Gastkommentar

Bedingungsloses Grundeinkommen: Geld wäre genug vorhanden!

Geld für alle: Das bedingungslose Grundeinkommen funktioniert, glaubt Gastautor Oswald Sigg

Geld für alle: Das bedingungslose Grundeinkommen funktioniert, glaubt Gastautor Oswald Sigg

Geld für alle: Das bedingungslose Grundeinkommen funktioniert, glaubt Gastautor Oswald Sigg.

Bern, im Bus der Linie 10. «Das Geld liegt zwar nicht auf der Strasse, aber es ist vorhanden. In der Schweiz jedenfalls – wo denn sonst?»

Vor mir sitzen zwei ältere Herren, die über das bedingungslose Grundeinkommen diskutieren.

Sie sind sich einig: «Nein. Einfach jeden Monat Geld erhalten für nichts und wieder nichts? Nein. Wir haben nicht das Leben lang gekrampft, nur um dann zu sehen, wie die Jungen einfach nichts mehr tun», sagt der eine.

«Statt hart zu arbeiten und sein Geld sauer zu verdienen», sagt der andere.

Und ergänzt jetzt: «Hier auf dem Bundesplatz haben die Grundeinkommen-Boys ja ein paar Millionen Feuferli abgeladen. Und zuletzt haben die Girls im Hauptbahnhof Zürich Zehnernötli verteilt – ‹Zähnernöötli›, wenn Du verstehst was ich meine.»

Die Antwort kommt prompt: «Ja, eben: das Geld wäre vorhanden. Leider muss ich hier aussteigen.» 

Die beiden Herren wissen offenbar, woher das Geld kommt, und sie haben recht.

Das Geld – und das Gold – sind gerade auf dem Bundesplatz irgendwie spürbar. Den vom Parlamentsgebäude beherrschten, quarzgedeckten Platz säumen die Schweizerische Nationalbank, die Berner Kantonalbank und die Spar- und Leihkasse.

Die alte Bezeichnung für die heutige Valiant Bank ruft in Erinnerung, welche beiden Kerngeschäfte früher den exzellenten Ruf der Schweizer Banken begründeten. Was ist aus ihnen geworden?

Kein TV-Krimi, kein Skandal ohne Beteiligung einer Schweizer Bank

Es gibt verschiedene Klischees über die Schweizer Banken. In der Unterhaltungsindustrie sind sie beliebt.

Kein TV-Krimi, kein Skandal im Ausland kommt gänzlich ohne Schweizer Bank im Hintergrund aus. Aus ethisch-moralischer Sicht war die Bank in der Schweiz im letzten Jahrhundert, salopp gesagt, für Vermögen der Fluchtort vor Diktatoren und sie ist heute umgekehrt der Fluchtort für Vermögen von Diktatoren.

Ein Blick zurück zeigt aber ein gesundes, währschaftes und breit aufgestelltes Bankgewerbe.

Im Jahr 1938 gliedert es sich in rund 900 Kantonalbanken, 200 Grossbanken, 400 Bodenkreditbanken, 600 Raiffeisenkassen, 350 Sparkassen und 350 genossenschaftliche Depositenkassen, 80 Privatbanken und 15 ausländische Banken.

Der Kassenbestand aller dieser Banken beträgt Ende 1937 1634 Milliarden Franken und 90 Prozent davon sind Buchgelder, das heisst Bankdepositen und Postcheckguthaben.

Das Buchgeld ermöglichte damals die bargeldlose Übertragung eines Guthabens vom Schuldner- auf das Gläubiger-Konto.

Nur noch 10 Prozent des Zahlungsverkehrs wurde mit Bargeld ausgeführt. Dafür dienten als Zahlungsmittel Gold- und Silbermünzen im Wert von 667 Milliarden sowie Banknoten für 1751 Milliarden Franken.

Das Bankgewerbe hat sich zur
Finanzindustrie verändert

80 Jahre später hat sich das Bankgewerbe zur Finanzindustrie verändert. Nach dem Modell der Universalbank bieten sowohl die Grossbanken als auch Kantonalbanken, Regionalbanken und Sparkassen, Raiffeisenbanken, Auslandsbanken und Spezialbanken sowie Privatbankiers die ganze Palette von Dienstleistungen an: von Kredit- und Einlagengeschäften über Vermögensverwaltung, Zahlungsverkehr, Börsenhandel, Aktien- oder Anleihen-Emissionen bis zur Finanzanalyse.

Zusammen mit der Nationalbank und der Postfinance betreiben sie den gesamten Zahlungsverkehr in unserer Volkswirtschaft. Die dominanten Institute sind die Grossbanken UBS und CS.

Nach Angaben der Erklärung von Bern gehören sie zu den grössten Banken weltweit: die UBS mit Rang 25, die CS mit Rang 38.

Beide werden vom FSB (Financial Stability Board) als systemrelevant bezeichnet. Wenn nur eine in Schwierigkeiten gerät – was für die UBS 2008 der Fall war – dann könnte sie die Stabilität des globalen Finanzsystems gefährden. 

Und an dieser Stelle zurück zu den beiden Herren im Bus der Linie 10. Das Geld liegt ja auch nicht einfach so herum, sondern es arbeitet.

Die Finanzindustrie betreibt heute einen jährlichen Zahlungsverkehr von schätzungsweise weit über 100 000 Milliarden Franken.

Das entspricht einer Zahl mit 14 Nullen und der Betrag ist 156-mal so gross wie das Bruttoinlandprodukt, der Wert aller in der Schweiz produzierten Waren und Dienstleistungen im Jahr 2015.

Und dann müsste man die beiden Herren auch noch darauf hinweisen, dass allein mit einer Mikrosteuer von 0,2 Prozent auf dem gigantischen Zahlungsverkehr das ganze bedingungslose Grundeinkommen finanziert wäre.

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