von Philipp Hottinger, Allschwil

Der Allschwiler Theaterverein «Zum Schwarze Gyger» spielt Alan Ayckbourns medienkritische Komödie «Der Held des Tages» im Mühlestall Allschwil.

Helden werden von Medien gemacht bzw. in den Medien inszeniert. Wir alle kennen die sogenannten «Helden des Alltags»: Ein Kind aus dem Dorfbach gerettet, bei einem Autounfall selbstlos geholfen, plötzlich werden ganz normale Menschen von den Medien ins Rampenlicht gezerrt und zu dubiosen Stars. Andererseits sind wahre Bösewichte unsere liebsten Helden. Zum Beispiel sind wir als Zuschauer fasziniert von Karl Stromberg (gespielt von Curd Jürgens) und dem Beisser Jaws (Richard Kiel). Sie spielen den Superhelden James Bond (Roger Moore) in «The Spy Who Loved Me» problemlos an die Wand. Zeitweise wenigstens.

Im Mühlestall treffen beide Heldentypen in einer Fernsehproduktion aufeinander. Nach 17 Jahren. Der Bankangestellte Douglas Beechey stellte sich dem Bankräuber Vic Parks in den Weg, verhinderte den Raub und wurde so zum Helden des Alltags bzw. «Man of the Moment» (Originaltitel des Stücks). Der verhinderte Bankräuber und Kriminelle hat im Knast seine Memoiren geschrieben, wird vom Fernsehen entdeckt und macht Karriere. Er lebt in einer mondänen Villa am Mittelmeer. Oder ist es bloss eine Fernsehkulisse? Im Allschwiler Mühlestall sogar mit echtem Swimmingpool auf der Bühne! «Der Pool enthält 3000 Liter Wasser, benötigt 4 Stunden zum Befüllen und ist nicht geheizt (Plakat als Programmheft)».

Als Zuschauer (in der Sonntagsvorstellung vom 2. Juni) erlebe ich die Begegnung der beiden «Helden» als sehr zwiespältig. Zeitweise habe ich Mitleid mit dem Bankangestellten Douglas (gespielt von Michael Mittag) in seinem Wollpullover und Tweed-Kittel. An diesem heissen Nachmittag darf er erst im 2. Akt ein Fussbad im Pool nehmen, während seine Gegenspieler in lockerer Sommerkleidung auftreten. Und zwei Kinder spielen mit Quietschente und aufgeblasenem Haifisch. Zudem fasziniert mich der (hervorragend gespielte) Wahnsinn von Douglas, aber auch der Gärtnerin Rosa (Julia Saxer). Ich kann nie sicher sein, ob die Akteurinnen und Akteure ihre «wahren» Rollen spielen, oder sich in der Fernsehsendung von Ashley (Andrea Pauli) und Manager Kenny (Gianni Notegen) extra überdreht anstellen, mit dem Ziel, die ganze Inszenierung zu sabotieren. Tatsächlich steht die Fernsehproduktion mehrfach auf der Kippe, Tonausfall und vieles mehr.

Ist der Verbrecher und Fernsehstar Vic Parks (gespielt von Christoph Wyder) ein ähnlich sympathischer Bösewicht wie Karl Stromberg in James Bond? Für mein Empfinden eher nicht. Sein Umgang mit Ehefrau Trudy (Bri Jost) und seinen Hausangestellten Sharon und Marta (Rita Steuri und Jolanta Samochowiec) ist zu brutal. Aber es gilt auch hier: Wird dem inszenierten Bösewicht sein menschenverachtendes Verhalten vom Fernsehen aufgezwungen? Ich bin mir nicht sicher. Die ironischen Illusionsbrüche und (beinahe brechtschen) Verfremdungseffekte machen das Urteil (bewusst) schwierig. Und der Schluss wird völlig irreal... Unbedingt hingehen! Eine sehenswerte Aufführung!

Weitere Spieldaten: jeweils Mittwoch, Freitag, Samstag, Sonntag bis und mit 21. Juni.

Jeweils montags, dienstags, donnerstags: zusätzliche Konzerte und Lesungen

Tickets: An der Abendkasse, bei «Buch am Dorfplatz» oder via Email verein@zumschwarzegyger.ch vorreservieren.

Weitere Infos: http://www.zumschwarzegyger.ch/