Es war eine dieser Cup-Affichen, welche diesen Wettbewerb ausmachen. Auf der einen Seite der Underdog, Handball Wohlen. Eine Mannschaft, die mit vier Niederlagen in Serie einen desolaten Meisterschaftsstart hingelegt hat und im Cup nur mit Mühe einen Zweitligisten ausgeschaltet hat.

Auf der anderen Seite der Favorit aus Solothurn. Das NLB-Team, das in der letzten Saison die drittbeste Equipe der Liga war und zuletzt vier Siege in Folge feiern konnte. Es war auch eine dieser Cup-Partien, die beiden Mannschaften in Erinnerung bleiben wird. Denn nichts kam so, wie es die Vorzeichen hätten erahnen lassen.

Die Gastgeber aus Wohlen zeigten von Beginn weg, dass sie sich durch die Ausgangslage keineswegs einschüchtern lassen. Ganz im Gegenteil, die Aargauer spielten mutig und zielstrebig auf, konnten sie ja ob der Rollenverteilung befreit ans Werk gehen, schliesslich hatten sie nichts zu verlieren.

Auf der Gegenseite agierte eine Solothurner Truppe, die schon früh in der Partie feststellen musste, dass ihr an diesem Abend nichts geschenkt wird. Und mit jedem Fehlwurf, mit jeder technischen Unzulänglichkeit und mit jedem Gegentor wurden die Aarestädter zusehends nervöser, da es ihnen nicht gelang, sich mehr als zwei Tore abzusetzen.

Zwei Streichhölzer anstatt ein Feuer

In der ersten Hälfte starteten die Ambassadoren zügig. Mit dem Schwung der Matchansprache von Trainer Marco Kurth schien seine Truppe für die bevorstehende Aufgabe gewappnet, das Feuer schien entfacht. Es stand nach einem 0:1-Rückstand gleich zu Beginn nach knapp sechs Minuten bereits 4:2 für den TVS. Die Motivation war jedoch nur von kurzer Dauer.

Schon nach wenigen Minuten verfielen die Solothurner – vor allem in der Defensive – in eine Lethargie. Wie bei einem Streichholz, das beim Entfachen kurz hell und intensiv aufflackert, danach aber beim kleinsten Hauch auszulöschen droht. So gingen die beiden Teams mit einem gerechten 13:13-Unentschieden zum Pausentee.

Wer dachte, dass der Unterbruch den Solothurnern hilft, um sich noch einmal zu sammeln, der hat weit gefehlt. Die zweite Halbzeit war quasi eine Kopie der Ersten. Der TVS zündete wieder ein Streichholz, legte mit zwei schnellen Treffern erneut eine Zwei-Tore-Differenz zwischen sich und Gegner.

Doch wieder verpuffte die Flamme nach kurzer Zeit. Im Unterschied zu den ersten 30 Minuten hatten nun aber die Vorzeichen im Spiel geändert. Es waren nun die Gastgeber aus Wohlen, die das Momentum auf ihrer Seite hatten. Immer wieder glichen sie die Solothurner Führung umgehend aus, lagen teilweise sogar selber mit einem Tor in Front.

Und so kam es, wie es in einem Cup-Spiel kommen muss. Gut zwei Minuten vor Schluss glich Wohlen ein weiteres Mal eine Solothurner Führung aus (27:27). Im Gegenzug scheiterten die Gäste freistehend am Aargauer Torhüter Sascha Rudi, der kurz danach noch einmal im Rampenlicht stehen sollte. Im folgenden Angriff von Wohlen kassiert der TVS seine erste und einzige Zweiminutenstrafe, was die Freiämter 48 Sekunden vor dem Abpfiff zum 28:27 ausnützten.

So blieb dem TVS noch ein Angriff, um sich wenigstens in eine Verlängerung zu retten. Und tatsächlich erzwangen die Gäste kurz vor dem Ende noch einen Penalty. Doch der oben erwähnte Heimteam-Keeper machte den Gästen einen Strich durch die Rechnung. Denn erst hielt er diesen Siebenmeter und danach vereitelte er mit einem beherzten Hechtsprung auch noch den Nachschuss auf das vermeintlich leere Tor und liess damit die Seinen jubeln.