Baden

Stadtrundgang in Badens Unterwelt

megaphoneLeserbeitrag aus BadenBaden

Der Verein Stadtlabor hat gezeigt, was Baden auch noch ist: ein Puzzle aus riesigen Parkgaragen.

Geplant war der Stadtrundgang des Vereins Stadtlabor schon lange, musste wegen Corona verschoben werden und fand am letzten Samstag doch noch statt. Am Theaterplatz gingen die rund 50 Teilnehmer*innen in Begleitung des Stadtlabors in den Untergrund: Ins tiefe Parkhaus darunter und weiter zum Parkhaus Migros, Bahnhof bis zum Trafoplatz. Zu sehen waren: Sehr viele Autos. Sibylle Wälty vom Stadtlabor kommentierte dazu: „Ein Paradigmawechsel ist notwendig: Statt Parkplätze gegen ‚Lädelisterben‘ Einwohnern in Gehdistanz!“

Beim Trafoplatz lud das Stadtlabor drei Personen aus dem Verein BadeNordStadt ein, zu schildern wie sie das neue Quartier mitgestalten konnten. Die Bilanz: Schlimmes konnte verhindert werden, ein belebtes Quartier ist doch nicht entstanden. Belebt ist der Platz nur bei Events. Doch der Wohnanteil ist viel zu tief. Die Stadt habe schlecht verhandelt, sagt Jürg Caflish, auch bezüglich eines Mehrwertausgleiches.

Danach ging es oberirdisch weiter. Bei der ehemaligen Villa Schnebli wies der Verein darauf hin, dass das Versprechen der Stadt, dass dort Freiraum für Quartier und das Royal geschaffen werde, nicht gehalten wurde. Die Eigentümer bauen nur eine kleine grüne Insel und halten den Zwischenraum nun für Anlieferung von Aldi, Lidl und Alnatura frei. Auf hartnäckige Nachfrage der Royal-Betreiber hiess es bei den Grundeigentümern jeweils: „zu früh, wir melden uns, zu spät“.

Auch im Kurpark schilderte das Stadtlabor einen Vorgang um ein Baufeld, wo beherzte Bürger*innen zwar mit einer Abstimmung erreichen konnte, das historische Pärke im Besitz der Stadt Baden geschützt werden – doch hier wurde schliesslich das Baufeld nur deshalb nicht überbaut, weil das Casino daran kein Interesse mehr hatte. Das Baufeld A bleibt weiter eingezont.

Der Wert von Freiräumen, Stadträumen oder Parkanlagen kann nicht in Franken gemessen werden. Das darf aber nicht heissen, dass sie per se wirtschaftlichen Überlegungen zum Opfer fallen.

Forderungen des Vereins Stadtlabor

Demnächst fällt der Startschuss zur Totalrevision der BNO. Im Hinblick darauf fordert das Stadtlabor, dass sich die Stadt klare Zielvorgaben macht, diese dann auch misst und gegeben Falls anpasst, die Bewohner*innen früh und durchgängig miteinbezieht, die BNO die Qualität sichert, sodass keine Sondernutzungsplanung erstellt werden muss.

Des weiteren sollen alle etwas von neuen Bauten haben: Wer durch einer Sondernutzungsplanung wesentlich mehr bauen darf soll einen Teil des erheblichen Mehrwerts als Ausgleich abgeben, damit dieser in die städtischen Infrastruktur reinvestiert werden kann. Wer vor Lärm wie geschützt werden soll, muss geklärt werden, wie auch die Auswirkungen aufs Stadtklima. Wen es um Freiräume geht, sollen private, halböffentliche und öffentlich Räume zusammen betrachtet werden.

Das handout mit To Do Liste für die Überarbietung der BNO findt sich auf der Webseite des Stadtlabors unter https://badlab.ch/wp-content/uploads/2020/09/handout.pdf.

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