Immer mehr Leute setzen bei ihrer Freizeit- und Feriengestaltung auf nachhaltige und innovative Projekte. Zum Beispiel auf gezielte Hilfe für die Bergbevölkerung. Sei es zur Verbesserung derer Lebensqualität oder zum Schutz und Erhalt ihrer Kulturlandschaften. So auch der Männerturnverein Staufen, der dieses Jahr bereits zum 15. Mal einen freiwilligen Arbeitseinsatz leistete. Dies in Zusammenarbeit mit „Bergversetzer“, einem Gemeinschaftsprojekt der Schweizer Berghilfe und der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB). Dem Programm und der Logistik für den freiwilligen Arbeitseinsatz zugunsten der Region Binntal nahm sich auch dieses Jahr wieder Toni mit seinen Helfern an. Möglich wurde dieses Unterfangen dank der grosszügigen finanziellen Unterstützung der Gemeinde Staufen, sowie der Schweizer Berghilfe. Für 14 Personen ein vielfältiges einwöchiges Arbeitsprogramm zusammenzustellen, eine Unterkunft samt funktionstüchtiger Küche zu finden, ist schon eine logistische Herausforderung und mit viel Arbeit und Geduld verbunden.

Dieses Jahr führte uns der Bergeinsatz nach Ernen. Das Dorf hat ca. 530 Einwohner, eine Fläche von 35,4 km2 und liegt im Goms auf der linken Seite des Rohnetals auf 1‘200 m über Meer. Im Jahre 1979 verlieh der Schweizer Heimatschutz dem Dorf Ernen den renommierten Wakkerpreis. Dieser bildete das Startkapital der Stiftung Heimatmuseum und Kulturpflege in Ernen. Das Dorf Ernen wird geprägt von einem überraschend grossen Reichtum an Wohnbauten aus dem 15. bis 18. Jahrhundert und zeichnet sich durch eine weitgehend intakte Natur- und Kulturlandschaft aus. Früher wurden zur Bewässerung der Felder auf der Sonnenseite Holzchännel, die auf Stützen stehen, eingesetzt (das Wallis zählt zu den niederschlagsärmsten Gebieten der Schweiz). Dieses Bewässerungssystem wurde während vieler Generationen gepflegt und gehegt. Inzwischen sind die Chännel durch modernere Bewässerungssysteme abgelöst worden und zerfallen. Unter der Leitung von Ernst widmete sich ein Team versierter Fachleute des Männerturnvereins mit grossem Elan der Renovation und Instandstellung des Erner Chännels. Es wurde gepickelt, gehobelt, gebohrt und geschraubt, Stützen ausgewechselt und einbetoniert. Entgegen der Prognosen hatten wir Glück mit dem Wetter. Am Morgen war es sehr kalt, gegen Mittag wurde es jeweils angenehm warm und sonnig. Am Freitagabend konnte die Gruppe dem Präsidenten der Stiftung, Peter Clausen, mitteilen: Auftrag ausgeführt, die Chännel sind renoviert und die Stützen stehen wieder senkrecht.

Die zweite Gruppe unter der Leitung von Bido hatte den Auftrag, den Informationsposten zum Leben der Bienen auf dem Kulturweg oberhalb von Ernen zu erneuern. Auch hier wurde motiviert und mit grossem Einsatz gegraben, gebohrt, geschraubt und betoniert. Das Bienenhaus wurde ausgeräumt und eingerüstet, das alte, verfaulte Schindeldach entfernt und durch ein Blechdach ersetzt. Die überschüssigen alten Bienenkästen mussten abgeführt und entsorgt werden. Eine grosse Tafel, auf der über das Leben der Bienen informiert werden soll, wurde aufgestellt und in den Boden einbetoniert. Des weiteren wurde die Einfahrt zum Platz verbreitert und ein Fundament für ein Bienenhotel gelegt. Honigbienen sind grossartige soziale Wesen. Ein Bienenvolk besteht aus bis zu 30‘000 Bienen. Sie werden vom Imker oder von der Imkerin als Nutztiere gepflegt, produzieren Honig und leisten einen wichtigen Beitrag bei der Bestäubung von Pflanzen und Bäumen. Neben den Honigbienen gibt es weltweit 30‘000 verschieden Arten von Wildbienen. Ihre Vielfalt ist beeindruckend. In der Schweiz sind 615 Arten bekannt. Leider sind die Bienen durch Krankheiten und den Verlust von Lebensräumen bedroht.

Auch Freizeit und Entspannung kamen nicht zu kurz. Die Abende verbrachten wir im Ferienhaus zwischen Ernen und Mühlebach. Zum Zeitvertreib wurde am Abend bei bissiger Kälte Pétanque gespielt, gejasst oder diskutiert. Unsere Koch Crew Robert und Toni überraschten uns täglich mit gluschtigen Mittagsmenüs, am Abend mit kulinarischen Köstlichkeiten.

Eine Abwechslung brachte der Mittwochnachmittag. Ein Ausflug führte uns in das für seinen Mineralienreichtum berühmte Binntal zu Geologe André Gorsatt. Er vermittelte uns spannende Einblicke in die Vielfalt der Kristalle. Über 270 verschiedene Mineralien wurden in den Gesteinsformationen des Tals gefunden.

Ein Dankeschön geht an das Organisationteam für seinen unermüdlichen Einsatz für das gute Gelingen des Bergeinsatzes. Auch der Küche vielen, vielen Dank für die vorzügliche Verpflegung.