Laupersdorf

15. Fiescher Alphornwoche unter Laupersdörfer Leitung von Erfolg gekrönt

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Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 15. Fiescher Alphornwoche

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 15. Fiescher Alphornwoche

pl - Vom 28. September bis 5. Oktober 2019 fand im Sport Resort Fiesch die 15. Ausgabe der Fiescher Alp­hornwoche statt. Nahezu 50 Alphornbläserinnen und -bläser aus der ganzen Schweiz, sowie aus Deutschland, Frankreich und Dänemark liessen sich von erfahrenen Kursleitern, ihrem jeweiligen Niveau entsprechend, aus- und weiterbilden. Wie in den bisherigen Kursen, galt der Pflege der Kameradschaft auch dieses Mal ein besonderes Augenmerk. Die Kurswoche stand unter dem vom musikalischen Gesamtleiter, Peter Baumann aus Laupersdorf SO, herausgegebenen Motto: «Nicht einfach Noten blasen, sondern eine Melodie gestalten». Mehrere Konzerte in der Aletscharena, sowie im Musikdorf Ernen, zählten zu den Höhepunkten der äusserst erfolgreichen Weiterbildungswoche, an der erstmals die Frauen in der Überzahl waren.

Der Kurs begann am Samstagnachmittag mit einer Begrüssungs- und Informations-veranstaltung, welche durch den Organisator Walter Diem und den musikalischen Gesamtleiter Peter Baumann bestritten wurde. Nach einem ersten Rundgang durchs Sport Resort traf man sich zum Welcome-Apéro und lernte sich beim gemütlichen Get-together kennen.

Der Sonntag begann, wie alle darauffolgenden Tage mit einer Gesangssequenz, die jeweils gut 1 Stunde dauerte. Wie allgemein bekannt, bildet die menschliche Stimme und eine ausgebildete Atem- und Gesangstechnik auch beim Alphornblasen die Basis des erfolgreichen Melodiegestaltens. Die dafür notwendigen Techniken, verbunden mit diversen Rhythmusübungen wurden vom französischen Gesangsleiter aus Annecy, Robert Scotton, in humorvoller – aber sehr professioneller – Art und Weise derart charmant vermittelt, dass die Teilnehmer schon nach vier Tagen, anlässlich des öffentlichen Konzertes vom Donnerstagabend in der Kirche von Ernen, in der Lage waren, einen vierstimmigen Choral überzeugend darzubieten. Als begnadeter Alphornbläser und ausgebildeter Musikpädagoge weiss Robert Scotton worauf es beim «Melodie gestalten» ankommt. Nach dem täglichen Einsingen teilte sich der Kurs jeweils in mehrere Kleingruppen von drei bis vier 'Alphornschülern', welche sich dann auf die gesamte Anlage des Sport Resorts verteilten und so an verschiedenen lauschigen Plätzchen ungestört den Vorgaben ihres Kursleiters folgen konnten.

Infolge ungünstiger Wettervorhersage wurde der Ausflugstag auf Dienstag vorverschoben. Das OK wurde in seinem Entscheid insofern bestätigt, als sich der Oberwalliser «Indian Summer» an diesem Tag von seiner besten Seite präsentierte. Vor dem Mittagessen trafen sich alle Teilnehmenden auf der Fiescheralp, wo Peter Baumann erstmals mit allen Alphornbläserinnen und -bläsern eine Kostprobe des bisher Gelernten gab. Eine zufällig zusammengefundene Zuhörerschar, mehrheitlich bestehend aus wandernden Touristen, erfreute sich an den Klängen der Vortragsstücke «Westschweizer-Choral» (Lukas Schmid), «Us em Bärnbiet» (H.-J. Sommer) und Johann Areggers Alphornklassiker «Uf dr Bänklialp». Anschliessend waren die Kursteilnehmer frei, das Wandern und Sein zu geniessen, was die meisten Teilnehmenden dazu benützten, eine der schönsten Schweizer Aussichtsplattformen, das Eggishorn, zu besuchen. Peter Baumann liess es sich während der Gondelbahnfahrt nicht nehmen, sein Alphorn auszupacken, dieses quer über die Köpfe aller Mitfahrenden zu legen und sein Arrangement des bekannten traditionellen Werkes «Lè-j'armalyi di Colonbètè» zum Besten zu geben. Diese musikalische Überraschung zauberte manch erstauntes Lächeln auf holländische und japanische Gesichter.

Zum täglichen Standardprogramm gehörte auch das Musizieren in der Grossformation, wo intensiv an den vorgesehenen Konzertstücken geschliffen wurde. Dabei wurde der Artikulation und der Agogik besonders viel Beachtung geschenkt. Peter Baumann, der Meister seines Fachs schlechthin, wurde dabei von der bekannten Alphorn- und Büchel-Koryphäe, Dölf Zobrist aus Brienz, unterstützt.

An den Nachmittagen blieb genügend Zeit, um die Oberwalliser Gemeinde Fiesch zu erkunden, sich zurückzuziehen, um selbständig das Alphornspielen zu verbessern oder an interessanten Vorträgen bei Peter Baumann teilzunehmen. In diesen Theorie-Lektionen wurden folgende Themen behandelt: Notenlesen, Elementare Theorie (Geschichte des Alphorns und seine Entwicklung) und Organisation von Alphorngruppen. Die von Peter Baumann geschriebene Alphorntheorie (www.alphornpuma.ch) fand bei den Teilnehmenden grossen Anklang. Zudem konnte man in den willkommenen Pausen beim Kurskameraden Hans Aebi dessen neuste - dank Schweizer Präzisionsarbeit - qualitativ hochstehende Alphörner bewundern und gleich vor Ort ausprobieren: www.aebialphorn.ch.

Das kulinarische Wochen-Highlight bildete das gemeinsame Nachtessen am Mittwochabend im Hotel Castle in Blitzingen, wo der 16-Punkte-Koch, Peter Gschwendtner, mit einem lokalen Wildgericht die Alphorngesellschaft verwöhnte.

Die beiden musikalischen Höhepunkte erlebten die Kursteilnehmenden am Donnerstagabend anlässlich eines Platzkonzertes auf dem mittelalterlichen Dorfplatz und bei einem Galakonzert in der imposanten Kirche von Ernen. Die zahlreich anwesenden Zuschauer erfreuten sich an den seelenberührenden Alphornklängen, sind erstere doch, dank des alljährlich im Sommer stattfindenden Musikfestivals, eher an klassische Werke gewöhnt. Das abwechslungsreiche Konzertprogramm bot alles, was die Alphornmusik zu bieten hat, seien dies traditionelle Stücke oder moderne Werke, die höchste Anforderungen an die Musiker stellen. Ganz besondere Leckerbissen boten die Darbietungen mit Alphörnern unterschiedlicher Tonalität, welche von allen Kursleitern zusammen gemeinsam vorgetragen wurden. Aber auch die mit einem Büchel gespielten Melodie-Kapriolen waren ein besonderer Genuss. Gespannt waren alle auf das von Andrea Csollany komponierte Chorwerk «Messe für 5 Alphörner und vierstimmigen Chor», welches vom Gesangleiter der Fiescher Alphornwoche, Robert Scotton, während der Woche einstudiert und am Konzert dirigiert wurde. Alle Musizierenden empfanden pure Glückseligkeit beim Mitsingen dieses mächtigen Chorals, kommt es doch nicht alle Tage vor, dass Alphörner, zusammen mit einem vierstimmigen Chor, klassische Musik spielen. Die spezielle Harmonie, die diese herausforderungsreiche Messe dank dem Zusammenspiel von Gesang und Alphorn zu bieten hat, ist von einmaliger Schönheit. Sie kann sich nur vollständig entfalten, wenn alle Musizierenden ihr Bestes geben, ja über sich hinauswachsen. Gerne erinnert man sich an dieser Stelle an Yoko Onos’ Worte: «Ein Traum, den man alleine träumt, ist nur ein Traum. Ein Traum, den man gemeinsam träumt, wird Wirklichkeit».

Am Freitag, dem letzten Kurstag, wurde dann noch die Fiescher Bevölkerung mit verschiedenen Alphornkonzerten auf verschiedenen Plätzen überrascht. Viele von ihnen waren der Meinung, dass die Fiescher Alphornwoche zu den besonders schönen Momenten im Tal zählt, da man während der ganzen Woche die wohltuenden Alphornklänge aus Richtung Sport Resort hören und geniessen kann.

Einmal mehr darf auch der musikalische Gesamtleiter, Peter Baumann aus Laupersdorf, die intensive Alphornwoche äusserst positiv bilanzieren: «Die wunderbare Kameradschaft aller Teilnehmenden bildete während der ganzen Woche eine hervorragende Basis für das sehr anspruchsvolle Wirken der 10 Kursleiter, welche die Teilnehmenden auf hohem Niveau gefordert und gefördert haben. Viele Denk- und Arbeits-Anstösse wurden vermittelt, so dass die Empfänger noch lange und nachhaltig davon werden profitieren können. Das ist eben die sprichwörtliche und ungebrochene Qualität der Fiescher Alphornwoche!!!»

Alle, Kursleitende und Teilnehmende, freuen sich schon heute auf die nächste Fiescher Alphornwoche in drei Jahren und haben den betreffenden Termin (1. bis 8. Oktober 2022) fett in ihre Agenda eingetragen.

Fiesch, 8. Oktober 2019/pl

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