Regierungskandidat

Daniel Münger: Einer von altem Schrot und Korn

«Mit Humor kommt man in der Politik einfacher zu Lösungen»: Daniel Münger vor dem Regierungsgebäude.

«Mit Humor kommt man in der Politik einfacher zu Lösungen»: Daniel Münger vor dem Regierungsgebäude.

Weshalb der Münchensteiner SP-Mann Daniel Münger wohl die erste Frau in der Baselbieter Regierung verhindern wird.

Noch nie war die SP mit einer Frau in der Baselbieter Regierung vertreten. Das fuchst einige Sozialdemokraten – zumal die bürgerliche Konkurrenz von FDP und CVP vorgelegt hat. Trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass die Baselbieter SP auch nach den Wahlen vom 8. Februar 2015 mit einem Mann in der fünfköpfigen Exekutive vertreten sein wird. Und dieser Mann wird vermutlich Daniel Münger heissen.

«Stallgeruch» ist zentral

Der 53-jährige Münchensteiner bewirbt sich in der internen Ausmarchung der SP Baselland neben der Liestaler Stadträtin Regula Nebiker und dem Therwiler Landrat Christoph Hänggi um die Nachfolge des zurücktretenden Bildungsdirektors Urs Wüthrich (siehe Kasten rechts). Als einzige kandidierende Frau hat Nebiker zumindest die Kandidatur praktisch auf sicher. Daneben spricht aber vieles dafür, dass sich Münger gegen Hänggi durchsetzen wird. Münger ist einer der profiliertesten und erfahrensten aktiven Politiker der Baselbieter SP. Vor seinem Rücktritt im vergangenen Jahr hat er zwölf Jahre im Landrat politisiert und von 2006 bis 2010 die SP-Fraktion als Präsident geführt.

Münger ist ein Sozialdemokrat von altem Schrot und Korn. Kein verkopfter Akademiker, wie sie in der SP immer häufiger anzutreffen sind, sondern ein pragmatischer Handwerker. «Er weiss, dass er die Nägel mitnehmen muss, wenn er die Leiter hochgeht», sagte der Sissacher SP-Kollege Stefan Zemp kürzlich über Münger. Und er ist einer mit Stallgeruch. Diesen müsse mitbringen, wer in der SP für ein höheres Amt kandidiere, sagt Münger. «Wer an einer SP-Versammlung die Delegierten siezt, hat bereits verloren.» Um Missverständnissen vorzubeugen, fügt er an: «Den Stallgeruch haben alle Drei, die sich nun zur Verfügung stellen.»

Münger ist ein Arbeitnehmervertreter, wie er im Buche steht. Der gelernte Metallbauschlosser und Fernmeldespezialist hatte in den letzten 25 Jahren wohl sämtliche Funktionen inne, die es im Umfeld der Gewerkschaften überhaupt gibt. Er war geschäftsführender Vizepräsident der PTT-Union, später Gewerkschaftssekretär des (heute nicht mehr existierenden) Metall- und Uhrenarbeiterverbandes SMUV, Verantwortlicher Chemie bei der Gewerkschaft Bau und Industrie, Präsident des Gewerkschaftsbunds Baselland. Die Liste liesse sich fortsetzen. Aktuell ist Münger als Zentralsekretär der Kommunikationsgewerkschaft Syndicom tätig, daneben amtet er als Präsident der Zentralen Paritätischen Kommission, welche die Einhaltung der arbeitsrechtlichen Bestimmungen im Baselbiet überwacht.

Münger, der Allianzen-Schmied

In dieser und anderen Funktionen arbeitete er Seite an Seite mit Wirtschaftsvertretern. Münger sieht darin keine Probleme. Auch im Baselbieter Parlament spannte er etliche Male mit Bürgerlichen zusammen, wenn dies den Interessen der Arbeitnehmenden diente. Gemeinsam mit Wirtschaftskammer-Direktor Christoph Buser (FDP) forderte er etwa den Kanton zum verstärkten Kampf gegen die Schwarzarbeit auf. «Wir setzen uns für dasselbe Ziel ein, dies aber aus unterschiedlichen Motiven. Die Wirtschaft, um gleich lange Spiesse herzustellen, wir, um den Arbeitnehmenden gerechte Löhne zu gewährleisten.»

Müngers tägliches Brot als Gewerkschafter besteht darin, Gesamtarbeitsverträge auszuhandeln und um Arbeitsbedingungen zu feilschen. Wie er das tut? Unzimperlich, aber kollegial. «Ich weiss, wie man Mehrheiten bildet», sagt er. Gelernt habe er dies vom ehemaligen Münchensteiner SP-Landrat und Vorgänger Bruno Krähenbühl, seinem politischen Ziehvater. Münger hat auch eine Ziehmutter. SP-Landrätin Hanni Huggel habe ihm in sozialen Fragen viel mit auf den Weg gegeben. Und dann ist da Christiane Brunner, ehemalige Genfer SP-Ständerätin, gescheiterte Bundesratskandidatin – und Müngers erste Chefin bei der Gewerkschaft: «Von ihr habe ich gelernt, zu diskutieren und mit Argumenten zu überzeugen.»

Ziehvater Krähenbühl bestätigt diesen Eindruck. «Daniel Münger kann über Parteigrenzen hinaus Allianzen schmieden.» Er verfüge sowohl über Verhandlungsgeschick als auch über Konsensfähigkeit – beides zentrale Eigenschaften für einen Regierungsrat, lobt Krähenbühl. Münger selber sieht es so: «Wer in der Schweiz politisch weiter kommen will, muss konsensfähig sein. Unser System lässt gar nichts anderes zu.» Der Sozialdemokrat wäre selber nach einer Wahl Teil einer bürgerlich dominierten Exekutive in einem klar bürgerlich geprägten Kanton.

«Er kann schon mal poltern»

Würde Münger im kommenden Februar in die Baselbieter Regierung gewählt, so will er entschieden die Probleme des Kantons anpacken. Er, der sich in den zwölf Jahren als Landrat immer wieder überlegt hat, was er als Regierungsrat anders machen würde. «Ein Regierungsrat darf keine Angst vor Entscheiden haben». Der Gestaltungsspielraum sei gross – es gelte, diesen auszunutzen. Da kommt er wieder zum Vorschein, der munter zupackende Handwerker.

Im Regierungsamt wären für Münger zwei Tugenden von Vorteil, die ihm im Elternhaus vorgelebt wurden: Improvisationstalent und eine positive Grundeinstellung. Müngers Mutter stammt aus dem Friaul, und auch heute hört man ihn am Telefon oft Italienisch reden – wenn er zum Beispiel mit seiner Ehefrau, einer gebürtigen Römerin, kabelt. Italienisch ist Müngers Muttersprache und eine gewisse Italianità Teil seiner Persönlichkeit. Zeitweise hätten in der Familie vier Generationen unter demselben Dach gelebt. Das gebe Kitt und vermittle soziale Kompetenzen. Münger ist ein Mensch, den man sofort spürt: «Er kann schon mal poltern, wenn es nötig ist», sagt dazu Bruno Krähenbühl. Doch ist Münger ohne Zweifel auch eine Frohnatur. Neben dem knallharten Feilschen und Argumentieren sah man ihn im Vorzimmer des Landrates oft auch Scherzen und Sprüche klopfen. «Lachen ist ein Zeichen von Offenheit. Mit Humor kommt man auch in der Politik einfacher zu Lösungen.»

Gegen höhere Steuern

Spass und Lebensfreude werden denn auch nötig sein, um die grossen Probleme des Landkantons zu meistern. Der Zuversicht versprühende Münger wird doch einen Moment lang nachdenklich: «Wir haben im Baselbiet das Kunststück geschafft, in wirtschaftlich guten Zeiten in ein Defizit reinzuschlittern.» Es sei ein Fehler gewesen, auf den Zug des Steuerwettbewerbs zwischen den Kantonen aufzuspringen und ohne Not Steuergeschenke zu verteilen. Es wäre besser gewesen, den Kanton auf gesündere Beine zu stellen, findet Münger.

Sollen nun also die Steuersätze, zum Beispiel jene für Unternehmen, angehoben werden, um den in Schieflage geratenen Staatshaushalt zu sanieren? Davon will der Sozialdemokrat überraschenderweise nichts wissen: «Das wäre zum jetzigen Zeitpunkt fatal», ist der Wirtschaftspolitiker überzeugt. Es würde nämlich die Bemühungen der Wirtschaftsoffensive zur Ansiedlung neuer Unternehmen torpedieren. Da ist er wieder, der Gewerkschafter mit Sinn für die Realpolitik.

Münger, der Frauenverhinderer?

Für die SP ist der 53-Jährige so gesehen der ideale Regierungskandidat. Von den drei Nominierten weist er wohl das grösste Stimmenpotenzial ausserhalb der Stammwählerschaft auf. Ein Stolperstein liegt dennoch im Weg: Münger könnte als jener wahrgenommen werden, der die erste SP-Frau in der Baselbieter Regierung verhindert. «Also da gab es vor mir andere», sagt Münger halb im Scherz, fügt dann im Ernst an: Über alles gesehen sei die SP jene Partei mit der besten Frauenförderung, mit 42 Prozent der Frauenanteil im Landrat überdurchschnittlich hoch. Mit Susanne Leutenegger Oberholzer verfüge die Baselbieter SP über eine der profiliertesten Politikerinnen in Bundesbern überhaupt. Die SP dürfe sich daher nicht auf die Geschlechterfrage reduzieren lassen: «Dass es bisher keine Baselbieter SP-Regierungsrätin gegeben hat, ist nichts anderes als ein unschöner Zufall», stellt Münger klar. Ein unschöner Zufall, der noch Jahre Bestand haben könnte.

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