Reinach

Was Freundinnen aneinander haben

megaphoneLeserbeitrag aus ReinachReinach
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Der Wandel der Beziehung während über 40 Jahren zu einer guten Freundin zog sich wie ein roter Faden durch den Vortrag von Lotti Schum aus Muri BE. Mit ihrem wiederum erfrischenden Vortrag, gespickt mit vielen Beispielen aus ihrem Leben, welchen sie kürzlich im reformierten Kirchgemeindehaus in Reinach hielt, fesselte sie ihre zahlreichen Zuhörerinnen.

Für Freundinnen war es eine gute Gelegenheit, zusammen das feine Frühstück zu geniessen und sich wieder mal vom Alltag auszuklinken. Schon die Tischdekoration animierte die Anwesenden, doch eine Freundin wieder mal zu einem Kaffeehöck einzuladen. Den drei Spielerinnen des Panflötenensembles Wynental, die mit ihren wunderschönen Stücken den Vortrag umrahmten, hätte man noch lange zuhören können, wie auch der Referentin, die in ihrer gewohnt ansprechenden Art sehr lebensnah zum Thema Freundschaft sprach, wobei das Meiste des Gehörten auch auf jede andere Beziehung übertragbar ist. Lotti Schum ist verwitwete Pfarrfrau aus Muri BE, Mutter von drei erwachsenen Söhnen, sechsfache Grossmutter und heute als Erwachsenenbildnerin und in der Lebensberatung tätig.

Wie entwickelt sich eine Freundschaft?
Jedes Mädchen, jede Frau sehne sich nach einer Freundin, der man alles anvertrauen könne, die einem verstehe und annehme, betonte die Refertin, denn Frauen seien in ihrem Denken und Fühlen meist ganz anders als Männer. Sie zeigte anschliessend nicht nur die Unterschiede zwischen Mann und Frau auf, sondern auch zwischen Männer- und Frauenfreundschaften. Gemäss der Umfrage einer St. Galler Psychologin können sich Frauen z.B. leichter miteinander verständigen, sind verständnisvoller und einfühlsamer, verdrängen weniger und diskutieren Dinge wirklich aus, lieben eine warme Atmosphäre usw. Lotti Schum ist ferner überzeugt, dass ganz viel Not und Einsamkeit in unsern Dörfern und sogar in der Welt nicht sein müssten, wenn alle Frauen eine Freundin hätten, der sie sich anvertrauen könnten. Zudem sei eine Frauenfreundschaft auch entlastend und hilfreich in einer Partnerschaft, ersetze jedoch nie den Partner. Schlicht und einfach sei es lebensnotwendig, dass man irgendwo Verbundenheit und Angenommensein erfahre, betonte die Referentin. Jede Freundschaft müsse aufgebaut und gepflegt werden, denn Freunde finden sei leicht, doch sie behalten schwierig. Gute Beziehungen müssten ausgeglichen sein im Geben und Nehmen, im Reden und Schweigen.

Wie lebt man eine Freundschaft?
Gegensätze würden sich nicht nur in einer Partnerschaft anziehen, sondern auch in einer Freundschaft, erwähnte die Referentin. Jeder Mensch habe in sich ein Sehnen nach dem Gegensatz. Dann gelte es aber auch in jeder Beziehung die Balance zu finden zwischen Nähe und Distanz sowie Empfindungen, Vorstellungen und Erwartungen offen und ehrlich auszusprechen. Ungeklärte Situationen, Spannungen oder auch Verletzungen sollte man möglichst früh bereinigen, um so grösseren Schaden zu vermeiden. Zudem verändere sich ein Mensch durch wechselnde Lebenssituationen bzw. -umstände und damit seine Beziehungen, wie die Referentin es selbst erfuhr. Diese seien etwas Spannendes und Dynamisches, wenn sie sich immer weiter entwickelten. Auch Enttäuschungen würden aber in Freundschaften vorkommen und seien Haltestellen auf unserem Lebensweg, mahnte Schum. So würden laut einem Zitat von Charles Tschopp Freundschaft und Liebe an den Enttäuschungen gemessen, die sie zu ertragen vermögen.

Die Krise in der Beziehung zur Freundin von Schum wurde aber auch zur Chance für sie. Weil ihr dadurch der Boden unter den Füssen weggezogen wurde, suchte sie wieder vermehrt den Halt und Trost in der Beziehung zu Gott. Dabei wurde ihr der Vers 2 aus 2. Samuel 22 in der Bibel zum Rettungsring. Gott enttäusche nie, sei ein Fels, der nicht wanke und ein starker Helfer, der immer für einem da sei, bemerkte die Referentin.

Wie findet man aber eine Freundin?
Der Wunsch allein nach einer Freundschaft reiche nicht aus, da müsse man selber aktiv werden. Sei man besonders gerne mit einer Frau zusammen, sei es wichtig, Freundschaft erst zu thematisieren und auch über Vorstellungen und Erwartungen zu sprechen. Finde man aber trotz aller Bemühungen einfach keine Freundin, sollte man sich selber prüfen, ob man z.B. zu vereinnahmend, zu besitzergreifend oder nicht vertrauenswürdig sei, mahnte die Referentin. Sie betonte ferner, dass es durchaus möglich und auch normal sei, dass man mehrere Frauenfreundschaften pflege mit unterschiedlichen Interessen.

Was macht eine Freundschaft so besonders?
Freundschaften seien Farbtupfer, die Farbe ins Leben brächten, meinte die Refertin. So seien Angenommensein, Offenheit, Vertrauen, Verfügbarkeit und Freude solche Farbtupfer. Diese untermalte Frau Schum mit Bildern aus dem Kinderbuch von Helme Heine von den drei unterschiedlichen Freunden.
Mit einem Zitat, das beschreibt, wie eine Freundin sein soll, schloss Frau Schum ihren hilfreichen Vortrag. (chg)

CDs dieses Vortrage können bei M. Sigrist, Breitestr. 51, 5734 Reinach, Tel.-Nr. 062 771 42 48 für Fr. 11.- bezogen werden. Das nächste Treffen findet im nächsten Frühling, am 13. März 2010, statt. Christine Stalder aus Riehen spricht dann zum Thema: "Leben in Beziehungen".

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