Manchmal ist es schwierig, bei einem Angeklagten überhaupt noch einen positiven Punkt zu finden. Der 20-jährige Iraker hatte sich nach einem halben Jahr auf der Flucht freiwillig der Polizei gestellt, was das Strafgericht in Muttenz am Dienstag ausdrücklich würdigte. Allerdings war dies das einzige, womit er überhaupt noch Punkten konnte.

Im Januar 2014 klingelte er zusammen mit einem Kumpel an einem Haus in Röschenz, sie durchsuchten während einer halben Stunde alle Zimmer und zwangen einen Bewohner zur Herausgabe von Bargeld und Drogen, danach sperrten sie den verängstigten Mann in die Waschküche. Dabei benutzte der 20-Jährige einen Schlagstock, sein Kumpel drohte mit einer Waffe.

Erhofft hatten sie sich offenbar mehrere Kilogramm Marihuana, faktisch zogen sie am Ende mit 100 Gramm und etwas Bargeld davon. Auch die erbeutete Bankkarte war nutzlos, weil ihnen der Bewohner in seiner Panik einen falschen Pin-Code angegeben hatte. Ob die Waffe echt war, konnte bislang nicht geklärt werden. Der 20-Jährige wollte auch seinen Mittäter nicht verraten, dieser ist noch immer auf freiem Fuss. Beim Überfall waren beide vermummt und trugen Plastikhandschuhe. «Nur wegen des Adrenalins», behauptete der 20-Jährige dazu am Montag. Die drei Richter stuften die ganze Aktion als Raub ein und verdonnerten ihn zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren.schon mehrere einschlägige Vorstrafen.

Schon als Jugendlicher fiel er auf, vor seinem 18. Geburtstag wurde er in Bern bereits wegen Raubes und einer Diebstahlsserie verurteilt, später kamen auch Delikte wegen Körperverletzung dazu. Es folgten Jugendheime, Therapieangebote und Massnahmen. 14 Tage vor dem Überfall in Röschenz hatte er noch eine Verwarnung der Berner Staatsanwaltschaft erhalten. Eine frühere bedingte Strafe von zehn Monaten widerrief das Gericht nun, diese Zeit muss er ebenfalls absitzen.

Ein Gutachter bezeichnete den Mann als in seiner Persönlichkeitsentwicklung schwer gestört. Wie Gerichtspräsidentin Monika Roth am Dienstag sagte, sei den Akten zu entnehmen, dass seine Eltern schon früh alle Hilfsangebote abgelehnt hätten. Der 20-Jährige hat keinen Schulabschluss, und er hat auch betont, dass er abhauen würde, wenn man ihn in einer Therapieanstalt unterbringen würde. «Das Gericht hat bei ihm nicht auch nur den Hauch einer Motivation zu einer Therapie erkennen können», sagte Monika Roth. Entsprechend verzichtete man auf jegliche Therapiemassnahmen.

Er wolle eine Maurerlehre machen, sagte er, und zwar möglichst sofort. «Ein bedingte Vollzug ist bei der hohen Rückfallgefahr gar kein Thema», stellte Roth dazu klar. Möglicherweise hat er sich im September 2014 den Behörden gestellt, weil er inzwischen auch jeglichen familiären Rückhalt verloren hat. Die Sozialhilfe ist bei ihm schon früher eingestellt worden, weil er nicht kooperativ war. Nach der Verbüssung seiner Strafe dürfte das Migrationsamt wohl klären, ob er in den Irak ausgeschafft werden kann.

Einen winzigen Trost gab es noch für ihn: Eine gefälschte Armani-Uhr im Wert von fünf Franken erhielt er zurück, weil sie offensichtlich nicht aus dem Raub in Röschenz stammte. Das ganze Urteil kann er noch weiterziehen.