und schon diverse politische Ämter innehatte, ist sie zuversichtlich, dieser neuen Aufgabe gewachsen zu sein.

Gemeindepräsidentin will «keine Schlammschlacht»

Nachdem die nachrückende Helfenfinger am Montag ihr Amt annahm, erreichte sie, nach eigener Aussage, am Dienstag ein Anruf des Solothurner Amtes für Gemeinden. Man teilte ihr mit, dass im Falle der Amtsannahme zwei Gemeinderäte zurückträten und Zullwil dadurch erneut in die Zwangsverwaltung gelange. Reto Bähler, Leiter der Solothurner Gemeindeorganisation, beruft sich auf Anfrage auf das Amtsgeheimnis und verweigert eine Aussage.

Gemeindepräsidentin Sandra Christ-Helfenfinger zeigt sich verblüfft über die Anschuldigungen. Sie sagt, sie «möchte keine Schlammschlacht». Die Frage, ob die Rücktrittsandrohung bei einem Nachrücken von Christine Helfenfinger umgesetzt würde, möchte die Gemeindepräsidentin auch nach mehrmaliger Nachfrage nicht kommentieren. Sie versichert jedoch telefonisch, nicht zurückzutreten. «Die ganze Sache ist noch frisch», kommentiert FDP-Präsident Roland Häner die Rücktrittsandrohungen. Sie seien dabei, die Situation zu klären.