WAHLEN
Alfred Heer nimmt Anlauf für den Zürcher Stadtrat

Seit Urzeiten ist die SVP nicht in der Zürcher Stadtregierung vertreten. Nun hat sich der prominente Nationalrat Alfred Heer bei der Findungskommission gemeldet, welche die Stadtzürcher Wahlen vom Februar 2022 vorbereitet. Heer hat einen Plan für den Wahlkampf.

Francesco Benini
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Bringt sich in Position: SVP-Nationalrat Alfred Heer.

Bringt sich in Position: SVP-Nationalrat Alfred Heer.

Alfred Borter / LTA

Seit 1990 ist die SVP nicht mehr im Zürcher Stadtrat vertreten. Es ist klar, dass nur ein prominentes Mitglied der Volkspartei Chancen hat, einen Sitz in der Exekutive zu erringen. Ein solcher Exponent scheint nun gefunden: Alfred Heer, Nationalrat seit 2007 und von 2009 bis 2016 Präsident der Zürcher SVP-Kantonalsektion.

Auf die Frage, ob er als Kandidat ins Rennen steige, antwortet Heer: «Ich spreche jetzt mit der Findungskommission über eine mögliche Stadtratskandidatur.» Für die SVP sei es sehr schwer, einen Sitz in der Zürcher Stadtexekutive zu erringen. Es sei aber unverkennbar, dass es in diesem Gremium dringend einen grösseren bürgerlichen Einfluss brauche. «In der Stadt Zürich nehmen die Verwüstungen zu; es gibt ständig Vandalenakte im Seefeldquartier, am Stadelhofen und in anderen Vierteln. Dagegen müsste ein Stadtrat energisch vorgehen.»

Heer legt sich also noch nicht definitiv fest. Er hat aber bereits eine Vorstellung davon, auf welches Thema er im Wahlkampf setzen würde: die Sicherheit. SVP-Kandidaten, die in früheren Ausmarchungen die rotgrüne Verkehrspolitik oder den subventionierten Wohnungsbau attackierten, kamen nicht weit.

In der Stadt Zürich ist die SVP klein. Heer muss die politische Mitte erreichen

Mit dem Thema Sicherheit lassen sich auch Wähler in der Mitte ansprechen – das ist wohl der Plan Heers. Die Stimmen der SVP-Sympathisanten reichen nicht für einen Sitz im neunköpfigen Stadtrat. 2018 kam die Volkspartei auf 13 Wählerprozente. Die Stadtzürcher Erneuerungswahlen sind auf den 13.Februar 2022 angesetzt.

Alfred Heer strebte in der Vergangenheit mehrmals neue Ämter an, wurde jedoch Mal für Mal von der eigenen Partei ausgebremst. Er wurde nicht Fraktionschef, nicht SVP-Präsident und auch nicht Kandidat für den Ständerat, weil ihn Roger Köppel ausbremste. Die negative Serie hat damit zu tun, dass Heer mehrmals den Kurs kritisierte, den Parteivater Christoph Blocher vorgab. Heer findet zum Beispiel, dass die sich die SVP weniger auf das Thema Zuwanderung konzentrieren und Wirtschaftsfragen stärker gewichten sollte.

Bodenständig, sprachgewandt, Stammgast auf Tele Züri

Die Zürcher SVP-Stadtpartei wäre aber ohne Zweifel froh, wenn sich Heer um einen Sitz in der Exekutive bewerben würde. Er ist in Zürich verwurzelt, gilt als bodenständig und ist Stammgast auf Tele Züri; zugleich ist er sprachgewandt und sitzt seit 2011 im Europarat, der sich vor allem dem Schutz der Menschenrechte annimmt.

Mag nicht mehr: Richard Wolff.

Mag nicht mehr: Richard Wolff.

KEYSTONE

Heer ist 59 Jahre alt; es bieten sich ihm nicht mehr viele Gelegenheiten, für ein Exekutivamt zu kandidieren. Er hat in den vergangenen Monaten merklich an Gewicht verloren. In Zürich vermuten einige, dass sich Heer damit fit für den Wahlkampf mache.

Am Freitag hat der Zürcher Stadtrat Richard Wolff verkündet, dass er 2022 abtrete. Der Schritt des Politikers von der Alternativen Liste war erwartet worden; Wolff wirkt seit einiger Zeit ausgebrannt. Kandidat der Alternativen Liste für den Stadtrat wird nun entweder Walter Angst, 59, Mitglied des Stadtparlaments seit 2002. Oder die 46-jährige Olivia Romanelli, erst seit zwei Jahren Gemeinderätin und in der Stadt Zürich weitgehend unbekannt.