Eigentlich war die Ausgangslage vor dem Spiel gegen Stäfa ja ziemlich komfortabel: Mit sattem Polster auf Platz zwei, zu Hause in der Aue, vor heimischem Publikum. Bessere Bedingungen konnte sich Städtli 1 kaum wünschen.

Eigentlich. Wäre da nicht die Niederlage in Möhlin gewesen. Müde, schlapp, ideenlos war man da aufgetreten und hatte gegen einen topmotiviert auflaufenden Gegner das schmerzliche Ende einer zehn Siege dauernden Serie über sich ergehen lassen müssen. Ärgerlich.

An die 500 Handballbegeisterte fanden sich nun in der Aue ein, um zu sehen, wie das Team von Björn Navarin auf die Auswärtsschlappe im Fricktal reagieren würde.

Offener Schlagabtausch auf Augenhöhe

Von Beginn weg legten beide Teams ein enormes Tempo vor. Dabei schien Städtli 1 den etwas besseren Tag erwischt zu haben: Nach sieben Minuten stand es 5:2 nach Toren und 2:2 nach Paraden.

Nochmal fünf Minuten später hatte sich das rasante Geschehen eingependelt: 6:6 – aber das Paraden-Verhältnis begann sich deutlich in Richtung der Gäste zu verschieben. Luca Frei (23/58, 40%), der Keeper der Lakers, entwickelte sich zur prägenden Figur des Spiels. Mal für Mal stand er am richtigen Ort, hatte irgenwie immer irgendein Körperteil just dort, wo ein Badener Spieler den Abschluss suchte.

Eine Nervenprobe

Auch wenn Städtli 1 mehr Druck entwickelte, gelang es so einfach nicht, sich abzusetzen. Und was fürs Publikum ein packender offener Schlagabtausch war, wurde für die Spieler zusehends zur Nervenprobe.

Ab der 21. Minute wechselte die Führung laufend, kurz vor Halbzeit mit dem besseren Ende für Stäfa. 19:20 zum Pausentee. 

Stäfa 25 Minuten lang in Front

Zum Start in die zweiten 30 Minuten ging es dort weiter, wo die Partie beim Pausenpfiff geendet hatte: Stäfa mit einem starken Torwart, Städtli mit missratenen Abschlüssen. Was die Gäste zwischenzeitlich auf bis zu fünf Tore Abstand davonziehen liess.

Das sah nicht gut aus, und manch einer spürte das Schreckgespenst der nächsten Niederlage aufziehen. Nur – und hier zeigte sich die Qualität im Badener Kader: Städtli 1 dachte nicht im Traum ans Aufgeben. Spielte beharrlich weiter und blieb seiner Linie treu.

Der Rückstand schmolz, das Tempo blieb hoch, die Intensität nahm zu. Und das Publikum kam nun ebenfalls so richtig in Fahrt.

Wirkungsvolle Manndeckung

15 Minuten vor Schluss lag Städtli 1 vier Tore hinten, als Pascal Bühler (8/15) für seine dritte Zeitstrafe die rote Karte gezeigt bekam. Die Badener Reaktion in Unterzahl? Das 25:28 durch Josef Zuber (7/12), der zum Ende der zwei Minuten auch gleich noch fürs 26:28 besorgt war.

Philipp Seitle (8/12) sorgte für die nächsten beiden Tore, Marcus Hock (7/15) liess bei den folgenden Siebenmetern ebenfalls nichts anbrennen.

Raphael Bolliger (2/5) kümmerte sich derweil um den gegnerischen Spielmacher Mikkel Madsden (8/11), dem Baden nun eine Manndeckung angedeihen liess. Eine Massnahme mit Wirkung, denn die Zürcher Angriffe verloren spürbar an Durchschlagskraft. Was Städtli nach zwei weiteren Seitle-Treffern fünf Minuten vor Schluss auf ein Tor heranbrachte.

Vorhang auf für Fabian Schmid. 

 Was für eine Mannschaftsleistung! Allen Widrigkeiten zum Trotz den Anschluss nicht verloren, bis zuletzt an sich geglaubt und die Partie auf der Zielgeraden noch gedreht – Städtli 1 hat eindrücklich gezeigt, weshalb es auf Platz zwei zu finden ist. Rechnerisch sind die Aufstiegsspiele zwar noch nicht in trockenen Tüchern, die Auswärtspartie gegen den RTV Basel am kommenden Samstag darf aber getrost als Hauptprobe verstanden werden.