Habsburg

VCU auf der Habsburg: Braucht es die traditionelle Gastronomie noch?

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Ja, sagt Rolf Kasper, einer der wichtigsten Exponenten in der Aargauer Gastrobranche. Aber die Kundenwünsche haben sich verändert, und die Gastronomie muss sich anpassen. Gleichzeitig verdient die Branche so wenig, dass sie saisonale Einbussen kaum verkraften kann. Die VCU AG/SO nahm kürzlich einen Augenschein auf der Habsburg, wo das Restaurant seit dem 1. April 2014 von Rolf Kasper betrieben wird.

Wir alle spüren den Umbruch in der Gastronomie. Es war hoch spannend, vor Ort einen Einblick hinter die Kulissen dieses hart gewordenen Geschäftes zu erhalten. Gastgeber Rolf Kasper ist heute einer der wichtigsten Exponenten der Aargauer Hotellerie und Gastronomie. Kasper ist Mitinhaber der Aargau Hotels; die Gruppe umfasst ein Dutzend Hotelbetriebe im Aargau. Kasper ist ausserdem langjähriges VCU-Mitglied.

Gast hat weniger Geld und Zeit

Gastronomen und Wirte und besonders auch wir als Konsumenten stehen heute vor vielen Fragen: Wird die «gewohnte» Gastronomie aussterben? Welche Möglichkeiten eröffnen sich? Was können die Gastronomen machen? Was haben wir als Gäste zu erwarten? «Der Gast will wenig Zeit zum Essen aufwenden, es muss schnell gehen – auch bei Geschäftsessen, und als wichtigste Konsequenz der geänderten Trinkgewohnheiten sind abends ab 21.30 Uhr die meisten Gaststätten leer.» Trotzdem ist eine vielfältige Gastronomie nötig, denn nur noch mit Güggeli oder Burgers drohe eine enorme Verarmung unserer Esskultur.

Betriebswirtschaftlich am Anschlag

Gleichzeitig, so Kasper, hat sich das Angebot massiv verändert. «Conveniance» ist heute aktuell, alle Zutaten sind überall erhältlich. Der Aufwand für das Essen auswärts schwindet im Verhältnis zum Einkommen. Wichtigste unternehmerische Herausforderung ist gemäss Kasper aber der Umstand, dass die Branche eindeutig zu wenig verdient. Saisonale Einbussen können finanziell schwerlich aufgefangen werden. Gleichzeitig sind grosse Investitionen kaum mehr finanzierbar, dabei ist der Kapitalaufwand hoch. «Aber die Banken halten sich bei Kreditvergaben natürlich extrem zurück, hier muss ein Umdenken einsetzen», fordert Kasper.

Neue Gastro-Initiativen in Gemeinden

In der Gastronomie braucht es Ideen und Herzblut, das war schon immer so und wird in Zukunft noch wichtiger. Kasper: «Das grosse Geld ist hier nicht mehr zu verdienen». Dabei ist der Gastrobereich für die Gesellschaft unabdingbar. Viele Lehrstellen und Arbeitsplätze hängen daran, und die Gesellschaft profitiert von gut geführten Gaststätten. Eine neue Entwicklung zeichnet sich auf dem Land ab, wo das Gaststättensterben grassiert. Gemeinden werden sich klar darüber, dass es ohne den geselligen Treffpunkt im Dorf nicht geht, wo sollen die Vereine abends denn hin? Als erfolgreiches Beispiel gilt hier Dürrenäsch, wo die Gemeinde zusammen mit Rolf Kasper ein Kooperationsmodell entwickelt hat, das es betriebswirtschaftlich erlaubt, die ehemalige «Dorfbeiz» wieder aufleben zu lassen. Auch in Rigi-Kaltbad läuft ein ähnliches Projekt; hier hat Kasper mit der Gemeinde, der Bahn und dem Badbetreiber eine IG gegründet, die das Dorf zu neuem Leben erweckt hat.

Genussreicher Ausklang

Was eine leistungsfähige Gastronomie bedeutet, wurde den Gästen spätestens nach dem Anlass klar: Der reichhaltige «Apéro riche» im wunderschönen Schlosshof und das vorzügliche Nachtessen im Schlossrestaurant kamen bei den über 30 VCU-Gästen sehr gut an. Kurz, das Restaurant Habsburg zeigte sich von der besten Seite.

Zum Referent:

Rolf Kasper wurde im April 1947 geboren und verzeichnet einen bemerkenswerten Werdegang. Nach der Berufslehre zum Mechaniker folgt eine Zusatzausbildung zum Kunstschlosser, gefolgt von der Handelsschule. 1970 Start zur Selbstständigkeit mit einem Schlosserei-1-Mannbetrieb. Anschliessend folgende Entwicklung: Schlosserei – Stahlrohrmöbelfabrik – Möbelfabrik – Immobilien – Hotels – Gastrobetriebe. Die Kasper-Holding umfasst heute mehr als zwei Dutzend Firmen in der Schweiz, davon ein Dutzend Hotels und Gastrobetriebe vornehmlich im Aargau. In allen Firmen sind heute mehr als 650 Mitarbeitende beschäftigt.

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