Einen herrlichen Bergfrühling erleben! Dies blieb kein frommer Wunsch fantasie-reicher Frauen. Denn kurzerhand wurde die alljährlich 2-tägige Wandertour auf das erste Halbjahr vorverlegt. Doch wer organisiert den Trip? Und wohin sollte die Reise gehen? Bethli Keusch, ein Glücksfall aus den eigenen Reihen, kennt das Engadin wie ihre Hosentasche. Spontan übernahm sie das Organisieren und führte eine stattliche Schar des FTV-Boswil in den südöstlichen Zipfel der Schweiz. Auf der Unterengadiner-Sonnterrasse sollte das Wandererlebnis stattfinden.
Die Rhätische Bahn brachte die frohen Turnerinnen nach Guarda. Schon der kurze steile Aufstieg zum Dorf versprach einiges. War es das Entzücken an der seltenen Blumenpracht oder der versprochen Kaffeehalt? Jedenfalls sassen bald alle beim Klatsch und Tratsch, staunten über die Blumenpracht und die wunderschön verzierten, alten Bündner Häuser. Auf der linken Talseite, hoch über dem Inn, wanderte die Gruppe Richtung Ftan. Der Weg führte erst durch den Weiler Boss-Cha, dann mit Blick auf das im Tal eingebettete Ardez, an wildwachsenden Lilien, rosablühenden Alpenheckenrosen und pflanzenumschlungener Ruine vorbei. Eisen-hut, rote Waldnelken, Bergrittersporn, Arnika, Hauswurz, hellblauer Mohn - ein frohes Raten und Fachsimplen hielten so manche Hirnströme in Schwung.
Im komfortablen Hotel Bellavista liessen sich die Damen mit einem feinen Nacht-essen verwöhnen. Nach ein paar Liedern und ebenso vielen Engadiner Röteli-Likör fielen dann alle todmüde in die Federn! Am Sonntag trug der Sessellift die noch schlaftrunkene Gesellschaft in die Höhe nach Prui. Den Rucksack geschnürt, die Wanderstöcke in Position nahmen die Frauen die Wanderung auf dem Höhenweg über Motta Naturns nach Sent unter die Füsse. Ein wahrer Augenschmaus sollte es werden. Der bunte Wildwuchs und Blumenpracht übertrafen alle Erwartungen. Trottblume, Enzian und Vergissmeinnicht arrangierten sich zu einem wundervollen Erinnerungsstrauss an den Engadiner Bergfrühling. Die Freude an der Natur ist das eine, das andere die kulinarischen Genüsse: Ein kühles Bierli oder einen feinen Coup krönten den Abschluss des Wandertages. Vom malerischen Sent aus trug das Postauto die Gruppe nach Ardes, von wo aus die Bahn die müden Beine wieder ins sommerliche Boswil brachte. Der Reiseleiterin ein cordial engraziament. (gp)