Zeit ist ein kostbares Gut. Seit eineinhalb Jahren engagiert sich eine motivierte Kerngruppe für den Ausbau einer zukunftsorientierten Zeittausch-Genossenschaft: KISS Reusstal-Mutschellen. KISS stärkt den Zusammenhalt in der Gesellschaft und leistet Nachbarschaftshilfe für ein tragfähiges regionales Netz. Das KISS-Modell funktioniert auf einfachste Art und Weise. Freiwillige jeden Alters verschenken Zeit, indem sie Personen in ihrer Nachbarschaft unterstützen. Für die geleisteten Stunden sammeln sie Zeitguthaben, die sie im Gegenzug bei Bedarf selbst in Anspruch nehmen können.

Nach einem verlängerten ersten Geschäftsjahr (23.7.2017 – 31.12.2018) der Genossenschaft KISS Reusstal-Mutschellen fand am Dienstag, 12. März 2019 die 1. Generalversammlung in den Räumen der kath. Kirche Zufikon statt. 46 der inzwischen 122 Mitglieder nahmen teil.

Die statutarischen Geschäfte wurden zügig behandelt. Hier einige erwähnenswerte Zahlen:

  • 2018 wurden 70 Erstgespräche mit neuen Mitgliedern geführt, die in der Regel bei ihnen zuhause stattfanden. Das ergibt eine Fülle an Lebenserfahrung und eine grosse Palette an Ressourcen, aus denen KISS schöpfen kann, wenn Anfragen für Unterstützung kommen.
  • Für den Aufbau von KISS wurden im ersten Jahr 1‘551 Stunden geleistet, das entspricht einem 100 %-Arbeitspensum während 10 Monaten.
  • Den meisten Menschen fällt es leichter, Hilfe anzubieten als welche anzunehmen. Dennoch wurden 2018 247 Einsatzstunden geleistet, was 6 Arbeitswochen entspricht.
    KISS wird ein besonderes Augenmerk darauf richten, dass Menschen den Mut aufbringen, die vielfältigen Angebote der Mitglieder, wie Hunde spazieren führen, Fahrbegleitung, Bilder aufhängen, Gesellschaft leisten, Einkaufen usw., in Anspruch zu nehmen.
  • Im 2018 wurden neun Kafi-Treffs durchgeführt. Nach anfänglich 6 Personen liegt die Zahl der Teilnehmenden inzwischen bei etwa 30 Personen. Lachen, Erzählen, Spielen, Informationsaustausch und Themen wie Digital unterwegs oder der Vorsorgeauftrag sind nur einige Stichworte zu diesen Treffen. Diese Kafi-Treffen sind zudem eine wichtige Möglichkeit, sich kennenzulernen, Vertrauen zu bilden und die Gemeinschaft zu stärken; dieses Vertrauen ist die Basis für neue Tandems von Gebenden und Nehmenden.
  • Spendenbeiträge gingen von Kirchgemeinden, Ortsbürger- und Einwohner-Gemeinden sowie von einzelnen Unternehmen und Privatpersonen ein. Hervorzuheben ist Zufikon: Sowohl die Ortsbürger als auch die römisch-katholische Kirchgemeinde unterstützten KISS mit grosszügigen Beiträgen. Dank haushälterischem Umgang mit den Finanzen schloss die Jahresrechnung mit einem kleinen Überschuss von rund CHF 2‘300 ab. Die grössten Ausgaben beinhalten Versicherungen, Drucksachen, EDV, Internet und Software. Für einen langfristigen qualitativ gesicherten Betrieb werden künftig mehr finanzielle Mittel benötigt, deren Beschaffung eine grosse Herausforderung darstellt. Ziel des Vorstandes ist es, weitere Einwohner-, Ortsbürger- und Kirchgemeinden ins Boot zu holen, welche die Genossenschaft auch finanziell mittragen. Immerhin stellt KISS für die Gemeinden auch ein Sparpotential dar, wenn Menschen dank eines tragfähigen Netzwerks weniger vereinsamen und ein Heimeintritt hinausgeschoben werden kann.

Bisher waren drei Personen für die Vorstandsarbeit verantwortlich. An der GV wurden drei weitere, bereits aktive Mitglieder in den Vorstand gewählt. Vordringliche Aufgaben für den Vorstand sind das Fundraising sowie das Erlangen der Steuerbefreiung, wie es in anderen Kantonen bereits der Fall ist. Das Budget 2019 ist ambitiös, möchte KISS doch den hohen professionellen Einsatz der Geschäftsleitung und der Koordinatorinnen entschädigen, um die Qualität langfristig sicherzustellen.

KISS ist bereits mit verschiedenen Organisationen in der Region vernetzt, u.a. mit den Regionalen Alterszentren, Procap Freiamt und auf kantonaler Ebene mit der römisch-katholischen Landeskirche Kanton Aargau und lädt weitere Organisationen zur Zusammenarbeit und Nutzung der Infrastruktur ein.

Umrahmt wurde die GV mit Märchen, die in fremde Welten entführten.

Den abschliessenden Apéro mit leckeren Häppchen richteten einige Mitglieder aus. So ist die KISS GV auch eine ausgezeichnete Gelegenheit, Kontakte zu vertiefen oder neu zu knüpfen – womit der Abend mit anregenden Gesprächen ausklang.

Maggie Gsell