Strafgericht

Rammbock-Einbrecher drohen über fünf Jahre Freiheitsstrafe

Bei den Einbrüchen überbrückte der Dieb die Distanz zwischen Schaufenster und Pollern jeweils mit Stangen, Schalbrettern oder Bauspriessen, davor schob er einen Müllcontainer und konnte mit dem gestohlenen Auto so meist problemlos die Eingangstüre aufwuchten. (Archivbild)

Bei den Einbrüchen überbrückte der Dieb die Distanz zwischen Schaufenster und Pollern jeweils mit Stangen, Schalbrettern oder Bauspriessen, davor schob er einen Müllcontainer und konnte mit dem gestohlenen Auto so meist problemlos die Eingangstüre aufwuchten. (Archivbild)

Die Einbrecher werden erfinderisch: Poller vor dem Schaufenster reichen als Einbruchsschutz für Juweliere schon lange nicht mehr. Ein Einbrecher steht seit Dienstag vor dem Basler Strafgericht. Ihm werden 17 Rammbock-Einbrüche zu Lasten gelegt.

Die Zeiten sind eigentlich längst vorbei, in denen Rammbock-Einbrecher einfach so mit einem gestohlenen Auto eine Schaufensterscheibe zerdeppern und sich bedienen konnten. Die Juweliere haben seit Jahren aufgerüstet, massive Poller und Steine schützen die Läden. Wie ein Fall nun zeigt, haben sich die Diebe inzwischen aber angepasst.

Ein 41-jähriger Bosnier steht seit Dienstag vor dem Strafgericht in Liestal, und er hat zugegeben, in den letzten Jahren mit Komplizen 17 solcher Einbrüche in der Schweiz begangen zu haben. Sein handwerkliches Arsenal ist beeindruckend: Bei den Einbrüchen überbrückte er die Distanz zwischen Schaufenster und Pollern jeweils mit Stangen, Schalbrettern oder Bauspriessen, davor schob er einen Müllcontainer und konnte mit dem gestohlenen Auto so meist problemlos die Eingangstüre aufwuchten. Für innere Gittertüren leistete ein Gurtspanner samt dem Retourgang des Autos gute Dienste.

Poller überbrückt

Das nötige Material hatte er zuvor entweder auf einer benachbarten Baustelle geklaut oder mitgebracht: Wagenheber, Kreuzpickel, Farbkessel, Steinbodenplatten, Abflussrinnen, Geissfüsse. Im Februar 2011 missbrauchte er beim Einbruch in Sissach kurzerhand gar einen Briefkasten eines Nachbarn. Auch ein ähnlicher Einbruch im Oktober 2004 in Reinach geht auf sein Konto, ein weiterer im April 2007 in Gelterkinden. Die Aktionen dauerten jeweils nur wenige Minuten und fanden immer zwischen drei und vier Uhr morgens statt. War die Türe nicht innerhalb von 30 Sekunden aufzubrechen, zog die Bande blitzartig ab.

Der Mann gibt seine Beteiligung zu, kann oder will zu seinen Mittätern aber wenig sagen. Zwei Unbekannte in den nun verhandelten Fällen werden von den Behörden als «U62» oder «U134» bezeichnet, weil man ausser deren DNA wenig weiss. Und die hohen Zahlen weisen daraufhin, wie uferlos die Fahndung nach Einbrechern offenbar ist.

Wie der Schmuck und die Uhren weiterverkauft worden sind, wollte der Mann vor Gericht ebenso wenig sagen. Die Staatsanwaltschaft geht bei ihm von einer Deliktsumme von 1,8 Millionen Franken aus. Der Sachschaden bei den Bijouterien beträgt rund 360'000 Franken. Ebenfalls geht man bei ihm davon aus, dass er das Sagen hatte: Als bislang einziger Angeklagter wird er von einem Fünfer- statt von einem Dreiergericht beurteilt, womit die Freiheitsstrafe auch mehr als fünf Jahre betragen kann.

Widersprüchliche Aussagen

«Es gibt keinen Chef», sagte er dazu kopfschüttelnd, alle seien gleichgestellt gewesen. Der Mann war mit 17 in die Schweiz gekommen, diente in den 1990er-Jahren jedoch in der jugoslawischen Armee. Auf Nachfragen des Gerichtes zu seinen widersprüchlichen Aussagen über Hintermänner meinte er einmal, er habe vielleicht Angst um seine Familie. Wie organisiert die Gruppe ist, blieb am Dienstag unklar: Eine SMS befahl nach diversen Festnahmen jedenfalls, man solle «untertauchen, aber nicht mit leeren Händen zurückkommen». Das Urteil fällt nächste Woche.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1