Strafgericht
5,5 Jahre Haft: Ex-Wachmann hat rund 50 Einbrüche organisiert

Ein ehemaliger Protectas-Wachmann wurde verurteilt, weil er Einbruchdiebstähle organisiert hatte. Das Gericht liess allerdings die Frage offen, ob er tatsächlich ein hoher Bandenchef war.

Patrick Rudin
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Obwohl er nie in ein Haus eingestiegen ist, werden dem Ex-Wachmann rund 50 Einbrüche zu Lasten gelegt. (Symbolbild)

Obwohl er nie in ein Haus eingestiegen ist, werden dem Ex-Wachmann rund 50 Einbrüche zu Lasten gelegt. (Symbolbild)

Keystone

Er ist selber wohl noch nie in ein Haus eingestiegen, dennoch verurteilte ihn das Baselbieter Strafgericht in Muttenz als Mittäter: Wegen banden- und gewerbsmässigem Diebstahl, Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung muss er für 5,5 Jahre ins Gefängnis. Der 38-Jährige befindet sich bereits seit über zwei Jahren in Haft und hat mittlerweile den vorzeitigen Strafvollzug angetreten.

Das Urteil ist keine Überraschung, der Mann hatte seine Beteiligung an den meisten Einbrüchen zugegeben. Meistens kundschaftete er die Tatobjekte aus, chauffierte seine Mittäter zu den Häusern und organisierte ihnen die Unterkünfte. Das Gericht rechnete ihm rund 50 Einbrüche und eine Beute von 550’000 Franken an.

Diverse Mittäter sind bereits verurteilt. Die 54 angeklagten Fälle in der ganzen Region wurden in unterschiedlicher Besetzung durchgeführt, nebst DNA-Funden an den Tatorten überwachten die Ermittler auch die Telefone, in Deutschland pflanzte die Polizei einen GPS-Tracker an das Auto des Beschuldigten. Gerichtspräsidentin Jacqueline Kiss betonte dazu, die ganzen Überwachungsmassnahmen sowie die grenzüberschreitende Zusammenarbeit sei rechtsstaatlich sauber verlaufen, das Gericht durfte deshalb auch alle Beweise im Verfahren berücksichtigen. Bei Hausdurchsuchungen in Weil am Rhein sowie in Huningue kam nicht nur Deliktsgut, sondern auch eine Fotografie zum Vorschein: Die Täter hatten sich nach einem besonders lohnenswerten Einbruch in Feierlaune mit vielen Geldscheinen abgelichtet.

Mit einer Einbruchsserie allerdings wollte der 38-jährige Angeklagte angeblich nichts zu tun haben: Mehrere Häuser von Verstorbenen wurden ausgeräumt, während die Angehörigen bei der Beerdigung waren. Die entsprechenden Termine entnahm die Bande zuvor den Todesanzeigen. Der 38-jährige Angeklagte hatte dafür einen Mitbewohner verantwortlich gemacht, er selber würde so etwas nie tun.

Jacqueline Kiss sagte dazu in der Urteilsbegründung, diese Aussage sei nachweislich falsch: Auf seinem Laptop wurden die Adressen teilweise recherchiert, als der Mitbewohner in Haft war, oder die Einbrüche wurden gar während dessen Haftzeit durchgeführt. Damit bestehe kein Zweifel daran, dass der 38-Jährige auch diese Taten mitgeplant habe.

«Er war sich auch nicht zu schade, Todesfälle zu instrumentalisieren und aus reiner Geldgier die Trauer von Mitmenschen zu missbrauchen. Das ist zynisch und widerlich».

Sein damaliger Job als Grenzgänger und Sicherheitsangestellter bei der Protectas sei die ideale Tarnung für die Einbrüche und die Chauffeurdienste gewesen. So habe er zeitweise parallel zwei Einbrechergruppen geführt und koordiniert, Kiss bezeichnete dies als «logistische Glanzleistung». Diese Bewunderung nützt dem Mann indes nichts, insbesondere die Verknüpfung von Wachmann und Einbrecher führte zu einer Straferhöhung.

Ob es sich bei dem Mann tatsächlich um den eigentlichen Drahtzieher einer grossen Bande handelte, liess das Gericht offen. «An Ort und Stelle hatte er eine Schlüsselposition. Er gehörte wahrscheinlich zum lokalen Kader dieser Gruppierung. Offensichtlich muss es hinter ihm eine Organisation geben». Ein Polizeibericht sprach davon, er sei ein General, der seine Soldaten befehligt habe. «Das geht wohl ein bisschen zu weit», meinte Kiss dazu.

Der Mann ist bereits einschlägig vorbestraft. Generell sah das Gericht eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und drei Monaten als angemessen an, kürzte das Strafmass aber wegen des weitgehenden Geständnisses des Mannes auf fünfeinhalb Jahre. Das Urteil kann noch weitergezogen werden.