Vom 30.9.2018 bis 7.10.2018 begaben sich 22 Pilger mit Chorherr Richard Strassmann und Pfarrer Thei Hung auf die Pilgerreise nach Medjugorje. Beim Reiseunternehmen Eurobus in Windisch stiegen die ersten Pilger ein. Die Reise führte über Zürich, Luzern und Erstfeld, wo die restlichen Pilger zustiegen. Durch den Gotthardtunnel gelangte man ins Tessin und weiter über Mailand, Triest nach Kroatien, mit Übernachtung in Crikvenica im Hotel Kastel.

Im „Ort zwischen zwei Bergen“

Am nächsten Tag erreichten die Pilger Medjugorje, wo sie für fünf Nächte das gegenüber der Kirche gelegene Hotel International bezogen. Die Pfarrei Medjugorje befindet sich in Herzegowina, 25 Kilometer südlich von Mostar. Medjugorje (der Name ist slawischen Ursprungs und bedeutet „Ort zwischen zwei Bergen“) umfasst die Dörfer Bijakovici, Vionica, Miletina und Surmaci und bildet eine römisch-katholische Pfarrgemeinde, in der heute ca. 5000 Einwohner leben. Die pastorale Betreuung obliegt den Priestern der herzegowinischen Franziskanerprovinz von Marä Himmelfahrt. Die ganze Gegend ist von Kroaten besiedelt, deren Vohrfahren schon vor 13 Jahrhunderten das Christentum empfangen haben. Das Dorf wird 1559 zum ersten Mal in der Geschichte erwähnt. Die heutige Pfarrei wurde 1892 gegründet und dem heiligen Jakobus, dem Apostel und Beschützer der Pilger, geweiht.

Muttergottes erscheint sechs jungen Menschen

Bis zum 24. Juni 1981 war Medjugorje eine Ortschaft wie alle anderen kleinen Dörfer dieser Region: Die Einwohner bearbeiteten ihre Felder, pflanzten Tabak an, produzierten Wein und Gemüse und konnten so ihren Familien ein spärliches Auskommen sichern. Aus sozialpolitischen Gründen emigrierten viele in die Neue Welt, in westeuropäische Länder und auch in grössere Städte Bosniens und Herzegowinas und Kroatiens.

Am 24. Juni 1981 sahen sechs junge Menschen, Ivanka, Mirjana, Vicka, Ivan, Ivan und Milka auf dem Hügel Crnica, einige hundert Meter über dem Weiler Podbrdo, eine junge Frau mit einem Kind in ihren Armen. Zwei Tage später am 26. Juni 1981, erschien die Muttergottes erneut und rief zum ersten Mal mit den folgenden Worten zum Frieden auf: „Friede, Friede, Friede- und nur Friede! Zwischen Gott und den Menschen soll wieder Friede sein! Friede soll unter den Menschen sein!“

Vier Tage verbrachten die Pilger an diesem heiligen Ort.  Jeden Abend war bei der Kirche des heiligen Jakobus um 17.00 Uhr Rosenkranzgebet.  Die Pilger konnten sich unter die 10‘000 Wallfahrer mischen und jeder betete in seiner Muttersprache. Um 18.00 Uhr folgte die Hl. Messe auf Kroatisch. Per Radio konnte die Reisegruppe auf Deutsch zuhören. Anschliessend folgte das Heilungsgebet und die Aussetzung des Allerheiligsten. Während dieser Zeit boten die Priester in 50 Beichthäuschen das Beichtsakrament an.

Tagsüber besuchten die Pilger den Erscheinungsberg Pdbrdo, den Kreuzberg  Krizevac, das Mutterdorf, das vom verstorbenen Pater Slavko Barbaric nach den Kriegszeiten im Jahre 1992 ins Leben gerufen wurde.

Bei der Gemeinschaft Cenacolo

Die Pilger besuchten auch die Gemeinschaft Cenacolo, die am 16. Juli 1983 von der italienischen Ordensschwester Elvira Petrozzi gegründet wurde. In Saluzzo, in der Nähe von Turin, Italien, richtete Schwester Elvira ihr erstes Haus für junge Menschen in Kriesensituationen, besonders für solche mit Drogenproblemen, ein. Die Gemeinschaft zählt heute über 70 Häuser in Italien und der ganzen Welt, darunter auch in Medjugorje. Die Methodik der Gemeinschaft beruht auf einer Fokussierung auf Freundschaft und Ehrlichkeit. Jungen Menschen wird geholfen, im Zusammenleben wieder neue Perspektiven für ihr Leben zu finden. Dies geschieht unter anderem durch das Vertrauen in die heilende Kraft des Evangeliums, der Weg in die christliche Gemeinschaft, das Gebet und die Arbeit (Ora et labora). Die jungen Menschen leben dort nach Geschlechtern getrennt.  Die Aufname in die Gemeinschaft ist unabhängig von Nationalität und religiösem Bekenntnis. Die Sprache ist Italienisch und jeder kann sie lernen. Jeder Jugendliche erhält einen sogenannten „Schutzengel“ der ihm Tag und Nacht zur Seite steht und auch einmal drogenabhängig war. Der Aufenthalt im Cenacolo dauert etwa drei Jahre und  ist freiwillig. Wenn jemand gehen will, darf er gehen. Die Heilungsrate liegt aber bei 80 Prozent. Die Kosten für den Aufenthalt werden von Wohltätern der Gemeinschaft getragen.

Heimreise bei goldenem Herbstwetter

Bei goldenem Herbstwetter ging es wieder heimwärts. Die Rückreise führte die Pilger über Split, Zadar, Rjeka und Triest nach Ronchi dei Legionari, wo sie im Hotel Major die letzte Nacht verbrachten. Der letzte Tag führte weiterhin bei Sonnenschein über Venedig, Bergamo und Mailand ins Tessin. In Mendrisio wurde in der Kirche Kosmos und Damian die letzte Hl. Messe mit Chorherr Strassmann und Pfarrer Thei Hung gefeiert.  So gelangten alle Pilger, gestärkt an Leib und Seele, glücklich und zufrieden an ihre Einstiegorte zurück.

Lengnau, den 22. Oktober 2018 / Marianne Baldinger-Lang