Ultracycling

Ultracyclerin Nicole Reist will 2019 drei Rennen gewinnen – und das Männerfeld kräftig aufmischen

Hat in dieser Saison einiges vor: Ultracyclerin Nicole Reist will erneut Unmögliches auf dem Rennrad vollbringen und an gleich drei Nonstop-Rennen einen Sieg einfahren.

Hat in dieser Saison einiges vor: Ultracyclerin Nicole Reist will erneut Unmögliches auf dem Rennrad vollbringen und an gleich drei Nonstop-Rennen einen Sieg einfahren.

Nach ihrem zweiten überragenden Sieg letztes Jahr am Race Across America (RAAM), dem härtesten Ultracycling-Rennen der Welt mit 5000 Kilometern und 50'000 Höhenmetern nonstop quer durch Amerika, will Nicole Reist aus Weisslingen auch diese Saison wieder Unmögliches auf dem Rennrad vollbringen.

Bei gleich drei Nonstop-Rennen strebt Ultracyclerin Nicole Reist heuer den Damen-Sieg an: Bei der Glocknerman Ultraradmarathon Weltmeisterschaft, am Race Across France (RAAF) und am Race Around Austria (RAA).

Nachdem sie schon letztes Jahr mehrere Overall-Podestplätze geholt hat, will die weltbeste Ultracyclerin auch 2019 das Männerfeld kräftig aufmischen. Der Glocknerman in Österreich, wo sie ihren 4. Weltmeistertitel einradeln will, startet bereits nächste Woche.

Ultracycling – das ist Ausdauer-Radsport in Extremis: Strecken von mehreren hundert, ja meist mehreren tausend Kilometern werden dabei am Stück zurückgelegt. Die meisten Ultracycling-Rennen durchqueren oder umrunden ganze Länder und sind zwischen 1000 und 5000 Kilometer lang, mit 10'000 bis 50'000 Höhenmetern – nonstop!

Die Athleten sitzen dabei tagelang im Sattel, oft ganz ohne zu schlafen, in den längeren Rennen gönnen sie sich höchstens ein paar kurze Powernaps. Die Schweiz stellt mit Nicole Reist die zurzeit mit Abstand beste Ultracyclerin der Welt.

Rekordversuch durch Rennkombination: RAAM-Distanz mit 80'000 Höhenmetern

Die meisten Ultracycling-Athleten fahren pro Saison ein Rennen oder höchstens deren zwei, sofern sie nicht allzu lange sind und dazwischen viel Zeit für Erholung bleibt. Nicht so Nicole Reist: Gleich drei Ultracycling-Rennen will sie diesen Sommer fahren – mit teilweise sehr kurzen Pausen dazwischen.

Bereits nächste Woche findet vom 20. bis 22. Juni 2019 in Österreich im Rahmen des Glocknerman die Ultraradmarathon Weltmeisterschaft mit 1000 Kilometern und 17'000 Höhenmetern statt. Hier will Nicole Reist ihren 4. Weltmeistertitel holen und sich quasi für die echten Herausforderungen der Saison warmfahren: «Der Glocknerman ist ein vergleichsweise kurzes Ultracycling-Rennen, das ich in einem Stück fahre, also ohne Schlafpausen», so die Spitzenathletin verschmitzt.

Ambitionierte Athletin

Nur fünf Wochen später, vom 28. Juli bis 4. August 2019, will sie dann am Race Across France (RAAF) mit 2600 Kilometern und 45’000 Höhenmetern ihren Titel verteidigen, bevor sie gerade mal eine Woche danach, vom 12. bis 17. August 2019, beim Race Around Austria (RAA) mit 2200 Kilometern und 35'000 Höhenmetern startet, welches sie auch bereits zweimal gewonnen hat.

«Die Kombination des Race Across France und des Race Around Austria ergibt mit zusammengezählt 4800 Kilometern etwa die Distanz des Race Across America – allerdings mit 80'000 statt nur 50'000 Höhenmetern», erklärt Nicole Reist ihre Saisonherausforderung.

«Die Pause zwischen den Rennen ist nur gerade eine Woche – dies hat bisher noch kein Athlet versucht. Und ich will bei den Rennen nicht nur ins Ziel kommen – ich will beide gewinnen», so die ambitionierte Athletin selbstbewusst über ihre angestrebte Höchstleistung, bei der sie nebenbei auch noch den Streckenrekord der Damen im Race Around Austria holen will.

Nicole Reist gegen die Männer

Der Sieg im Feld der Damen ist für Nicole Reist schon fast Pflicht, ist sie doch seit Jahren die unangefochtene Leaderin weltweit in der Ultracycling-Szene. Noch mehr aufgefallen ist sie aber spätestens letzte Saison: Beim Race Across America holte sie nicht nur überragend den Frauensieg, sondern auch den dritten Rang Overall – liess also alle Männer bis auf zwei hinter sich.

Am Race Across France reichte es sogar für den zweiten Gesamtrang, nachdem sie tagelang in Führung gelegen hatte. «Ich will das Männerfeld auch dieses Jahr kräftig aufmischen und strebe weitere Overall-Podestplätze an», so die unerschrockene Nicole Reist.

Sollte alles zusammenpassen, könnte es sogar im einen oder anderen Rennen in der Gesamtwertung ganz nach vorne reichen. Die männlichen Athleten müssen sich auf jeden Fall auf die weibliche Konkurrenz gefasst machen!

Im Ultracycling trotz Vollzeitstelle alles erreicht

Nicole Reist, in Tann im Zürcher Oberland aufgewachsen, hat im Ultracycling der Frauen alles erreicht, was in diesem Extrem-Radsport zu erreichen ist – und dies, obwohl sie in einem Vollzeitpensum als Hochbautechnikerin arbeitet: Sie ist dreifache Weltmeisterin, Europameisterin und zweifache Schweizermeisterin, hat schon viermal das 1000-Kilometer Rennen TORTOUR rund um die Schweiz gewonnen, zweimal das Race Around Austria mit 2200 Kilometern, dreimal den österreichischen Glocknerman mit 1000 Kilometern, ebenso das 2150 Kilometer lange Race Around Ireland, das Race Across France mit 2500 Kilometern und schon zweimal das legendäre, fast 5000 Kilometer lange Race Across America.

Da es kein längeres Rennen als das Race Across America gibt, Nicole Reist ihre Grenzen aber noch nicht ausgelotet hatte, fing die höchstdisziplinierte Leistungssportlerin 2017 damit an, mehrere Ultracycling-Rennen aneinanderzureihen.

«Ich brauche immer neue Herausforderungen und Ziele», so Nicole Reist. «Da ich mich sehr gut erholen kann, wage ich mich nun halt an Rennkombinationen, die noch niemand gemacht hat» – und die in der Ultracycling-Szene eigentlich als unerreichbar gelten.

Zusammenspiel von Körper und Kopf

Trotz ihrer raschen Erholungsfähigkeit sind ihre Saisonziele 2019 auch für Nicole Reist sehr ambitioniert. Die Pausen zwischen den Rennen sind wirklich sehr kurz und zudem kann in einem Wettkampf viel passieren: «Bei einem mehrtägigen Ultracycling-Rennen ist es schwer, vorab einzuschätzen, was wirklich möglich ist. Das hängt jeweils auch stark von äusseren Bedingungen wie dem Wetter ab», erklärt Nicole Reist bescheiden.

«Ich weiss aber, dass ich die körperlichen Grundvoraussetzungen habe und auch mental stark bin.» Denn der Kopf ist bei Ultracycling-Rennen absolut entscheidend – dann nämlich, wenn die Beine nicht mehr wollen… «Genau dieses Zusammenspiel von Körper und Geist fasziniert mich an diesem Sport. Das eine geht nicht ohne das andere», so die passionierte Ultracyclerin.

«Genauso wichtig ist aber auch das Team, das mich während der Rennen mit dem Auto begleitet, mich betreut, navigiert, für Unterhaltung sorgt, mich wachhält und mein Essen bereitstellt. Ultracycling ist also nicht einfach ein Einzelsport», betont Nicole Reist.

Besonders wichtig ist auch ihre grosse Erfahrung. Sie weiss, welches Material es braucht, was in solch langen Rennen alles passieren kann und legt sich mittlerweile nicht nur einen Plan A und B, sondern auch einen Plan C und D zurecht, um auf möglichst alles gefasst zu sein.

Neues Rad und neues Outfit

Damit möglichst alles passt, hat Nicole Reist auf diese Saison hin auch ihr Material optimiert: «Mit Cervélo habe ich einen top Partner gefunden. Die neuen Rennmaschinen konnten perfekt auf mich eingestellt werden, teils sogar mit Sonderanfertigungen. So habe ich den bestmöglichen Komfort bei maximaler Aerodynamik!»

Neu fährt sie auch in Orange-Türkis und nicht mehr in Orange-Grau: «Grau wirkt sich negativ auf den mentalen Zustand aus, es bremst im Kopf. Daher musste etwas Frisches und Motivierendes hin. Zudem ist Türkis doch auch einfach schöner!»

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