Mit grosser Spannung erwartete das Publikum am Samstag, dem 15. Juni 2019 in der Stadtkirche Aarau die ersten Töne des Konzerts des Kammerchors Aarau mit dem ASTOR Aarauer Studentenorchester. Was kam da dem Publikum als erstes Werk des unter dem Titel „Schicksal“ zusammengestellten Konzertprogramms entgegen? Igor Strawinsky, seine Musik beileibe nicht eben romantische Assoziationen weckend, eröffnete mit seinem „Exaudi orationem meam“ aus der Psalmensinfonie das Konzertprogramm, welches die Zuhörer auf eine hochromantische und zugleich archaische Odyssee“ mitzunehmen versprach. Doch zeigte sich gleich, dass sich das Werk sowohl in textlicher als auch musikalischer Hinsicht gut mit den folgenden Programmpunkten (Brahms, Larsson, Beethoven) verband. Johannes Brahms war mit zwei Kompositionen im Programm vertreten, mit dem „Schicksallied“, das dem Konzert den Titel gab und dem „Gesang der Parzen“ als Abschluss. Beide beinhalten die Schicksalsvorstellungen des antiken Griechenlands. Mit besonderer Neugier durfte man das Hauptwerk des Abends, das Chor-Orchesterwerk des zeitgenössischen schwedischen Komponisten Lars-Erik Larsson ((1908-1986), mit dem Titel „Förklädd Gud“ („God in Disguise“), erwarten. Im Zusammenspiel zwischen Chor, Orchester und Soli, verbreiteten sich schon in den ersten Takten hochromantische Klänge über das Publikum. Schliesslich fügte sich auch die „Egmont-Ouvertüre“ des Klassikers Beethoven bündig in das programmatische, „schicksalshafte“ Konzept ein, er, dessen Musik der Romantik den Weg bereitete.

Harmonisches Zusammenspiel von Chor und Orchester

Das Programm bedeutete für die Ausführenden eine beachtliche Herausforderung. Die 60 Sängerinnen und Sänger des Chors und die 30 Musikerinnen und Musiker des Orchesters ASTOR bewältigten diese Aufgabe mit grosser Souveränität und grossem musikalischen Können. Wahrnehmbar und jederzeit spürbar war die Begeisterung am Musizieren und das ausgewogene Zusammenspiel zwischen Chor und Orchester, ausgelöst und angestachelt durch die aufmerksame, korrekte und präzise Stabführung des jungen Dirigenten Ramin Abbassi. Erstaunlich, wie es ihm gelingt, die Präsenz der Ausführenden einzufordern - mit einladendem Charme und stupender Souplesse. Gewiss eine Entdeckung für das anwesende Publikum waren auch die „einheimischen“ Soli Anne Auderset, Sopran und Andreas Schib, Bariton. Sie hatten die Gelegenheit als Soli im Werk von Lars-Erik Larsson zu brillieren - und dies gelang ihnen auch. Sie wussten sowohl als Einzelstimmen wie auch im Zusammenspiel sehr zu gefallen. Das Orchester bewies unter anderem in der „Egmont-Ouvertüre“ seine hohe Präsenz, Frische und klangliche Vielfalt und Dynamik. In dieser Zusammensetzung der Mitwirkenden möchte man gerne wieder einmal ein Konzert in Aarau besuchen.

Die zahlreichen Konzertbesucherinnen und Konzertbesucher bedankten sich für die Darbietung mit lang anhaltendem Applaus.

Viktor Schmid, Küttigen